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Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft
zusammengestellt von Dr. Uwe Meya

6. Dezember 2005
Neue Repressionswelle gegen buddhistische Lehrer in Tibet
Ein prominenter und hochgeschätzter buddhistischer Lehrer, Oser Lama, darf nach einem Aufenthalt in Indien nicht mehr in sein Stammkloster in Ost-Tibet zurückkehren. Dort wurde offenbar mit einer neuen, verschärften Kampagne der „Patriotischen Umerziehung“ begonnen [siehe auch Tibet-Information vom 19. Oktober 2005; UM]. Am 26. Oktober wurde nach offiziellen Ankündigungen chinesischer Offizieller in der Provinz Marham in Ost-Tibet mit einer neuen, verschärften Kampagne zur „Umerziehung“ begonnen, deren erstes Ziel Oser Lama wurde. Das lokale Büro für Religiöse Angelegenheiten teilte mit, dass im Zuge der Kampagne über 100 Klöster besucht wurden. Diesen wurde mitgeteilt, dass kein vom Dalai Lama anerkannter Lehrer, darunter Oser Lama, in ihre Klöster zurückkehren könne und niemand mit ihnen Kontakt haben dürfe, da diese nicht von der Zentralregierung anerkannt seien.

Oser Lama, der sich zurzeit in der exil-tibetischen Siedlung Bylakuppe in Südindien aufhält, ist Oberhaupt des gleichnamigen Klosters im ost-tibetischen Kham, das ausserdem 22 andere Klöster unter seiner Supervision hat. Diese Region ist sehr reich an Klöstern; die Präfektur Chamdo zählt 536 Klöster, darunter allein 22 in der Provinz Markham.

Ein ungenannter Mönch erklärte gegenüber Radio Free Asia: „Die Kampagne ist in vollem Gange. Wir werden in kleine Gruppen von 20 Mönchen eingeteilt. Manchmal müssen wir Formulare ausfüllen, manchmal Fragebögen komplettieren. Dazu müssen wir sechs Bücher über ‚Patriotische Umerziehung’ studieren.“

Massenprotest gegen „Patriotische Umerziehung“ im Kloster Drepung
Im Verlauf der verschärften Kampagne zur “Patriotischen Umerziehung” ereignete sich im Kloster Drepung, einem der grössten tibetischen Klöster nahe Lhasa, ein gewaltsam niedergeschlagener Massenprotest. Am 23. November wurde den Mönchen befohlen, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem sie den Dalai Lama als “Separatisten” denunzieren und Tibet als Teil von China anerkennen. Die Mönche weigerten sich, das Dokument zu unterschreiben. Fünf Mönche leisteten besonders heftigen Widerstand und wurden auf der Stelle des Klosters verwiesen und den Haftzentren des Public Security Bureau in ihren jeweiligen Herkunftsorten übergeben.

Auf die Festnahmen am 25. November hin führten über 400 Mönche einen friedlichen Solidaritätsprotest durch, indem sie einfach schweigend dasassen. Sie verlangten auch die Freilassung der fünf festgenommenen Mönche, oder falls dies nicht geschehe, dass man sie ebenfalls des Klosters verweise. Die Regierung gab Befehl, gewaltsam gegen die Mönche vorzugehen. Ein grosses Kontingent von Soldaten, bewaffneten Volkspolizisten und Kräften des Public Security Bureau traf im Kloster ein und schlug den Protest nieder. Dabei wurden die widerstrebenden Mönche schwer geschlagen und in ihre Unterkünfte zurückgetrieben.

Seit dieser Razzia darf niemand mehr das Klostergelände betreten noch verlassen. Sicherheitskräfte bewachen nun das Kloster und die Aktivitäten der Mönche rund um die Uhr.

Ein junger tibetischer Mönch, Ngawang Jangchub, 28, war bereits in der ersten Oktoberwoche unter mysteriösen Umständen auf eine “Umerziehungssitzung” im Kloster Drepung hin gestorben.

Bei dem jetzigen gewaltlosen Massenprotest der Mönche des Klosters Drepung in Lhasa handelt es sich vielleicht um den grössten seit einem Jahrzehnt Die gewaltsame Auflösung des friedlichen Protests der Mönche erfolgte einige Tage, nachdem der chinesische Präsident Hu Jintao während des Chinabesuchs von Präsident Bush eine Verbesserung der Menschenrechtslage zugesichert hatte.

Quellen: Radio Free Asia; Tibetan Center for Human Rights and Democracy (TCHRD), teilweise geänderte und gekürzte Uebersetzung aus dem Englischen von IGFM München

14. November 2005
Forscher werfen China Folter und Mord vor
Wissenschaftler erheben schwere Vorwürfe gegen die chinesische Regierung. Untersuchungen von mehreren hundert Flüchtlingen aus Tibet hätten ergeben, dass Hinrichtungen, Folter und psychische Gewalt noch häufiger vorkommen als bisher vermutet.

Seit die chinesische Volksarmee 1949 in Tibet einmarschierte, gibt es immer wieder Berichte von Übergriffen gegen die Bevölkerung. Doch präzise Informationen über Menschenrechtsverletzungen sind wegen der Zensur durch die chinesischen Behörden Mangelware. Forscher aus Kanada und den USA haben nun mehrere Studien über den Gesundheitszustand tibetischer Flüchtlinge ausgewertet. Die Ergebnisse seien erschreckend, berichtet das Team um Edward Mills von der kanadischen McMaster University im Fachblatt "BMC International Health and Human Rights". Die Anzeichen für Folter und psychische Krankheiten seien wesentlich häufiger zu beobachten als bisher vermutet, heisst es in dem Artikel (http://www.biomedcentral.com/1472-698X/5/7/abstract).

Das Team um Mills hat bereits früher die Berichte von Menschen studiert, die in den vergangenen Jahren aus Tibet geflohen waren, und eine hohe Zahl an Berichten über Kindesmisshandlungen, Folter, Vergewaltigungen und Hinrichtungen gefunden. Für ihre aktuelle Untersuchung haben die Wissenschaftler nach eigenen Angaben alle veröffentlichten Berichte über psychische Störungen unter tibetischen Flüchtlingen ausgewertet. Die Studien bezogen sich auf insgesamt 410 Menschen.

Mills und seine Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass 23 Prozent aller Flüchtlinge unter der sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) litten. Zu den Symptomen gehören Alpträume, Angstzustände, Teilnahmslosigkeit und das Wiedererleben traumatischer Erlebnisse. 57 Prozent der Flüchtlinge litten dem Bericht zufolge unter schweren Depressionen.

Die Wissenschaftler fanden zudem eine "inakzeptabel hohe" Zahl von Berichten über Folter und andere Menschenrechtsverletzungen. Zu den Methoden gehörten Schläge, Stromstösse und erzwungene Blutabnahmen. Zudem hätten viele Flüchtlinge Ermordungen und Verschleppungen von Freunden und Angehörigen beobachten müssen.

"Die Untersuchung liefert verlässliche Hinweise darauf, dass Menschenrechtsverletzungen in Tibet inakzeptabel oft vorkommen", so die Forscher. Sie riefen die Regierungen der USA, Kanada, Grossbritanniens und anderer Nationen auf, bei Verhandlungen mit China den Menschenrechten höchste Priorität einzuräumen.

Protest gegen Wahl der Tibet-Antilope als Olympia-Maskottchen
China präsentierte kürzlich fünf Tiere, darunter die Tibet-Antilope, als Olympia-Maskottchen, die, wie es offiziell heisst, China als „multi-ethnische Nation“ für die Olympischen Spiele 2008 portraitieren sollen. Tibet-Gruppen wiesen darauf hin, dass die Tibet-Antilope nicht zuletzt aufgrund der chinesischen Wilderei zur bedrohten Tierart geworden ist. Durch die geschickte Wahl einer tibetischen Spezies wird auch die Besetzung Tibets in der öffentlichen Wahrnehmung legitimiert, wenn das Tier dazu herhalten muss, als eines unter mehreren aus einer „multi-ethnische“ Nation dargestellt zu werden.

Tausende der Tibet-Antilopen wurden seit der chinesischen Invasion von ihren Soldaten teils grundlos hingemetzelt, manchmal nicht einmal zur Fleischgewinnung, sondern aus Langeweile oder als „lebende Zielscheiben“ für Schiessübungen. Eine andere Quelle der Bedrohung ist die Wilderei: die weiche Wolle dieser Tiere, Shatoosh genannt, ist international sehr gesucht. Die Tibet-Antilope wurde 1975 als bedrohte Tierart anerkannt, und der Handel mit den Fellen ist seit 1979 verboten.

Quellen: Der Spiegel; BioMed Central; Reuters

25. Oktober 2005
Microsoft beugt sich chinesischem Druck
Microsoft hat auf chinesischen Druck den offiziellen Ausdruck für bhutanesische Sprache, “Dzongkha”, aus seinen Software-Produkten verbannt. China hatte Bedenken angemeldet, dass dieser Ausdruck Assoziationen zum Dalai Lama wecken könnte. Staatsreligion in Bhutan ist Drukpa Kagyu, eine tibetische Schulrichtung, und Landessprache ist der tibetische Dialekt “Dzongkha”.

Microsoft verfasste eine interne Anweisung, dass diese Bezeichnung in keiner Software-Version, keiner Länderliste und keinen Werbematerialien für ihre Produkte verwendet werden darf. Begründet wurde dieser Anweisung damit, dass der Gebrauch von “Dzongkha” “… eine Assoziation zum Dalai Lama herstellt, die für die Regierung der Volksrepublik China nicht akzeptabel ist”.

Anstatt “Dzongkha” soll künftig der Ausdruck “Tibetisch – Bhutan” verwendet werden. Der beanstandete Ausdruck wurde in die höchste Klasse von Produktfehlern eingeordnet. Nach der internen Rangordnung werden Produkte mit derartigen “Fehlern” nicht freigegeben, bis diese nicht behoben sind.

Bereits im Juni 2005 hatten Bürgerrechtsgruppen kritisiert, dass Microsoft China half., Software zum Blockieren unliebsamer Internet-Inhalte zu entwickeln. Die Software entfernt automatisch Einträge aus Internet-Seiten wie “Freiheit”, “Demokratie”, “Menschenrechte”, “Tibet” und “Dalai Lama”.

Erst Anfang 2005 hatte Microsoft-Präsident Bill Gates der chinesischen Führung Komlimente für das Modell einer Marktwirtschaft mit strikter politischer Kontrolle gemacht. Er wird mit den Worten zitiert: “Das ist eine brandneue Form des Kapitalismus, und aus Konsumentensicht ist es die beste Sache, die es je gab.”

Blockiert Nepal den Transit tibetischer Flüchtlinge?
Eine nepalische Nachrichtenagentur berichtet, dass die Regierung beschlossen hat, keine Reisedokumente mehr für Flüchtling auszustellen. Angeblich sei kürzlich eine entsprechende Weisung des Aussenministeriums ergangen. Auch seien bereits die lokalen Verwaltungen in jenen Distrikten verständigt worden, in denen Flüchtling aus Tibet in Lagern wohnen.

Damit würde der Transit von tibetischen Flüchtlingen nach Indien nahezu unmöglich. In Nepal stellte bisher das Aussenministerium solche Reisedokumente für Flüchtlinge nach Überprüfung der Fälle durch das Innenministerium aus. Diese Reisedokumente stellen ein Äquivalent für Reisepässe dar.

In Nepal leben etwa 20’000 tibetische Flüchtlinge in mehreren Lagern. Jährlich flüchten schätzungsweise 2’500 bis 3’000 Tibeter nach Nepal.

Nach Einschätzungen von Beobachtern spielt König Gyanendra damit wieder die “chinesische Karte”. China hatte den Staatsstreich vom 1. Februar, in dem Parlament und Regierung de facto abgeschafft wurden, als “interne Angelegenheit Nepals” bezeichnet. Die internationale Gemeinschaft hatte dieses Manöver einhellig kritisiert. Nun könnte sich Nepal mit den Hindernissen für tibetische Flüchtlinge für die chinesische Haltung erkenntlich zeigen.

Eine offizielle Bestätigung seitens der Regierung Nepals über diesen Beschluss steht noch aus.

Quellen: Save Tibet; Nepalnews Exclusive

19. Oktober 2005
“Patriotische Umerziehung” in Klöstern intensiviert
Im Verlauf des Jahres 2005 hat China seine Kampagne der “Patriotischen Umerziehung” in Klöstern wieder verschärft. Wie geflüchtete Tibeter berichten, werden Mönche und Nonnen unter der Drohung der Wegweisung aus ihren Klöstern gezwungen, schriftlich den Dalai Lama zu verurteilen. Ausserdem wird ihnen “patriotische” Pflichtlektüre auferlegt, die später in Examina abgefragt wird. Einige neue “Mönche” erhielten auffallend schnell von der Regierung die Aufenthaltsgenehmigung für ein Kloster – und erschienen dann dort mit Mobiltelefonen ausgerüstet, um unliebsame Aktivitäten direkt an die Sicherheitsbehörden zu melden.

Aus mehreren Klöstern liegen Berichte vor, dass Mönche und Nonnen im Verlaufe dieses Jahres zunehmend gezwungen wurden, Dokumente zu unterzeichnen, die den Dalai Lama verurteilen. Andernfalls wurde ihnen mit Wegweisung aus dem Kloster gedroht. In mindestens zwei Klöstern – darunter in Sera (nahe Lhasa), einem der grössten Klöster Tibets - wurde seit April d.J. zusätzlich eine dreimonatige Kampagne mit politischer Pflichtlektüre für die Mönche abgehalten. In vier Sitzungen pro Woche mussten diese Bücher mit der offiziellen Sicht über Recht, Politik, Geschichte und “Ethik für die Massen” studieren. Danach wurden sie über den gelernten Stoff geprüft. Nichtbestehen oder sonstige “Verfehlungen” führten bei 18 Mönchen in Sera zur Wegweisung aus dem Kloster, und 8 von ihnen wurden im Büro für Öffentliche Sicherheit festgesetzt.

In einem Nonnenkloster wurden alle 50 Nonnen gezwungen, sich zum Zeichen der Unterstützung für diese Kampagne individuell fotografieren zu lassen. Nachdem sich nur 6 von ihnen dazu bereit erklärten, wurden die anderen weggewiesen.

Flüchtlinge berichten auch von der auffallend schnellen Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen der Behörden an neue Mönche. Alle Mönche in Tibet benötigen eine offizielle Genehmigung des “Büros für Religiöse Angelegenheiten”, um in ein Kloster aufgenommen zu werden; für jedes Kloster werden vorab Maximalzahlen an Mönchen festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Einige der so schnell zugelassenen Mönche erschienen mit Mobiltelefonen ausgerüstet in ihren Klöstern. Sie sollten unliebsame Aktivitäten (welches allein schon die Erwähnung des Dalai Lama in Gebeten oder Zeremonien sein kann) sofort melden. Ein Flüchtling berichtete, dass in einem Fall eine Durchsuchung des Klosters schon begann, als die betreffende Zeremonie noch gar nicht beendet war.

Das TCHRD hat seit Begin der Kampgane im Januar 1996 insgesamt 11’383 Wegweisungen aus Klöstern dokumentiert.

Mehr Analphabeten und weniger höhere Schulabschlüsse in Tibet
Die jüngsten für die Autonome Region Tibet (TAR) veröffentlichten regierungsoffiziellen Statistiken (siehe China Statistical Yearbook) zeigen, dass sich der Anteil der tibetischen Bevölkerung, der nicht lesen und schreiben kann, von 43,8% im Jahr 2002 auf 54,9% im Jahr 2003 erhöht hat. Damit ist der Trend in der TAR dem in allen anderen westlichen Provinzen der VR China genau entgegengesetzt, wo der Analphabetismus 2003 ebenso wie in den Vorjahren abnahm. Auffallend ist der Anstieg bei der Analphabetenrate speziell bei Personen über 15 Jahren Mit 55% liegt diese näher an den Raten, die Ende der Neunziger (1998 z.B. 60%) ermittelt wurden; 2002 lag die Rate bei nur 44%.

Der Anteil von Personen mit Grundschul-Bildung fiel von 62% im Jahr 2002 auf nur 55% im Jahr 2003. Der Anteil der Bevölkerung mit Sekundärbildung (Mittel- und höhere bzw. Berufsschulen) und darüber hinaus fiel von 15,4% in 2002 auf 14,2% in 2003.

Möglicherweise wurden die höheren Bildungsausgaben im Rahmen der Kampagne zur “Entwicklung der Westlichen Regionen” seit 2001 im wesentlichen durch ansteigende Lehrer-Gehälter absorbiert.

Quellen: Tibetan Center for Human Rights and Democracy TCHRD; Radio Free Asia; Tibet InfoNet (überarbeitete dt. Übersetzung durch IGFM München)

 

11. Oktober 2005
Feiern zum 40. Jahrestag der “Autonomen Region Tibet” – wie Lhasa von potenziellen Störenfrieden gesäubert wurde
China liess im September das 40. Gründungsjubiläum der Autonomen Region Tibet (TAR) – welche das historische Tibet als Resultat der Annexion politisch neu aufteilte - unter strengster Wachsamkeit und Kontrollen in Lhasa und anderen Teilen Tibets begehen. Die Feierlichkeiten gingen mit Repression und Razzien, verstärkter Überwachung und vorbeugenden Massnahmen einher, um einen störungsfreien Ablauf zu garantieren und das Bild eines "glücklichen, modernen und erfolgreichen Tibets" zu vermitteln.

Die chinesischen Behörden legten hinsichtlich der “Aufrechterhaltung der Stabilität” in der Region ein geradezu paranoides Verhalten an den Tag. Um während grösserer Feierlichkeiten einem etwaigen Aufbegehren der Tibeter zuvorzukommen, ergriffen sie diverse Vorsichtsmassnahmen, wie die verstärkte Überwachung verdächtiger Personen und ehemaliger politischer Gefangener, wobei sie auch nicht vor willkürlichen Verhaftungen zurückschreckten. Tibeter, zu deren Vorgeschichte politische Aktivitäten gehören, wurden aus der Stadt entfernt und einem Verhör unterzogen. Ihre Angehörigen mussten dafür bürgen, dass sie keine “unerwünschten Aktivitäten” ausführen.

Am 31. Juli entfernte die Volksverwaltung von Lhasa gewaltsam die Bettler von den Strassen und schickte sie an ihre Heimatorte zurück, um die Stadt von “unerwünschten Elementen” zu säubern. Ab der ersten Juliwoche mussten sich auch Touristen und auswärtige Besucher zusammen mit ihren Gastgebern beim Sicherheitsbüro melden. Letztere mussten für das Wohlverhalten ihrer Gäste bürgen. Tibetern wurde das morgendliche und abendliche Umschreiten der heiligen Stätten untersagt. Im Kloster Sera traf in der ersten Juliwoche ein zusätzliches Kontingent an chinesischen Kadern ein, um die Mönche der "patriotischen Umerziehung" zu unterziehen.

Am 14. August gab es in Lhasa eine grosse Militärübung unter der Bezeichnung "Task Force 05", um für einen allfälligen Ausbruch von Unruhen gut vorbereitet zu sein. An der Militärübung nahmen die Polizei des Sicherheitsbüros von Lhasa, die bewaffnete Volkspolizei und die Abteilung für nationale Sicherheit teil. Hohe Funktionäre wie Yang Chuantang, Parteisekretär der TAR, und der Vorsitzende des Komitees für "Sicherheit und Stabilität" hielten Ansprachen. Sie ermahnten die Bevölkerung, grössere Anstrengungen zu unternehmen, um eine lange Periode des "Friedens und der Stabilität" in Tibet zu erreichen.

Am 18. August fand ein "Motivations-Meeting" des Sicherheitsbüros von Lhasa statt, bei dem das Sicherheitspersonal ermahnt wurde, alles zu tun, um politische Vorfälle während der Feierlichkeiten im Keim zu ersticken. Die Vorgesetzten instruierten die Sicherheitskräfte, dass sie bei dieser Feierlichkeit eine wichtige politische Verantwortung trügen, ginge es doch um weit mehr als die blosse Aufrechterhaltung von Stabilität und Sicherheit.

Am 28. August nahmen chinesische Sicherheitskräfte Sonam Gyalpo, einen ehemaligen politischen Gefangenen, in seiner Wohnung in Lhasa fest. Über den Ort seiner Inhaftierung ist nichts bekannt. Der 43-jährige Sonam Gyalpo war einer der 21 Mönche des Klosters Drepung, die am 27. September 1987 friedlich für die Befreiung Tibets demonstriert hatten. Sonam verbrachte danach drei Jahre im Gutsa-Haftzentrum und im Drapchi-Gefängnis.

In Lhasa selbst hielten Sicherheitskräfte und Soldaten der bewaffneten Volkspolizei rund um die Uhr Wache und patrouillierten auf den Straßen. Alle Einfallsstrassen wurden kontrolliert und die Checkpoints waren Tag und Nacht besetzt. Tibetern aus der umliegenden Gegend war es am Tag der Feierlichkeiten verboten, nach Lhasa zu gehen.

Quellen: Tibetan Center for Human Rights and Democracy TCHRD (überarbeitete dt. Übersetzung durch IGFM München)

6. September 2005
Studie: Wirtschaftswachstum fördert soziale Ausgrenzung in Tibet
In seinem neuen Buch mit dem Titel "State Growth and Social Exclusion in Tibet: Challenges of Recent Economic Growth" (University of Hawaii Press, zu beziehen über amazon.com) entlarvt der auf Entwicklungsfragen spezialisierte Wirtschaftswissenschaftler Andrew Fischer den Mythos, dass die Armut bei wirtschaftlichem Wachstum automatisch zurückgehe. In seiner Studie über Statistiken und die Lebensumstände in Tibet, die auf einer gründlichen Analyse offizieller chinesischer Daten beruht, zeigt Fischer auf, wie mit dem Wirtschaftsboom in Tibet zugleich Armut und Ausgrenzung der einheimischen Bevölkerung zunehmen. Fischer vertritt die These, dass die Entwicklungspolitik, die China in seinen westlichen Regionen betreibt, ihrem Wesen nach eine Politik des Ausschlusses vom Wirtschaftswachstum ist. Zu diesem Schluss kommt er mittels einer sorgfältigen Auswertung statistischer Daten sowie durch Interviews mit Bauern, Nomaden, städtischen Unternehmern, Regierungsbediensteten, Lehrern, Schülern und Studenten wie auch mit Repräsentanten internationaler, in Tibet tätiger NGOs.

Fischer stellte fest, dass Strategien, die sonst zur Förderung lokaler Beteiligung und Eigentumsbildung im Rahmen des Entwicklungsprozesses in China Verwendung finden, in Tibet komplett ignoriert werden. Subventionen werden derart eingesetzt, dass sie den städtischen Zentren, in denen sich fast alle chinesischen Migranten niederlassen, Vorteile verschaffen, was auf Kosten sowohl der ortsansässigen wie der vom Land zugewanderten Tibeter geschieht. Die Einkommen in den ländlichen Gebieten sinken und die von der WTO geforderten Reformmassnahmen zum Nachteil der tibetischen Bauern werden manipuliert, obwohl diese kaum Berufschancen ausserhalb der Landwirtschaft haben. In Tibet werdem viel weniger an sozialen Leistungen wie Gesundheitsversorgung und Bildung als im übrigen China zur Verfügung gestellt, obwohl die Einkommen sinken.


Bericht: Situation in Nepal macht Flucht aus Tibet riskanter
Ein Bericht der International Campaign for Tibet (Washington) zeigt, wie die instabile politische Situation in Nepal die Gefahren für Flüchtlinge aus Tibet erhöht. China wusste den Aufstand der Maoisten geschickt auszunützen, um mehr Einfluss auf das politische Geschehen in Nepal zu nehmen. Dazu zählen auch Massnahmen gegen unliebsame exil-tibetische Aktivitäten, wie zum Beispiel die mit zweifelhaften formaljuristischen Begründungen vollzogene Schliessung des tibetischen Flüchtlingszentrums in Kathmandu [vergl. Tibet-Information vom 27. Januar 2005; UM].

Immer mehr Tibeter versuchen jetzt die Flucht und den Transit nach Indien unter Umgehung des offiziell geschlossenen Flüchtlingszentrums in Kathmandu, dessen Status nach wie vor unklar ist. Damit entgeht den Flüchtlingen aber auch die Hilfe vom UNHCR, welches bisher den Transit nach Indien logistisch unterstützte.

Ein anderer Faktor ist die Tatsache, dass sich die Grenzpolizei von Nepal aus Furcht vor Attacken der Maoisten immer weniger aus ihren Stützpunkten traut. Die nach dem früheren “Gentleman’s Agreement” vorgesehene Eskortierung von Flüchtlingen nach Kathmandu wird damit zu einer riskanten Variante, und viele Grenzpolizisten gehen lieber den bequemeren Weg und liefern statt dessen die Flüchtlinge umgehend wieder an ihre chinesischen Kollegen aus. Nicht selten sind hier sogenannte “kooperative Beziehungen” entstanden, das heisst, die chinesische Seite “belohnt” solches Handeln mit “Kopfgeldern”.

Etwa ein Drittel der 2’500 Flüchtlinge des letzten Jahres waren Kinder unter 14 Jahren.

Quellen: Tibet Justice Center (überarbeitete dt. Übersetzung durch IGFM München); International Campaign for Tibet (Washington)

12. August 2005
Umfangreiche Bespitzelung der “Giftigen Fünf”
Den Enthüllungen eines ehemaligen chinesischen Diplomaten zufolge zählt die Regierung der VR China tibetische "Separatisten" zu den sogenannten "fünf giftigen Gruppen". Der im Mai d.J. geflüchtete erste Sekretär des chinesischen Generalkonsulats in Sydney, Chen Yonglin, beschrieb im Juli vor amerikanischen Abgeordneten, wie Peking seine ausländischen Gesandtschaften benutzt, um von dort aus einen "Krieg" (Originalzitat) gegen bestimmte Zielgruppen, vor allem die Meditationsbewegung Falun Gong, zu führen.

Falun-Gong-Anhänger, die taiwanesische Unabhängigkeitsbewegung, uighurische Separatisten und Demokratie-Aktivisten sind die anderen vier verfolgten Gruppen. Chen legte ein Dokument aus dem Jahr 1999 vor, in dem die von den "Giftigen Fünf" während des Australienbesuchs des damaligen Präsidenten Jiang Zemin verursachten Proteste und Unruhen beklagt werden. Von CNS-News wurde Chen so zitiert: "Die Konsulatsmitarbeiter hatten die Aufgabe, anhand der zur Verfügung stehenden Daten gegen Falun Gong gerichtetes Propagandamaterial zu erstellen und dieses an diverse Regierungsabteilungen, Ministerien, NGOs, Bibliotheken und Schulen zu verteilen".

Chen erklärte den amerikanischen Abgeordneten, daß die VR China ein Netz von mehr als 1.000 "Geheimagenten und Informanten" in Australien und eine noch wesentlich größere Anzahl in den USA unterhalte. In jeder ausländischen chinesischen Mission sei mindestens ein Kader für Falun Gong zuständig, fügte er hinzu, wobei der jeweilige Chef und Vizechef der diplomatischen Vertretung rechenschaftspflichtig seien.

Widerstand gegen Referat des Dalai Lama an einem wissenschaftlichen Kongress
Seit langem versucht die VR China, dem Dalai Lama oder anderen Tibetern jede Möglichkeit zu öffentlichen Auftritten zu entziehen. Gehört es schon zum Ritual, dass der Dalai Lama nicht von Politikern empfangen werden darf, so protestierte Bejing auch gegen die Teilnahme der “Miss Tibet” an einem Schönheitwettbewerb in Zimbabwe [vergl. Tibet-Information vom 25. Februar 2005;UM] oder drohte es mit Sanktionen gegen den Crevetten-Import gegen Grönland, als ein inoffizielles Fussball-Länderspiel Grönland gegen Tibet in Kopenhagen durchgeführt wurde [vergl. Tibet-Information vom 7. Mai 2001; UM].

Nun erreicht diese Kampagne offenbar auch die wissenschaftliche Welt. Die Zeitschrift “Nature”, eines der zwei weltweit renommiertesten wissenschaftlichen Journale, meldet Protest gegen die Teilnamhe des Dalai Lama am Jahreskongress der ebenfalls sehr renommierten amerikanischen Fachgesellschaft “Society of Neuroscience” im November d.J. Der Dalai Lama sollte dort aus seiner Sicht Stellung nehmen zu den den in “Nature” veröffentlichten Resultaten des US-Wissenschaftlers Richard Davidson über die Veränderungen, die tiefe Meditation in der elektrischen Aktivität des Gehirns erzeugen kann. Seit langem fördert der Dalai Lama wisschenschaftliche Untersuchungen, ob es nachweisbare physiologische Korrelate dafür gibt, wie Meditation die Funktion des Gehirns verändern und Wohlbefinden erzeugen kann. Die “Nature”-Publikation war die erste ihrer Art und erregte weltweit grosses Aufsehen.

Etwa 50 Mitglieder der “Society of Neuroscience”, die meisten von ihnen mit chinesischen Namen, protestieren gegen das Referat des Dalai Lama und drohten damit, nicht am Jahrestreffen teilzunehmen und ihre eigenen Vorträge zurückzuziehen. Sie betonen rein wissenschaftliche Gründe für ihren Protest. Einer von ihnen nannte die Forschung über Meditation ein Gebiet mit “hyperbolen Ansprüchen” und “begrenzter wissenschaftlicher Sorgfalt”.

Die Veranstalter wollen an der Einladung des Dalai Lama festhalten. Die Veranstaltung der “Society of Neuroscience” ist die zweite in der Serie “Neurowissenschaft und Gesellschaft”.

Quellen: Phayul (überarbeitete dt. Übersetzung durch IGFM München); Nature

7 Juli 2005
Vierte Gesprächsrunde zwischen Gesandten des Dalai Lama und China
Am 30. Juni und 1. Juli trafen sich eine fünfköpfige Delegation mit Gesandten des Dalai Lama und hochrangigen chinesischen Offiziellen zur vierten Gesprächsrunde seit Wiederaufnahme des Dialogs vor zwei Jahren. Im Gegensatz zu den früheren Gesprächsrunden reisten die Gesandten nicht nach China, sondern die Gespräche fanden in der chinesischen Botschaft in Bern statt. Details über Gesprächsthemen oder allfällige Resultate liegen noch nicht vor.

Die Delegation der Tibeter war sehr hochrangig besetzt: Kelsang Gyaltsen und Lodi Gyari als spezielle Gesandte, die auch bei den vorigen Runden dabei waren, dazu Tsegyam Ngaba, der Gesandte des Dalai Lama in Taiwan; Bhuchung Tsering, Mitglied einer speziellen Task Force aus Dharamsala, und Samdhong Rinpoche, der gegenwärtige Ministerpräsident der Regierung im Exil. Eine Namensliste der chinesischen Gesprächspartner, die ebenfalls als hochrangig beschrieben wird, liegt nicht vor.

Es liegt lediglich ein kurzer Kommentar von Samdhong Rinpoche vor, den er am Rande der Feiern zum 70. Geburtstag des Dalai Lama am 6. Juli abgab. Hier sind Auszüge: „Erst jetzt realisieren die Chinesen, dass der Dalai Lama nicht das Problem ist, sondern der Schlüssel zur Lösung des Problems…Er hat jetzt sein 71. Lebensjahr begonnen, und er kann noch lange leben. Er hat bestimmt noch 20 Jahre zu leben, und während dieser Zeit wird eine Lösung gefunden werden.“ Zu den Gesprächsrunden sagte Samdhong Rinpoche: „Der erste Kontakt war dazu da, „hallo“ zu sagen, die zweite Runde war halb touristisch, aber in der dritten Runde wurde viel Zeit in Diskussionen investiert, um Befürchtungen der Chinesen zu zerstreuen… Die [gerade beendete] vierte Runde diente dazu, Fragen zu beantworten, die in der vorigen Runde aufgeworfen wurden… Diese Gepräche kann man nicht als Verhandlungen bezeichnen, sondern als einen Dialog über bestimmte Auffassungen, um eine gemeinsame Basis zu finden, und weil unser Meinungsaustausch so intensiv war, hoffen wir, dass nun Verhandlungen mit den Chinesen in der näheren Zukunft stattfinden werden. Wir reden bisher nicht über die grundlegenden Dinge selbst, sondern über Gesprächsthemen, die sicherstellen, dass dann wirklich die grundlegenden Fragen zum Gesprächsgegenstand werden.“ Samdhong Rinpoche verneinte die Frage, ob externe Vermittler, wie etwa die Norweger, die zur Zeit in Sri Lanka vermitteln, involviert werden. „Wir glauben, dass solche Vermittler bein internationalen Konflikten benötigt werden, aber weil wir die chinesische Souveränität akzeptieren, ist das eine interne Angelegenheit und wir werden sie untereinander lösen.“

Offizielle Stellungnahmen aus Bejing waren hingegen unverändert. Ein Regierungssprecher teilte den Medien mit, der Dalai Lama „muss klar und in aller Öffentlichkeit anerkennen, dass Tibet untrennbarer Bestandteil Tibets ist. Nur unter dieser Bedingung kann die Regierung Diskussionen über seine Zukunft beginnen.“

In Tibet selbst wurden die Sicherheitsmassnahmen in den Tagen um den 70. Geburtstag des Dalai Lama verstärkt. Laut einem Dekret von 2001 ist es verboten, „Gebete zu sprechen, Segnungen zu geben, und seine Verdienste zu preisen… Es ist strikt verboten, in der Öffentlichkeit oder privat illegale Aktivitäten auszuführen, wie sich zu versammeln, Weihrauch zu verbrennen oder Tsampa in die Luft zu werfen [Das Werfen von Gerstenmehl, Tsampa, ist eine häufig verwendete Handlung bei erfreulichen Ereignissen. Dieses fand z.B.auch statt, als die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama bekannt wurde; damals beteiligten sich die Chinesen noch nichts ahnend daran; UM].“

Quellen: AFP

23. Mai 2005
Ein neuer Fall von Internet-Zensur in Tibet – Herausgeber verschwunden
Mehr und mehr zensiert die chinesische Regierung Inhalte, die über das Internet verbreitet werden [vergl. auch Tibet-Information vom 17. Mai 2004; UM]. Im März d.J. wurde, wie jetzt bekannt wurde, die "Website Tibetische Kultur" geschlossen. Diese Website wird von der Xueyu Zangren Cultural Exchange Co Ltd aus der nordwestchinesischen Provinz Gansu ins Netz gestellt und wurde am 25. März von der Internet-Verwaltungsabteilung des PSB [Public Security Bureau = Büro für Öffentliche Sicherheit] der Provinzhauptstadt Lanzhou geschlossen. Es wird spekuliert, von Internetsurfern platzierte Texte über "heikle Themen" könnten zu der Schliesung geführt haben. Der Chefredakteur und verantwortliche Herausgeber der Website, Tsewang Norbu, ist seitdem spurlos verschwunden. Nach massiven Protesten verschiedener internationaler Organisationen wurde die Schliessung rückgängig gemacht. Über den Verbleib von Tsewang Norbu ist indessen nichts bekannt geworden.
Die chinesische Regierung hat bereits mehrere Millionen Dollar für ein landesweites Internet-Überwachungssystem ausgegeben und konnte Websites mit mutmasslich gegen die Regierung gerichteten Inhalten erfolgreich blockieren.Die Organisation "Reporter ohne Grenzen” kritisierte bereits Ende 2003 die Pläne der chinesischen Behörden zur Errichtung eines landesweiten Überwachungssystems mittels streng kontrollierter Internetcafe-Ketten. Es wurde Überwachungs- und Kontrollsoftware in den Internetcafes installiert, womit sich die Behörden über die übermittelten Informationen auf dem Laufenden halten können. Im April 2004 führte die Abteilung des PSB in Lhasa für Internetsicherheit eine Pflicht-Registrierungskarte für Internetbenutzer ein. Alle Surfer müssen auf einem Formular ihre Ausweis- oder Bürger-Identifikationsnummer (chin. shen fen zheng) eintragen, bevor sie ins World Wide Web gehen dürfen.

Gesinnungskontrolle in einem von der Schweiz unterstützten Kloster in Lhasa
Bei seinem überraschenden Tibet-Besuch im Ramoche-Kloster in Lhasa im Oktober letzten Jahres hatte Bundesrat Couchepin eine Summe von Fr. 200’000 zur Dachrenovation zugesagt. Jetzt erreichen uns Nachrichten über Gesinnungskontrolle und den Verweis zweier Mönche aus diesem Kloster. Hier die Schilderung zweier inzwischen nach Nepal geflohener Mönche aus dem Ramoche-Kloster:
"Im Kloster Ramoche in Lhasa haben auf Anordnung des Religionsbüros Lhasa zwei Kader auf Dauer Quartier bezogen. … Die von der Regierung eingesetzten Kader berufen Versammlungen ein und halten im Rahmen der Kampagne "Liebe Dein Land, Liebe Deine Religion" politische Schulungen ab.
Neue Mönche werden nur nach einer Prüfung zugelassen. Statt sie jedoch nach ihrem spirituellen Wissen zu befragen, wird ihre politische Einstellung überprüft. … Wer bei diesem Loyalitätstest durchfällt, wird nicht als Mönch zugelassen. Im Jahre 2004 haben sich 70 Bewerber angemeldet. Bei der Prüfung wurden ihnen folgende Fragen vorgelegt: Stimmen Sie zu, dass gegen "separatistische" Gruppierungen hart vorgegangen werden muss? Wie kann Ihrer Meinung nach die Solidarität mit dem Mutterland erreicht werden? Was halten Sie von der Aussage, dass sich das Kloster selbst tragen soll, anstatt auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen zu sein? ... Bis auf 24 Anwärter verweigerten alle die Beantwortung dieser Fragen und wurden damit automatisch von der Zulassung ausgeschlossen.
Um den abgewiesenen Kandidaten trotzdem die Zulassung zu ermöglichen, baten die gewählten Vorsteher des Klosters, Yeshi Lodoe und Drakpa Gyaltsen, die Regierungskader darum, deren Aufnahme dennoch zuzustimmen. ... Die Kader wurden sehr wütend, als sie das hörten, und es entspann sich ein hitziges Streitgespräch.
Am nächsten Tag wurden die 115 Mönche des Klosters zusammengerufen. Die Kader behaupteten, die von den Mönchen gewählten Vorsteher würden die Verwaltungsarbeit behindern und verwiesen sie des Klosters. Yeshi Lodoe und Drakpa Gyaltsen, beide ca. 30 Jahre alt, gehörten dem Kloster Ramoche schon lange an."

Quellen: China Information Center; Tibetan Center for Human Rights and Democracy (überarbeitete dt. Übersetzung durch IGFM München)

4. Mai 2005
Bundesrat Couchepin trifft Dalai Lama
Bundesrat Pascal Couchepin wird mit dem Dalai Lama zusammentreffen, wenn dieser vom 5. bis 12. August in Zürich weilt. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey habe aus Termingründen von einem Treffen absehen müssen. Letztmals hatte sich im Jahr 2001 mit Ruth Dreifuss ein Bundesratsmitglied mit dem Dalai Lama getroffen.
Nach längeren Beratungen hat der Bundesrat diesen Entscheid im April gefasst. Laut diversen Presseberichten wurden verschiedene Szenarien im Bundesrat erörtert. Ein Treffen mit Bundespräsident Samuel Schmid wurde verworfen, da es protokollarisch so hoch “aufgehängt” wäre, dass es China erzürnt hätte. Danach kamen Frau Calmy-Rey als Aussenministerin oder Pascal Couchepin in Frage, dessen Ressort auch Religionsangelegenheiten umfasst.
«Wir sind dagegen, dass Länder, die mit China diplomatische Beziehungen pflegen, Kontakte jeder Art mit dem Dalai Lama herstellen.» So undiplomatisch direkt gab die chinesische Botschaft im Voraus dem Nachrichtenmagazin «Facts» zu verstehen, was sie von einer bundesrätlichen Begegnung mit dem Dalai Lama hält.
Der Dalai Lama wird im renovierten Hallenstadion religiöse Belehrungen geben. An der Universität und an der ETH sind separate Treffen des Dalai Lama im Dialog mit Wissenschaftlern geplant. Ob der Entscheid den Wirtschaftsbeziehungen mit China schaden könnte, wollte Economiesuisse-Chef Rudolf Ramsauer auf Anfrage nicht beurteilen. FDP-Präsident Fulvio Pelli bezeichnete es unumwunden als «richtig», dass ein Bundesrat den Dalai Lama trotz chinesischem Druck empfängt. Für SVP-Präsident Ueli Maurer ist es korrekt und «ein Stück weit eine Frage des Anstandes». Die neutrale Schweiz mit ihrer grossen Tibetergemeinschaft dürfe den Dalai Lama ruhig empfangen - auch wenn er «eine Mischung aus Staats- und Kirchenoberhaupt» sei und die Chinesen keine Freude daran hätten.

Österreich zieht Zusage für Dalai-Lama-Briefmarke zurück
Offenbar nach massiven Interventionen aus China hat Österreich die bereits gegebene Zusage zu einer Briefmarke mit einem Portrait des Dalai Lama zurückgezogen und unterläuft damit eine Initiative zur Ausgabe dieser Briefmarke in privater Regie. Bereits im letzten Jahr hatte die österreichische Post den Plan für die offizielle Ausgabe einer Sondermarke anlässlich des
70. Geburtstages des Dalai Lama am 6. Juli aufgegeben. Sollte eine "Gedenkmarke für einen Feind des chinesischen Volkes" in Umlauf kommen, hatte Botschafter Lu Yonghua das österreichische Kanzleramt wissen lassen, drohe "erheblicher Schaden für die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder".
Der frühere Wiener städtische Angestellte Heinz Stoff wollte nun die Briefmarke in privater Regie herausgeben und bezog sich auf eine spezielle Verordnung der Post. Danach muss der staatliche Briefbeförderer auch Wertzeichen privater Auftraggeber drucken, wenn diese dafür selbst zahlen. Pensionär Stoff teilte als Grund für seine Initiative mit, "Österreich kuscht nicht vor China". Es lagen bereits ein Design und genügend Bestellungen für die kostengünstige Produktion dieser Briefmarke in einer geplanten Auflage von 20’000 Stück aus dem In- und Ausland vor. Auch die GSTF hatte sich an der Aktion beteiligt.
Vor wenigen Tagen zog die österreichische Post ihre schriftlich gegebene Zusage zurück und lehnte in einem lapidaren E-Mail an Heinz Stoff die Bestellung ohne Angabe von Gründen ab. Inoffiziell liessen Mitarbeiter Heinz Stoff wissen, dass diese Ablehnung durch erneute massive Intervention von China veranlasst wurde.

Quellen: Tages-Anzeiger; Der Spiegel

18. März 2005
Gehen Gespräche mit China in entscheidende Runde?
Samdhong Rinpoche, Kalon Tripa (Vorsitzender der Tibetischen Regierung im Exil), teilte der indischen Presse mit, dass noch in diesem Jahr eine weitere Delegation nach China reisen sollte. Diese Gespräche hätten erstmals eine “spezifische Agenda” und würden dann in eine “entscheidende Phase” treten.
Wie die indische Presse erfahren haben will, habe die tibetische Seite mit Nicholas Haysom und Professor Yash Ghai zwei erfahrene Vermittler um Hilfe kontaktiert. Nicholas Haysom war Berater von Nelson Mandela und spielte eine führende Rolle in den Friedensverhandlungen für Burundi im Jahre 2000 und für den Sudan im vergangenen Jahr. Professor Yash Ghai von der Universität Hong Kong war in die Verhandlungen zwischen England und China über die Rückgabe der ehemaligen Kronkolonie im Jahre 1997 involviert.
Nach Angaben von Samdhong Rinpoche habe China bei der vorigen Gesprächsrunde mit Gesandten des Dalai Lama um Klärung gebeten, was die tibetische Seite wirklich wolle. Es habe hier ein “Kommunikationsproblem” gegeben, das in den neuen Gesprächen gelöst werden solle. Er bemerkte dieses in Bezug auf chinesische Befürchtungen, die Tibeter wollten eine administrative Konsolidierung aller tibetischen Regionen in ihren Autonomieverhandlungen durchsetzen, um danach die volle Unabhängigkeit anzustreben.

Gibt der Dalai Lama das Prinzip der “genuinen Autonomie” für Tibet auf?
Einige Äusserungen des Dalai Lama gegenüber Medien nach seiner Botschaft zum 10. März, dem Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes, gaben Anlass zu Spekulationen, er könne von seiner jahrelangen Forderung nach „genuiner Autonomie“ für Tibet Abstand nehmen.
So sagte er gegenüber der South China Morning Post: „Ich möchte China die folgende Botschaft übermitteln. Ich will keine Separation. Tibet ist Teil der Volksrepublik China, es ist eine autonome Region in der Volksrepublik China. Die tibetische Kultur und der Buddhismus sind Teil der chinesischen Kultur. Viele junge Chinesen schätzen die tibetische Kultur als eine Tradition von China.“
Er hiess auch den technischen Fortschritt gut, der – einschliesslich der im Bau befindlichen, sehr kontroversen Eisenbahnlinie nach Lhasa – Tibet von Nutzen sein könnte. Auf der anderen Seite seien viele Chinesen an einer spirituellen Bereicherung gelegen, welche die Tibeter nach China bringen könnten.
Politische Beobachter waren von einigen Aspekten des Interviews überrascht, besonders über die Passage, wo der Dalai Lama erstmals von einer von China regierten „autonomen Region“ sprach. Sie deuteten diese Wortwahl als Anzeichen dafür, dass der Dalai Lama die Autonomieforderung neu definieren könnte. Bisher hatte er China nur die Verteidigungs- und Aussenpolitik für Tibet zugestehen wollen, darüber hinaus sollte sich Tibet selbst regieren. Nun sagte er im Interview: „Wir wollen ein Teil von China sein, das uns regiert [sic] und uns die Erhaltung der tibetischen Kultur, Spirtualität und Umwelt garantiert.“ Damit würde sich Tibet kaum mehr von anderen chinesischen Provinzen unterscheiden.
Auch könnte er mit der Wortwahl „autonome Region“ davon abrücken, die anderen tibetischen Landesteile – immerhin ungefähr die Hälfte des historischen tibetischen Territoriums – die chinesischen Provinzen einverleibt wurden, noch für Tibet zu fordern.
Beobachter deuteten diese Äusserungen als Anzeichen von Avancen für die kommenden Gesprächsrunden mit Beijing (siehe oben). Hier könnte der Dalai Lama ein „Tauschgeschäft“ vorschlagen, wonach China den technischen Fortschritt nach Tibet bringt, die Tibeter hingegen die Spiritualität nach China. Eine zentrale Forderung Beijings hat der Dalai Lama indessen noch nicht erfüllt: anzuerkennen dass Tibet „schon seit immer“ Bestandteil Chinas sei.

Quellen: The Telegraph (India); South China Morning Post (Hong Kong)

9. März 2005
Neue Hacker-Attacke gegen Tibetische Regierung im Exil
Verschiedene Stellen der Tibetischen Regierung im Exil haben kürzlich Mails erhalten, die als Absender Namen der eigenen Mitarbeiter vorgeben und angeblich einen Entwurf der traditionellen Botschaft des Dalai Lama zum 10. März, dem Jahrestag des tibetischen Volksaustandes 1959, enthalten. Jedoch stellt der angebliche Entwurf in Wirklichkeit ein Virus dar, das, einmal installiert, die Computer für Aussenstehende frei zugänglich macht.
Die Mails trugen als Absender den Namen von Sonam N. Dagpo, einem (tatsächlich existierenden) Sekretär im Department of Information and International Relations im indischen Exil. Im Mail war er als “Zusätzlicher Sekretär” (sic) tituliert. Wer die Dateianlage mit der vorgeblichen Botschaft des Dalai Lama öffnete, installierte ein “Trojanisches Pferd”, das die Datenspeicher für Aussenstehende zugänglich macht.
Der Ursprung dieser Attacke konnte zurück verfolgt warden auf ein “China Railway Telecommunications Center” im Xicheng-Distrikt, nahe Beijing. Diese Attacke stellt bereits die dritte Welle von Angriffen auf Computer der Tibeter im Exil oder Unterstützer dar [vergl. Tibet-Informationen vom 8. Oktober 2002, 13. November 2003 und 26. Juni 2004; UM].
Anmerkung: Auch der Autor dieser Tibet-Information [UM] hat bereits mit solchen Attacken Bekanntschaft gemacht. Im August letzten Jahres erhielt ich ein Mail von einer unbekannten Adresse in Indien, das angeblich im Dateianhang die Liste der chinesischen Kader enthielt, die die Gesandten des Dalai Lama bei ihrer China-Reise im September 2004 treffen sollten. Der Anhang entpuppte sich als “Trojaner”, der nicht vom Viren-Schutzprogramm erkannt wurde. Auch danach trafen noch dubiose Mails ein, z.B. angeblich mit Reise-Offerten für Ziele in Tibet.

Ausbeutung der tibetischen Medizin
China hat neue Richtlinien erlassen, die hauptsächlich der Erleichterung der Kommerzialisierung von tibetischen Heilmitteln dienen, sich aber als nachteilig für diejenigen auswirken, welche die buddhistische Heiltradition ausüben.
Den neuen Regierungsvorschriften zufolge müssen sich alle tibetischen Heilkundigen einem mühseligen Registrierungsverfahren unterziehen. Nachdem sie ihre Zulassung erhalten haben, dürfen sie Arzneien verkaufen, allerdings ausschliesslich an selbstzahlende Patienten. Ansonsten liegt der Vertrieb bei chinesischen Firmen, die Patente auf tibetische Heilmittel erworben haben und diese nun geltend machen. Rinchen-Tsotru-Dashel, ein Medikament, das normalerweise 20 Yuan kostet, wird nun von den pharmazeutischen Unternehmen für 50 Yuan verkauft.
Die Kommerzialisierung der tibetischen Medizin hat die Nachfrage nach Heilpflanzen dramatisch in die Höhe getrieben, was zu einem weit verbreiteten Raubbau an bestimmten Spezies geführt hat. Eine dieser seltenen Pflanzenarten ist der blaue Mohn (meconopsis sp., tib. utpal ngonpo), der von chinesischen Unternehmen zur Behandlung von Hepatitis B vermarktet wird. Tibetische Heiler befürchten, dass die Spezies aussterben wird, falls sie weiter in diesen Mengen gesammelt wird.

Quellen: International Campaign for Tibet (USA); Tibet’s Environment and Development Digest, Vol. 2 (6) in adaptierter deutscher Übersetzung durch IGFM München

25. Februar 2005
Ungewöhnliche Offenheit in der Information über politische Gefangene
Der in San Francisco ansässigen Dui Hua Foundation zufolge haben chinesische Regierungsvertreter Angaben über eine beachtliche Anzahl von politischen Gefangenen in China gemacht, unter denen sich auch 13 Tibeter befinden. Bis auf einen wurden alle genannten Tibeter wegen "konterrevolutionärer" Straftaten (falls noch unter dem alten Strafgesetz verhandelt wurde) bzw. wegen "Gefährdung der Staatssicherheit" (nach dem 1997 überarbeiteten Strafgesetz) verurteilt.
John Kamm, der Vorsitzende von Dui Hua, bezeichnete diese Angaben als etwas "noch nie Dagewesenes". China hat nicht nur formelle Anfragen von diversen Regierungen beantwortet und Informationen über die explizit benannten Gefangenen zur Verfügung gestellt, sondern auch über solche, von denen man bisher gar nichts wusste. Die Angaben sind allerdings vage und enthalten eine Mischung aus neuen, aber auch bisher vertraulich behandelten Informationen. Meist werden die Verfahren mit dem Verweis auf „Staatsgeheimnisse“ geheim gehalten. Der Hintergrund dieser überraschenden Offenheit ist unklar.

Umstrittenes Staudamm-Projekt in Yunnan reaktiviert
Amtliche chinesische Nachrichtenagenturen berichten, dass das im vorigen Jahr auf Eis gelegte Grossprojekt der 13 Staudämme am Salween-Fluß (tib: Gyalmo Nyulchu, chin: Nu Juiang) in der Provinz Yunnan wieder aufgenommen wird. Mit dem Bau des ersten Staudamms soll dieses Jahr begonnen werden. Im vergangenen Jahr hatte Premierminister Wen Jiabao solange einen Baustop für das Projekt angeordnet [vergl. Tibet-Information vom 21. April 2004; UM], bis mehr "wissenschaftlich fundierte Studien vorhanden” seien, anhand derer sich die voraussichtlichen Umweltschäden einschätzen ließen. Unbestätigten Berichten zufolge wurden chinesische Wissenschaftler von der "Southwest Nationalities Study Association" und anderen Organisationen bestochen, damit sie der Regierung Gutachten vorlegten, die zur Fortsetzung des Projekts rieten. Die Gutachten wurden angeblich ohne die erforderlichen Forschungsarbeiten erstellt.
Die Region, in der die Staudämme gebaut werden sollen, weist alte Waldbestände auf und ist die Heimat von ungefähr 7’000 verschiedenen Pflanzenarten und 80 seltenen oder gefährdeten Tierarten. Darüber hinaus wird der Bau der Staudämme die Zwangsumsiedlung von mindestens 50’000 Menschen in Yunnan notwendig machen, darunter viele Tibeter und Angehörige anderer Nationalitäten wie der Lisu, Nu und Drung. Vor zwei Jahren wurde das Projekt sowohl von der Staatlichen Chinesischen Umweltschutzbehörde als auch von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften öffentlich kritisiert. Die regierungsunabhängige chinesische Umweltorganisation "Grüne Freiwilligen-Union" hatte 15.000 Unterschriften für eine Petition gegen das Staudammprojekt gesammelt.

Miss Tibet in Zimbabwe unerwünscht
Massiver Druck aus der chinesischen Botschaft in Harare hat dazu geführt, dass die im tibetischen Exil zur „Miss Tibet“ gekürte Tashi Yangchen nicht an den Wahlen zur „Miss Tourism“ teilnehmen kann. Ihr wurde bei der Einreise nach Zimbabwe am 13. Februar eröffnet, dass ihre Teilnahme unerwünscht sei und sie wieder auszureisen habe.
An der seit 20 Jahren stattfindenden Veranstaltung nehmen 72 Länder teil. Darunter befinden sich auch eine Kandidatin aus Hong Kong und eine Kandidatin aus Taiwan, die unter dem Namen „Chinese Taipei“ antritt.

Quellen: Office of Tibet (New York); Tibet Information Network (beide in überarbeiteter Übersetzung von IGFM München); Independent On-line (Zimbabwe)

28. Januar 2005
Aufhebung des Todesurteils gegen Tenzin Delek Rinpoche
Genau zwei Jahre nach seiner Verurteilung zum Tode wurde das Urteil gegen Tenzin Delek Rinpoche aufgehoben und seine Strafe in lebenslängliche Haft umgewandelt. Damit findet vorerst eine grosse internationale Kampagne ihr Ende, die sich für die Aufhebung des Todesurteils eingesetzt hatte. Das Gericht begründete laut offizieller chinesischer Nachrichtenagentur Xinhua die Umwandlung damit, dass Tenzin Delek Rinpoche in den vergangenen 2 Jahren keine weiteren Vergehen begangen habe.
Tenzin Delek Rinpoche war in einem Gerichtsverfahren, das im Ausland allgemein als unrechtmässig bezeichnet wurde, wegen angeblicher Verwicklung in Bombenanschläge zum Tode verurteilt worden, jedoch wurde entsprechend einer Klausel im chinesischen Recht die Vollstreckung auf 2 Jahre ausgesetzt.
Erst vor kurzem war einer der Vertrauten von Tenzin Delek namens Tashi Phuntsog nach über 3 Jahren aus der Haft entlassen worden. Tashi Phuntsog, der sich gegen Abholzungen in seiner Heimatregion eingesetzt hatte, soll durch Misshandlungen während der Haft gesundheitlich schwer beeinträchtigt sein. Er könne nach Angaben nahe stehender Personen weder aufrecht gehen noch klar sprechen.

Religiöse Würdenträger sollen “gehorsamer” werden
Kader der kommunistischen Partei haben bei einem Treffen in Xining tibetische religiöse Würdenträger gemahnt, mehr “Gehorsamkeit“ zu zeigen. Dieses Treffen fand bereits im November letzten Jahres statt, zwei Monate nach dem China-Besuch der Gesandten des Dalai Lama. Speziell wurden die ca. 20 anwesenden Tibeter gedrängt, den von China eingesetzten Panchen Lama engagierter zu unterstützen und seine Akzeptanz unter der tibetischen Bevölkerung zu erhöhen. Die kommunisitischen Kader hätten sich vor allem über den lauwarmen Empfang des Panchen Lama bei seiner Tibet-Reise im Jahre 2003 beschwert. Die religiösen Würdenträger sollten die kommunisitische Parteilinie so überzeugend nach aussen vertreten, als wären es ihre eigenen Ideen. Allerdings wurde ihnen untersagt, Aussenstehenden von diesen Instruktionen zu berichten.
Ihnen wurden nicht näher spezifizierte Strafen angedroht, wenn sie sich nicht stärker für die von China diktierte politische Linie einsetzen würden. Würden sie sich jedoch daran halten, so wurden ihnen Verbesserungen ihrer „ökonomischen Situation“ in Aussicht gestellt.

Nepal schliesst Tibet-Büros in Kathmandu
Nach Angaben von in Nepal lebenden Tibetern hat das dortige Innenministerium zwei für die Tibeter wichtige Niederlassungen geschlossen: das Büro des Repräsentanten des Dalai Lama und das tibetische Flüchtlingszentrum. Das Flüchtlingszentrum betreute ca. 20'000 tibetische Flüchtlinge, die sich in Nepal niedergelassen hatten. Zur Zeit der Schliessung am 21. Januar lebten im Durchgangslager in Kathmandu, das vom Flüchtlingszentrum in Zusammenarbeit mit dem UNHCR betreut wird, etwa 1’000 Flüchtlinge. Der Monat Januar ist gewöhnlich der Monat mit den höchsten Zahlen von tibetischen Flüchtlingen. Jährlich fliehen etwas 2’500 Tibeter nach Nepal.
Beide Einrichtungen waren der chinesischen Regierung ein Dorn im Auge. In der Vergangenheit hatte Beijing wiederholt bei der Regierung Nepals interveniert, alle politischen Tätigkeiten der Exiltiber zu unterbinden [vergl. Tibet-Information vom 4. Juni 2004; UM]. Ein Regierungsbeamter gab als offiziellen Grund für die Schliessung an, beide Büros hätten sich nicht gesetzeskonform beim Innenministerium registriert.

Quellen: BBC; Associated Press; Agence France Press

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