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Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft
zusammengestellt von Dr. Uwe Meya

21. Dezember 2006
China begrenzt Zahl der Mt. Everest – Expeditionen für 2007
Die Zahl ausländischer Everest-Expeditionen für das Frühjahr 2007 wird laut der China Tibet Mountaineering Association (CTMA) deutlich eingeschränkt. Die Everest-Besteigung von der tibetischen Seite war bisher bei Bergsteigern wegen niedrigerer Gebühren verglichen mit Nepal recht beliebt.
Als Grund gab CTMA an, dass im Frühjahr eine Probe für den olympischen Fackellauf im Jahre 2008 stattfinden soll. Dieser sieht als spektakulären Höhepunkt vor, dass das Olympische Feuer auf den Gipfel des Mt. Everest getragen wird. Ein Lauf dieser Art fand schon im Jahre 1999 anlässlich einer Sportveranstaltung in Beijing statt; das Feuer wurde in der dünnen Höhenluft durch eine tragbare Sauerstoff-Flasche genährt, und eine eingebaute Zündvorrichtung sorgte dafür, dass die eiskalten Höhenwinde die Flamme nicht löschten.
Ausländische Beobachter glauben eher, dass die Restriktionen mit dem für China extrem negativen Medienecho auf die tödlichen Schüsse auf eine Nonne am 30. September [vergl. Tibet-Informationen vom 13. Oktober, 20. Oktober und 6. November 2006; UM] zusammen hängen. Die International Campaign for Tibet erinnerte daran, dass Bergsteiger heutzutage mit Satelliten-Telefonen und Internet-Zugang ausgerüstet sind und damit beliebig Informationen nach aussen senden können, ohne dass China eingreifen kann. China sei sehr besorgt, dass in der sensitiven Zeit bis zur Olympiade weitere negative Meldungen aus dem tibetischen Grenzgebiet nach aussen dringen.

China lockert Restriktionen für ausländische Journalisten – ausser in Tibet
Ab 1. Januar 2007 bis zum Ende der Olympiade in Bejing zum 17. Oktober 2008 lockert China die Restriktionen für die Berichterstattung ausländischer Journalisten. Bisher mussten diese eine Regierungsgenehmigung beantragen, wenn sie in China ausserhalb des Ortes ihrer Akkreditierung oder nur vom Platz des Himmlischen Friedens berichten wollten. Neu können sich Journalisten frei in China bewegen – ausser in Tibet und Xinjiang. Ab Januar benötigen Journalisten nur noch die Einwilligung der Personen, die sie interviewen wollen. Auf Anfrage von ABC erklärte das chinesische Aussenministerium, dass sich diese Lockerungen nicht nur auf Themen beziehen, die mit den Olympischen Spielen zusammenhängen, sondern auch auf Bereiche wie “Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Erziehung und andere Bereiche des Gastlandes” erstrecken.

Diese Lockerung stellt eine Antwort auf die Kritik verschiedener Menschenrechtsgruppen dar [vergl. auch Tibet-Information vom 7. Oktober 2006; UM]. Das chinesische Aussenministerium betonte aber, dass es nach dem 17. Oktober 2008 wieder mit der Freiheit vorbei sei.
Auch ist zu erwarten, dass es trotz erhöhter geografischer Bewegungsfreiheit für Journalisten seitens der chinesischen Regierung weiter genug Optionen zur inhaltlichen Zensur geben wird.
ABC Australia interviewte dazu Professor Jerome Cohen in New York. Dieser ist ein anerkannter Experte von chinesischem Recht und spricht selbst Mandarin. Er begrüsst die Lockerungen mit vorsichtigem Optimismus, auch wenn er auf die temporäre Beschränkung hinweist. Er ist er nur verhalten optimistisch, ob die neuen Regeln überall befolgt werden: “Das Problem ist, dass China so riesig gross ist, die Bevölkerung so zahlreich, die Ausbildung so limitiert, lokale Interessen so vielfältig, und Sie haben im Hintergrund immer die chinesischen Traditionen – was sie “Guanxi” oder “persönliche Beziehungen” nennen – welche institutionelle Regeln jederzeit ausser Kraft setzen können.”

Quellen: The Times of India; TibetInfoNet; ABC Online Australia

7. Dezember 2006
Tibetische Studenten protestieren gegen Diskriminierung
Seit 2 Jahren häufen sich Proteste von tibetischen Studenten gegen ihre Diskriminierung bei der Vergabe von Studien- und Arbeitsplätzen. Die Sicherheitsbehörden reagierten bis jetzt vergleichsweise zurückhaltend auf die öffentlichen Proteste.

Der erste öffentliche Protest ereignete sich im Herbst 2004 in Tibets nordöstlicher Provinz Amdo, als etwa 300 Studenten einen Monat lang in Zelten vor einem Regierungsgebäude campierten. Sie forderten ein Ende der Diskriminierung bei der Vergabe von Arbeitsplätzen und die Gleichbehandlung der tibetischen mit der chinesischen Sprache im Unterricht und Berufsleben.Im Juni 2006 protestierten in einer Demonstration etwa 100 Studenten in Xining, Hauptstadt der Provinz Xining, mit ähnlichen Forderungen. Die Anführer sollen verhaftet worden sein, jedoch konnte das Gros der Protestierenden unbehelligt abziehen. Die Studenten erhoben drei Forderungen:

  1. Die Behörden sollen ihr Versprechen einlösen, dass Studenten, die sogenannten “Minoritäten” angehören, speziell gefördert werden. Obwohl dieses zur offiziell proklamierten Regierungspolitik gehört, wurden in Wirklichkeit keine Massnahmen implementiert.
  2. Die Regierung soll die Delegation von chinesischen Studenten im Rahmen des Programms zur “Förderung der westlichen Regionen” beenden. Jedes Jahr werden von der Regierung etwa 200’000 Studenten für drei Jahre in sogenannte “rückständige” Regionen entsandt. Viele von ihnen kehren jedoch nach Ablauf der Zeit nicht mehr zurück, um im Genuss der Extraprämien bleiben zu können. Damit blockieren sie Arbeitsplätze für lokale Kader.
  3. Die Regierung soll den Missbrauch bei der Zulassung zum Studium an tibetischen Universitäten unterbinden. Viele Studenten aus China kaufen sich eine Niederlassungsbewilligung in Tibet und registrieren sich als “Minoritäten” an der Universität von Lhasa. Damit kommen sie in den Genuss der offiziellen chinesischen “Minoritätenpolitik”, die Angehörigen von “Minoritäten” eine niedrigere Hürde zum Universitätszugang einräumt.

Der jüngste öffentliche Protest ereignete sich Anfang Oktober vor dem Gebäude der Provinzverwaltung in Lhasa. Hier hatten sich 1’700 Studenten für 100 Stellen in der Administration der “Autonomen Region Tibet” beworben; die Stellen wurden an 98 Chinesen und gerade 2 Tibeter vergeben. Sicherheitskräfte des “Büros für Öffentliche Sicherheit” observierten die Protestierenden, ohne jedoch weiter zu intervenieren. Einer Darstellung zu Folge machte die Provinzregierung Konzessionen bei der Jobvergabe. Nach einer anderen Darstellungen wurde eine Delegation der Protestierenden im Gebäude empfangen, wo ihnen empfindliche Strafen angedroht wurden, wenn sie ihren Protest nicht augenblicklich abbrächen.

China zensiert AIDS-Video mit Dalai-Lama-Beitrag
Zum weltweiten AIDS-Tag am 1. Dezember brach die staatliche chinesische Fernsehanstalt CCTV das Tabu des Schweigens und sendete erstmals eine ausführliche Dokumentation über AIDS. Die gesendeten Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm “A Closer Walk” des Regisseurs Andrew Billheimer zeigen zwar ein Interview mit dem chinesischen Vize-Gesundheitsminister Wang Longde, jedoch schnitt CCTV zwei kurze Passagen mit dem Dalai Lama aus dem Originalfilm heraus.

Quellen: TibetNet; Reuters

6. November 2006
Festnahmen, Furcht und Einschüchterung nach tödlichen Schüssen auf Nonne
Offenbar als Reaktion auf die tödlichen Schüsse am Nangpa-Pass Ende September [vergl. Tibet-Informationen vom 13. und 20. Oktober 2006; UM] haben die chinesischen Behörden in Lhasa zwei Tibeter und einen nepalesischen Sherpa festgenommen, weil sie angeblich als Fluchthelfer gearbeitet haben sollen.

Angehörige des chinesischen Amts für Öffentliche Sicherheit (Public Security Bureau = PSB) nahmen die Personen am 9. und 10. Oktober fest und führten Hausdurchsuchungen durch. Die anderen Anwohner wurden streng verwarnt, niemandem über die Aktion zu berichten. Einer der drei festgenommenen Männer wird in der Gutsa-Haftanstalt in Lhasa festgehalten, der Verbleib der anderen ist unbekannt.

“Seit den Schüssen sind nun viele Tibeter in grosser Sorge [vor etwaiger Verhaftung]", verlautete aus einer Quelle, "die Stimmung unter den Tibetern in Lhasa ist sehr gespannt". Viele Tibeter aus den osttibetischen Provinzen Amdo und Kham, die sich in Lhasa aufhielten, sahen sich veranlasst die Stadt zu verlassen, weil sie fürchten, dass die chinesischen Behörden sie als Fluchtwillige verdächtigen und auch gegen sie vorgehen könnten, berichtete Radio Free Asia. Die meisten der Tibeter, die nach Nepal fliehen und von dort weiter nach Indien, kommen aus Amdo und Kham. Sie müssen in Lhasa Station machen, um Wegeführer zu finden, die sie gegen ein Entgelt über die unwegsame Grenze bringen.

Ein Tibeter, dem im zweiten Versuch die Flucht gelang, berichtet von brutalen Misshandlungen, als er beim ersten Versuch verhaftet wurde: "Wenn wir nicht gerade standen, schlugen sie uns mit ihren Gewehrkolben. Dann wurden wir gefesselt und 13 Tage lang in der Gegend von Dzonga [dem grenznahen Ort ihrer Verhaftung; UM] festgehalten. Nach dieser Zeit waren wir völlig verlaust und fühlten uns sehr schwach."

China’s Internet-Zensur erreicht Schweden
China’s Zensur über alle sensitiven Inhalte zu Tibet erreicht jetzt auch Schweden. Die Firma Mainloop, ein in Stockholm angesiedelter Webhosting-Service, der unter vielen anderen auch das Swedish Tibet Committee zu seinen Kunden zählt, ist aus China nicht mehr erreichbar. Mainloop betreibt für das Swedish Tibet Committee wie für zahlreiche andere Firmen und Organisationen den Internet-Auftritt.

Kunden von Mainloop hatten sich beschwert, dass sie von China aus nicht mehr auf die Internet-Seiten ihrer Firmen zugreifen können, die von Mainloop betreut werden. Das bedeutet auch, dass viele Kunden von China aus nicht mehr Zugang zu ihren Mails haben.

Mainloop überlegt nun, den Vertrag mit dem Swedish Tibet Committee zu kündigen oder deren Internet-Seite zu verlagern, so dass seine anderen Kunden wieder freien Zugriff aus China haben. Der CEO von Mainloop erklärte, dass er bei aller Sympathie für Tibet auch auf seine übrigen Kunden Rücksicht nehmen müsse.

Quellen: Radio Free Asia (teilweise in adaptierter dt. Uebersetzung durch IGFM München): Svenska Dagbladed

20. Oktober 2006
China verbreitet Unwahrheiten über Erschiessung der tibetischen Nonne
Erst mehrere Tage nach Publikwerden der tödlichen Schüsse auf dem 5’800 m hohen Nangpa-Pass [vergl.Tibet-Information vom 13. Oktober; UM] hat sich China öffentlich über den Vorfall geäussert. Eine 17-jährige Nonne war von Grenzwächtern tödlich getroffen worden, ein 20-jähriger Mann wurde verwundet. Nach späteren Berichten von Augenzeugen soll noch eine weitere Person verwundet worden sein. Über deren Schicksal sind keine Einzelheiten bekannt, ausser dass sie von den Grenzwachen abgeführt wurden.
Während offizielle lokale Stellen in Tibet keine Angaben zu dem Vorfall machen wollten und angaben, über keine Informationen zu verfügen, verbreitete die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua eine Darstellung, die von den Aufnahmen eines rumänischen Kamerateams, das eine Bergsteigergruppe begleitete, prompt widerlegt wurden.

Nach offiziellen chinesischen Angaben hätten die Flüchtlinge gegenüber den Grenzwachen Widerstand geleistet und sie attackiert, so dass diese “zur Selbstverteidigung” geschossen hätten. Xinhua gab auch zu, dass eine Person gestorben sei, allerdings “infolge Höhenkrankheit”. Es bleibt unklar, ob damit die Nonne gemeint ist oder eine andere Person.
Die Aufnahmen des rumänischen Kamerateams, die auf www.protv.ro abgerufen werden können, und Zeugenaussagen von britischen, rumänischen und norwegischen Bergsteigern strafen diese Darstellung eindeutig Lügen. Das Video zeigt, wie die Kolonne von Flüchtlingen langsam über ein Schneefeld aufsteigt, als die Schüsse aus grosser Distanz fallen. Die Nonne, die die Kolonne anführt, fällt tödlich getroffen zu Boden, danach auch der andere Tibeter, der am Bein verwundet wird. Keiner der Flüchtlinge hatte irgendeine Reaktion auf die Grenzwachen gezeigt, und die Schüsse fallen im Rücken der Tibeter.

Britische Bergsteiger beobachteten, wie eine Gruppe von Soldaten am Tag danach um die Leiche der Nonne steht und Notizen sowie Fotos zur Dokumentation macht. Neben ihnen ist eine Schaufel zu sehen, mit der der Leichnam später im Schnee begraben wird.
Mehrere Bergsteiger kommentierten: “Sie haben auf sie geschossen wie die Hunde… Es wäre ein Leichtes gewesen, sie ohne Gewalt zu verhaften.”

Quellen: New York Times; Pro TV (Bukarest)

13. Oktober 2006
Chinesische Grenzwächter erschiessen 17-jährige Nonne
auf der Flucht

Vor den Augen von mehreren Bergsteigergruppen eröffneten am 30. September chinesische Grenzwachen das Feuer auf eine Gruppe von insgesamt 73 tibetischen Flüchtlingen. Dabei wurde eine 17-jährige Nonne tödlich getroffen und ein 20-jähriger Mann schwer verwundet. Er und 30 weitere Tibeter, darunter 14 Minderjährige, wurden von Soldaten verhaftet und mitten durch das Bergsteigercamp abgeführt. Sie wurden wahrscheinlich in die tibetische Kreisstadt Dingri gebracht und dort inhaftiert. Die übrige Gruppe von 41 tibetischen Flüchtlingen, denen die Flucht gelang, traf zusammen mit zwei Guides im Transitzentrum für tibetische Flüchtlinge (TRTC) in Nepals Haupstadt Kathmandu ein.
Alle 41 Personen, die den Schüssen entkommen konnten, sind Kinder, Mönche, Nonnen und einige Erwachsene zwischen 7 und 30 Jahren. Die meisten streben eine Ausbildung in den tibetischen Schulen oder Klöstern in Indien an, da sie in Tibet dazu entweder keine Gelegenheit haben oder die religiöse Repression dort nicht mehr ertragen konnten. Nach den Schüssen lief die Gruppe noch 9 Tage durch den Solukhumbu-Distrikt, bis sie schliesslich nach Kathmandu gelangten.
Die meisten Tibeter fliehen im Winter, weil diese Jahreszeit am besten für sie ist, um sich an das indische Wetter zu gewöhnen und vermutlich auch, weil die Wetterbedingungen am Nangpa-La-Pass nahe dem Cho Oyu den Soldaten die Grenzkontrolle erschweren.

Zwei Augenzeugen berichteten:
"Wir waren 75 Personen [73 Flüchtlinge und 2 Guides; UM] und fuhren von Lhasa aus mit einem Lastwagen, auf dem wir zwei Tage lang unterwegs waren. Dann ging es ungefähr 20 Tage zu Fuss weiter. In der Nähe des Passes angelangt, brachen wir frühmorgens auf und baten die Bergsteiger im Basis-Lager des Cho Oyu um Nahrung. Wir waren noch beim Essen, als plötzlich die Soldaten auftauchten. Sie fingen an, auf uns zu schiessen und wir rannten weg. Wir hatten 15 Kinder zwischen 8 und 10 Jahren dabei, von denen nur eines entkam. Alle anderen wurden festgenommen. Ungefähr eine Viertelstunde lang schossen die Soldaten. Sie waren zu fünft, drei verfolgten uns und die anderen beiden hielten die Personen fest, die sie erwischen konnten. Ich sah, wie westliche Bergsteiger den Vorfall fotografierten, ich hoffe, dass sie Bilder davon haben."
"Ich sah die Nonne, die erschossen wurde – sie wurde durch eine einzige Kugel in den Rücken getötet. Ein Junge wurde zweimal am Bein getroffen. Ich versuchte, wegzurennen, aber ich war nicht schnell genug. Deshalb versteckte ich mich mit einigen anderen von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags im Schnee."

China versucht, Augenzeugen der tödlichen Schüsse einzuschüchtern
Während die Flüchtlinge in Kathmandu ankamen, versuchten chinesische Diplomaten in Nepals Hauptstadt, die Namen aller Bergsteiger ausfindig zu machen, die Augenzeugen der Schiesserei wurden. Sie versuchten, diese mit dem Entzug der teuren Sonderbewilligung für die Besteigung des Cho Oyo zu bedrohen, falls sie im Ausland über den Vorfall berichten. Der Cho Oyu ist die höchste Erhebung im chinesischen Einflussbereich und direkt an der Grenze zu Nepal gelegen. Viele Bergsteigergruppen beginnen den Aufstieg von Nepal, passieren aber zum endgültigen Aufstieg die Grenze zu Tibet.
Ein Mitglied einer englischen Bergsteigergruppe wurde sogar zur “Befragung” in die chinesische Botschaft einbestellt. Er beschrieb schon im Camp am Cho Oyu eine “Atmosphäre der Einschüchterung”, als dieses nach dem Vorfall von Sicherheitspersonal besetzt wurde. Viele Bergsteiger hätten sich auch entschlossen, nichts von dem Vorfall weiterzugeben, um dafür ungestört die Besteigung des Cho Oyu fortsetzen zu können.

Quellen: The Independent; BBC News (teilweise in adaptierter dt. Uebersetzung durch IGFM München)

7. Oktober 2006
Tibeter in hohem Ministerrang
Im September wurde der 52-jährige Sita als Vizeminister in das Zentralministerium der „Vereinigten Front“ berufen. Es handelt sich um den ersten Tibeter in diesem hohen Rang in einem Schlüsselministerium. Dieses Ministerium steht unter direkter Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas.

Die „Vereinigte Front“ wurde unter Mao gegründet und soll „breite Allianzen mit nicht parteigebundenen oder religiösen Gruppierungen und ethnischen Gruppen, die nicht der Han-Nationalität angehören, innerhalb und ausserhalb der VR China“ formen. Mao bezeichnete die „Vereinigte Front“ einmal als „eine der drei Waffen, mit der wir den Feind schlugen“, neben der Partei und der Armee.

Sita wird das neu gegründete „Siebte Büro“ der „Vereinigten Front“ leiten, das sich dezidiert und ausschliesslich mit Tibet befassen soll. Offiziell hat dieses Büro die Aufgabe, „mit relevanten anderen Partnern im Kampf gegen Sezessionismus durch innere und äussere Feinde wie z.B. der Dalai-Lama-Clique zu kooperieren und Beziehungen zu im Ausland lebenden Tibetern aufzubauen“. Dieser Schritt scheint darauf hinzuweisen, dass dem Thema Tibet in der Kommunistischen Partei derzeit höchste Aufmerksamkeit eingeräumt wird, nicht zuletzt unter dem Eindruck der kürzlich dem Dalai Lama verliehenen Ehrenbürgerschaft in Kanada und der Goldmedallie des US-Abgeordnetenhauses sowie einem kritischen Bericht des EU-Parlaments über China’s Tibet-Politik. Mit der Ernennung könnte auch der Eindruck erweckt werden, in China würde das Thema Tibet durch die Tibeter erledigt.

Sita war zuvor unter anderem in den chinesischen Botschaften in Delhi und Genf beschäftigt und hatte die Gesandten des Dalai Lama auf ihren Reisen in China begleitet.

China zensiert die Medien für Olympia 2008
Der Stadtpräsident von Beijing und Präsident des Organisationskommittees für die Olympischen Spiele 2008, Liu Qi, und der Verantwortliche für die Medien, Sun Weijia, haben alarmierende Pläne für Zensurmassnahmen vor und während der Olympiade bekannt gegeben. Sie versprachen den Medien “gute Arbeitsbedingungen”, kündigten aber im gleichen Atemzug signifikante Restriktionen an. So wird es verboten sein, aus dem Ausland gedruckte oder elektronische Informationen einzuführen, die “für die chinesische Politik, Wirtschaft oder Kultur schädlich” sind. Eilfertig unterstützte der Vorsitzende der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, diese Massnahmen. Er forderte die ausländischen Medien auf, diese Regeln zu respektieren.

Noch vor 4 Jahren hatte IOC-Präsident Rogge zugesagt, dass das IOC einschreiten würde, wenn Beijing im Vorfeld oder während der Olympiade Rechtsverletzungen begehe.

Im laufenden Jahr zählte der Internationale Presseclub bereits 72 Massregelungen von in China tätigen Journalisten aus insgesamt 15 Ländern.

Quellen: TibetInfoNet; Free Tibet Campaign

28. August 2006
Neuer Parteisekretär: „Kampf auf Leben und Tod“ gegen den Dalai Lama
Der im Mai d.J. ernannte neue Sekretär der Kommunistischen Partei für Tibet, Zhang Qingli, hat den Ton gegen den Dalai Lama und repressive Massnahmen in bemerkenswerter Weise verschärft. Zhang hatte vorher eine Regierungsposition in der unruhigen Nordwestprovinz Xinjiang inne und gilt als Vertrauter des Parteivorsitzenden Hu Jintao. Bei seinem Amtsantritt in Tibet belehrte er die Parteikader in Tibet, dass sie einen „Kampf auf Leben und Tod“ gegen den Dalai Lama führten; das sind Formulierungen in einer Schärfe, die zuletzt in den frühen 90-er Jahren gebraucht wurden.

Weiter wurden eine Reihe von Massnahmen erlassen oder verschärft:

  • Tibeter im Beamtenstatus dürfen keine religiösen Zeremonien begehen und keine religiösen Bauwerke mehr betreten. Diese Restriktionen galten vorher nur für Parteikader.
  • Die „patriotische Umerziehung“ in Klöstern wurde nochmals intensiviert.
  • Tibeter in offiziellen Positionen in Lhasa und Umgebung müssen Kritiken gegen den Dalai Lama verfassen: 10’000-Wort-Dokumente für Tibeter in höheren Rängen, 5'000 Wörter für solche in niederen Rängen. Selbst pensionierte Tibeter müssen sich daran beteiligen.
  • Der Spielraum für NGO’s wurde eingeengt. Früher erhielten die Organisationen Arbeitsverträge über 5 Jahre, jetzt nur noch über 2 Jahre. Einige NGO’s erhielten keine neuen Verträge und müssen ihre Aktivitäten in Tibet einstellen.

Zhang wird in der Presse mit folgenden Worten zitiert: „Der Dalai Lama war zweifellos früher ein anerkannter religiöser Führer, aber seine jetzigen Aktivitäten machen ihn des Titels unwürdig… Er schwindelt, denn es gibt keinen Unterschied zwischen ‚Autonomie’ und ‚Unabhängigkeit’… Ich kann es immer noch nicht verstehen, warum er den Nobelpreis erhalten hat. Welchen Frieden hat er denn der Welt gebracht?“

Drastische Sicherheitsmassnahmen zum Schutz der Eisenbahnlinie
Wie jetzt bekannt wird, hat China entlang der neuen Eisenbahnlinie nach Lhasa drastische Schutzmassnahmen gegen “Sabotage” ergriffen. Schon vor der Eröffnung der Linie fand im Bahnhof von Lhasa am 22. Juni ein Manöver statt, in dem geübt wurde, wie anlässlich einer “terroristischen Attacke” eine Menge von mehreren tausend Menschen zerstreut und Passagiere evakuiert werden können. Entlang der gesamten Strecke haben die militärischen Gebietskommandanten ein Netz von nahezu 10’000 Soldaten und Sicherheitskräften aufgebaut, die Tag und Nacht Streifengänge entlang dem Schienenstrang unternehmen. Das Funknetz wurde so ausgebaut, dass im Schnitt alle 6 km entlang dem Schienenstrang Sendestationen zur lückenlosen Kommunikation installiert sind. Im Zug fahren permanent Mitarbeiter des Büros für Öffenliche Sicherheit mit.

Google findet „Tibet“ nicht mehr
Als der Journalist Lester Haines von der Zeitschrift The Register kürzlich eine Suche in “Google Maps”, dem interaktiven Suchprogramm für Orte und Wegbeschreibungen, machte, stellte er erstaunt fest, dass das Suchprogramm den Begriff “Tibet” nicht mehr kennt. Er erhielt von Google die Antwort, dass dieser Suchbegriff “keine Resultate” produziert habe.

Das Suchregister für Google Earth befindet sich in Grossbritannien, also weit weg von jeglicher Zensur aus Beijing. Immerhin produzierte die Suche weiterhin Satellitenbilder der Region. Haines kommentierte, er sei über das Fehlen des Begriffs “Tibet” umso erstaunter, als auch Beijing die Region nach wie vor als “Autonome Region Tibet” bezeichne.

Quellen: The Times; TibetInfo Net; The Register

12. August 2006
China setzt Internet-Zensur fort:
Bekannte tibetische Schriftstellerin betroffen
China intensiviert die Zensur im Internet [vergl. dazu Tibet-Informationen vom 25. Januar, 9. und 26. Juni 2006; UM]. Davon betroffen ist jetzt eine bekannte tibetische Schriftstellerin, Woeser (andere Schreibweise: Oser), deren Internet-Einträge (Blogs, oder Weblogs) von den chinesischen Behörden am 28. Juli ohne Vorankündigung und Begründung aus dem Internet genommen wurden. Der Anbieter “tibetcul.net” habe auf Anfrage nur mitgeteilt, die Zentrale Vereinte Arbeitsfront hätte die Internet-Überwachungsstelle der Provinz Gansu, wo sie registriert war, angewiesen, die Weblog-Sites zu schliessen. Agence France Press zitierte einen Manager von tibetcul.net wie folgt: "Ich glaube, die Anweisung [für die Schliessung] kam von der Zentralregierung." Woesers Blog sei eines der beliebtesten der gesamten Website gewesen und habe nicht nur Tibeter, sondern auch viele junge Chinesen angezogen. Woeser teilte Radio Free Asia selbst mit: “Unter den Lesern waren viele chinesische Intellektuelle, besonders solche, die sich für tibetische Kultur und Geschichte interessieren. Ausserdem viele Photographen und Intellektuelle aus der Uighurischen Region, aus der Mongolei, der Mandschurei und Taiwan. Sie pflegten mir zu schreiben, und einige ihrer Beiträge…waren sehr interessant und auszeichnet geschrieben.”

Woeser wurde 1966, zu Beginn der Kulturrevolution, in Lhasa geboren. Ihr Vater war Soldat in der chinesischen Volksbefreiungsarmee und ihre Mutter arbeitete im Staatsdienst. Woeser ist mit dem chinesischen Schriftsteller Wang Lixiong verheiratet. Sie schrieb bisher 10 Bücher, darunter einen Gedichtband, ein Prosawerk mit dem Titel “Tibet Journal” und zwei Bücher über die Kulturrevolution von 1966-76. Die meisten ihrer Bücher sind in China verboten. Im Jahr 2004 verlor sie nach der Veröffentlichung des “Tibet Journals” ihren Arbeitsplatz bei der Tibetischen Kulturvereinigung in Lhasa [vergl. dazu Tibet-Informationen vom 4. April 2004; UM]. In diesem Tagebuch berichtet sie von der anhaltenden Verehrung der Tibeter für den Dalai Lama.

In ihren Weblogs befasste sie sich mit einer Reihe äußerst heikler Themen wie AIDS in Tibet, der kürzlich fertiggestellten Eisenbahnlinie und dem 40jährigen Gedenken an die Kulturrevolution. Ausserdem stellte sie im Juli ein Bild des Dalai Lama ins Internet, dazu verfasste auch ein Gedicht, in dem sie ihm zum Geburtstag am 6. Juli ein Langes Leben wünschte und eine Butterlampe darbrachte.

Erste Probleme mit neuer Eisenbahn-Linie
Mit bemerkenswerter Offenheit hat das chinesische Eisenbahnministerium die Öffentlichkeit über erste Probleme bei der am 1. Juli eröffneten Eisenbahnstrecke informiert. Die 1140 Kilometer lange, mit 4,2 Milliarden Dollar Kosten errichtete Eisenbahnlinie war mit grossen Fanfaren als Meisterwerk der Technologie propagiert worden. Laut einem Sprecher des Eisenbahnministeriums soll es jedoch bei der Geleisstruktur und bei Brücken bereits erste Risse im Zement geben. Bedenken gibt es ferner, ob angesichts der globalen Erwärmung das Kühlsystem, das den Dauerfrost unter dem Geleisebett erhalten soll, auf Dauer wirksam bleiben kann. Ferner soll es in den Steppen- und Wüstengebieten bereits zu umfangreichen Verschiebungen von Sand gekommen sein. Schliesslich erweisen sich auch die Yaks als Problem für den reibungslosen Bahnbetrieb.

Quellen: Radio Free Asia (teilweise überarbeitete Uebersetzung von IGFM München); NZZ Online

26. Juni 2006
Oberstes Zivilgericht in Madrid behandelt Genozid in Tibet: China protestiert
China reagierte mit wütendendem Protest, dass das Oberste Zivilgericht Spaniens eine Klage wegen des Genozids in Tibet angenommen hat. Am 5. Juni hörte das Gericht den aus Tibet geflüchteten Thubten Wangchen als Hauptkläger. Wangchen, der inzwischen die spanische Staatsbürgerschaft angenommen hat und Präsident der Tibetan House Foundation in Barcelona ist, klagt sieben chinesische Politiker, darunter den früheren Präsidenten Jian Zemin, wegen „Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und Terrorismus“ in Tibet an. Nach den Worten von Thubten Wangchen geht es ihm vor allem darum, dass die Vorkommnisse in Tibet auf internationaler Ebene mehr Beachtung finden und China beginne, seine Verfehlungen zu sehen und die Menschenrechte zu beachten. Das Gericht beschloss, weitere Zeugen zu vernehmen.

China reagierte umgehend mit wütenden Protesten. Die Klage stelle eine „reine Erfindung und üble Verleumdung, … eine Diffamierung und Lüge“ dar und sei eine unzulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas. Hinter dieser Klage stecke die „Clique der Spalter“, angeführt vom Dalai Lama. In Beijing wurde sogar ein Vertreter der spanischen Botschaft in das Aussenministerium zitiert.

Tibeter dürfen Saga Dawa nicht begehen
Regierungsstellen in Lhasa haben ihre tibetischen Angestellten davor gewarnt, Saga Dawa, den vierten Monat des tibetischen Kalenders, mit religiösen Handlungen zu begehen. Regierungsangstellte dürfen keine Tempel oder Klöster besuchen, ansonsten würde ihnen ein Monatssalär gestrichen.

Saga Dawa reflektiert den Monat von Buddha’s Erleuchtung, Tod und Eingang ins Nirwana. Besondere religiöse Zeremonien finden am 15. Tag dieses vierten Monats statt. Alle religiösen Verrichtungen und wohltätigen Handlungen, die während dieses Monats begangen werden, sollen besonders segensbringend sein.

China verschärft Internet-Zensur weiter: jetzt auch chinesische Anbieter betroffen
China macht weiter Ernst mit der Internet-Zensur. Nachdem vor kurzem die (unzensierte Variante) von Google betroffen war [vergl. dazu Tibet-Informationen vom 25. Januar und 9. Juni 2006; UM], erreichte diese Kampagne nun auch die chinesischen Anbieter. Am 19. Juni wurden die grössten Google-Konkurrenten Sohu und Sina ebenfalls blockiert, und zwar mit der Begründung, dass sie sich nicht an „die Regierungsstandards zum Filtern gefährlicher politischer Informationen“ gehalten hätten. Zu diesen „gefährlichen Informationen“ gehören unzensierte Informationen zu Stichwörtern wie z.B. „Dalai Lama“, „Tibet“, „Taiwan“ und „Tienanmen“.

Die Redakteure beider Firmen wurden in das Informationsbüro des Staatsrates einbestellt, wo man ihnen eröffnete, dass sie drei Tage Zeit zur Korrektur hätten, andernfalls ihnen die Lizenz entzogen würde.

Von der Blockade sind etwa 30 Millionen chinesische Nutzer betroffen. Insgesamt nutzen geschätzte 110 Millionen Chinesen das Internet. Diese Zahl soll bis Jahresende auf 128 Millionen steigen. Mit einer Wachstumsrate von 250 000 neuen Nutzern pro Tag (!) wird China demnächst die USA als gegenwärtige Nr. 1 in der Welt bei der Internet-Nutzung überholt haben.

Quellen: TibetInfoNet; Think Spain; Asia News Italy

9. Juni 2006
Google gibt Fehler zu, während China die unzensierte Google-Version blockiert
Google-Gründer Sergey Brin gab in einem Interview zu, dass die Firma mit der zensierten Google-Version für den chinesischen Markt ihr Firmenmotto „Sei nicht verwerflich“ verletzt habe. Im Januar hatte die Ankündigung von Google, speziell für den chinesischen Markt eine zensierte Version der Internet-Suchmaschine zu starten, für einen Proteststurm gesorgt [vergl. Tibet-Information vom 25. Januar 2006; UM]. Brin sagte in dem Interview: „Wir dachten, dass wir vielleicht von unserem Prinzip abweichen sollten, um den Chinesen am Ende doch einen effizienten Service mit einer grossen Menge an Information anbieten zu können... Aber vielleicht macht es doch Sinn, am Prinzip festzuhalten.“

Google bietet in China zwei Versionen der Suchmaschine an: „google.com“ und „google.cn“. Mit der ersten, international verfügbaren, unzensierten Suchmaschine, die vom Firmensitz in Kalifornien operiert, kann auch in China gearbeitet werden, jedoch blockiert die chinesische Zensur (nicht Google !) den Zugang zu politisch sensitiven Themen und Inhalten. Die in China lancierte Version „google.cn“ dagegen ist von Google selbst mit Filtern ausgestattet, die politisch sensitive Inhalte blockieren. Sergey Brin gab zu, dass die neue, zensierte Version als Reaktion auf eine zweiwöchige Totalblockade von „google.com“ durch die chinesische Zensur im Herbst 2002 entworfen worden war.

Bis Ende Mai d.J. konnten Internet-Nutzer in China somit immerhin einen Vergleich ziehen, wenn sie beide Versionen der Suchmaschine benutzten. Gaben sie beispielsweise „Tiananmen“ ein, führte sie „google.cn“ zu harmlosen, meist touristischen Informationen über den Platz des Himmlischen Friedens. Gaben sie den gleichen Begriff in „google.com“ ein, erhielten sie die Rückmeldung, dass manche Suchresultate blockiert waren.

Dass chinesische Nutzer also erkennen können, dass es prinzipiell mehr, aber zensierte Information im Internet gibt, schien jetzt den chinesischen Zensoren, deren Zahl auf ca. 50'000 geschätzt wird, zu brisant zu sein. Ende Mai wurde „google.com“ in vielen chinesischen Städten, später dann in ganz China komplett blockiert. Ein Vertreter von „Reporter ohne Grenzen“ merkte an, dass es seit der Lancierung der zensierten Version eigentlich nur eine Frage der Zeit gewesen sei, bis die unzensierte Version in China immer mehr behindert würde.

Google hatte bisher den Entscheid für eine spezielle chinesische Version der Suchmaschine damit gerechtfertigt, dass nur ein Bruchteil der Information der Zensur zum Opfer falle. Dagegen würde auch die zensierte Version „google.cn“ den chinesischen Nutzern noch immer viele wertvolle und ungefilterte Informationen über wichtige Themen liefern, die von den chinesischen Suchmaschinen vernachlässigt würde.

Sergey Brin deutete jetzt ein mögliches Umdenken an. Man wolle zunächst Optionen untersuchen, um die chinesische Version anzupassen und zu verbessern, bevor man über eine prinzipielle Wende entscheide.

Quellen: BBC News; Sydney Morning Herald

22. Mai 2006
China beschuldigt den Dalai Lama, religiöse Unruhen anzustacheln
Die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua nimmt einen kürzlichen Vorfall im Kloster Ganden, nahe Lhasa, zum Anlass, um den Dalai Lama der Anstachelung religiösen Unruhen zu bezichtigen. Am 14. März waren 17 tibetische Mönche in einen Raum des Klosters eingedrungen und hatten eine Statue der Gottheit Dorje Shugden zerstört. Xinhua zitiert den Bürgermeister von Lhasa mit den Worten: „Dieser Vorfall ist keineswegs zufällig. Er wurde vom Dalai Lama provoziert, der ein Interesse daran hat, den Konflikt zwischen den Schulrichtungen des tibetischen Buddhismus zu schüren und die Einheit von Tibet zu sabotieren.“

Der Dalai Lama ruft seit vielen Jahren die tibetischen Buddhisten auf, sich von der potentiell schädlichen Gottheit abzuwenden. Die Frage, ob Dorje Shugden verehrt werden soll, spaltet seit vielen Jahren die tibetischen Buddhisten. Eine Minderheit bekennt sich weiter zur Verehrung. Die Auseinandersetzung hatte mitunter gewaltsame Züge angenommen, die vor einigen Jahren im Mord an einem tibetischen Mönch im Exil in Dharamsala endete. Auch wurde der Dalai Lama mehrmals bei Besuchen im Ausland von demonstrierenden Anhängern von Dorje Shugden belästigt.

Tibet-Experten merken an, dass China ein Interesse daran hat, diesen religiösen Konflikt zur Propaganda gegen den Dalai Lama auszunützen und daher den Anhängern von Dorje Shugden wohlwollend gegenüber steht. Nie wurde der Verdacht ganz ausgeräumt, dass die Mörder des tibetischen Mönchs zumindest indirekt von China Unterstützung erhielten.

Hochrangige KP-Mitglieder beschliessen härteres Vorgehen
gegen „Separatisten“
Vom 15. bis 16. Mai fand in Lhasa ein Treffen hochrangiger KP-Mitglieder der Autonomen Region Tibet (TAR) statt. Wie Xinhua, die offizielle Presseagentur der chinesischen Regierung berichtet, versammelte sich hierzu die gesamte Parteispitze der TAR, einschliesslich der in Peking lebendenn Mitglieder. Berichten zufolge ging es bei der Sitzung um ein noch härteres Vorgehen gegen tibetische Freiheitsaktivisten und die Intensivierung der "patriotischen Umerziehung" in den Klöstern. Zhang Qing Ling, der amtierende Parteisekretär der TAR und damit der höchste Funktionär in der Region, führte den Vorsitz bei der Sitzung und forderte ein noch "härteres Durchgreifen gegen die Aktivitäten von Separatisten".

Während des zweitägigen Treffens erläuterte Zhang Qing Ling die sechs Schritte, die das künftige Vorgehen gegen politische Aktivitäten in Tibet bestimmen werden:

  1. Das "Harte Durchgreifen gegen Separatisten" und die Arbeit gegen die "separatistische Bewegung” werden intensiviert.
  2. Die “Patriotischen Umerziehungskampagne” in den Klöstern wird intensiviert.
  3. Gegen Personen, “welche die Sicherheit des Staates bedrohen”, wird hart durchgegriffen.
  4. Die soziale Stabilität muss mehr gefördert werden denn je zuvor und in den ländlichen Gegenden Tibets sind “sozialistische Dörfer” aufzubauen.
  5. Die Arbeit in den Basisorganisationen und den “Demokratischen Verwaltungs-Komitees” der Klöster muss verbessert werden.
  6. Personen in leitenden Positionen sollen mehr Einsatz zeigen, der Kampf gegen die “Separatisten” muss in den Vordergrund gestellt und die Öffentlichkeitsarbeit über die Entwicklung in Tibet verbessert werden.

Quellen: BBC; Tibetan Center for Democracy and Human Rights (TCHRD) in adaptierter dt. Uebersetzung durch IGFM München

5. April 2006
Anhaltende Spekulationen um China-Besuch des Dalai Lama
Hartnäckig halten sich Spekulationen um einen bevorstehenden China-Besuch des Dalai Lama, den ersten seit seiner Flucht aus Tibet im Jahre 1959. In seiner Botschaft zum Jahrestag des tibetischen Aufstandes am 10. März hatte er erstmals explizit in einer öffentlichen Stellungnahme seinen Wunsch vorgebracht, eine Pilgerreise zu buddhistischen Heiligtümern in China zu machen [vergl. Tibet-Information vom 13. März 2006; UM]. Vor wenigen Tagen erklärte nun der Vorsitzende des einflussreichen „Staatlichen Büro für Religiöse Angelegenheiten“ in China, Ye Xiaowen, dass ein Besuch nicht ausgeschlossen sei. Wörtlich sagte er: „Sofern der Dalai Lama klar erklärt, dass er endgültig den Gedanken an die Unabhängigkeit Tibets aufgibt, ist es für uns nicht ausgeschlossen, an seinen Besuch zu denken. Wir können darüber reden.“
Diese Stellungnahme wurde von der staatlichen kontrollierten Zeitung „China Daily“ an prominenter Stelle abgedruckt und stellt das bisher deutlichste Signal seitens der chinesischen Regierung dar. Es nährt Spekulationen, der Besuch des Dalai Lama könne schon im kommenden Monat erfolgen, unmittelbar nach dem USA-Besuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao.
In den letzten Monaten hatte es einige Gesten Chinas an die Tibeter gegeben, die auf ein „Tauwetter“ hindeuten, so die Ausreisegenehmigungen für eine grössere Zahl von Pilgern zur Kalachakra-Zeremonie mit dem Dalai Lama in Indien und die Freilassung von politischen Gefangenen.
Gleichzeitig rief der Kashag, die Tibetische Regierung im Exil, nochmals dringlich dazu auf, von Protesten anlässlich des USA-Besuches von Hu Jintao abzusehen. Der Kashag wies darauf hin, dass die Proteste während der USA- und Europa-Besuche von Hu Jintao im vergangenen Jahr zu einer mehr als dreimontigen Verzögerung der fünften Gesprächsrunde der Gesandten geführt hätten.
Offen bleibt, ob die chinesische Regierung ernsthaft an ein Entgegenkommen an die Tibeter denkt oder ob es sich lediglich um eine leere Geste zur „Imageverbesserung“ handelt.

Neue paramilitärische Truppe in Tibet
Ende vergangenen Jahres wurden in Lhasa und Xining, der Hauptstadt der Provinz Qinghai, jeweils neue Sicherheitstruppen etabliert. Laut offiziellen Stellungnahmen sollen diese Truppen, die direkt der Regierung und Partei unterstellt sind, der Bekämpfung terroristischer Aktivitäten dienen. Die offizielle chinesische Nachrichtenagentur beschreibt die Aufgaben dieser Truppen folgendermassen. Diese sollen „bei Massenunruhen sowie bei plötzlichen und unerwarteten Störungen der Ordnung eingreifen, gegen terroristische und andere Gewaltakte schützen, gegen Kriminelle vorgehen, und die öffentliche Ordnung schnell und flexibel wieder herstellen“. Speziell wird auch erwähnt, dass die Truppen etabliert wurden, um „die Einheit des Mutterlandes effektiver zu schützen, die Solidarität der Nationalitäten zu stärken, und die Situation von Tibet zu stabilisieren.“
Die Motivation hinter der Etablierung dieser Truppen bleibt unklar; jedenfalls ist kein konkreter Anlass für diese Massnahme ersichtlich. Die Truppen gingen offenbar aus den schon auf regionaler und städtischer Ebene bestehenden Sicherheitstruppen hervor. Besonders erstaunt die Tatsache, dass diese Truppen zwar rein technisch Teile der städtischen Sicherheitstruppen bleiben, aber direkt dem Befehl der Kommunistischen Partei und Regierung unterstellt werden.
Bei einer lokalen Zeremonie in Lhasa erklärte der dortige für Sicherheitsfragen zuständige Sekretär der Partei, die Truppe sei mit einem „kompletten Satz von Spezialausrüstung“ ausgestattet, um ihre Aufgaben wahrzunehmen.

Quellen: Kyodo; China Daily; The Independent

13. März 2006
Dalai Lama möchte China besuchen
In seiner diesjährigen Stellungnahme zum 10. März, dem Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes, hat der Dalai Lama explizit den Wunsch geäussert, China zu besuchen. So sagte er wörtlich (hier die deutsche Uebersetzung des englischsprachigen Orginaltextes): „Die Gesandten haben [während des letzten China-Besuches; UM] meinen Wunsch wiederholt, China auf einer Pilgerreise zu besuchen… Über die Pilgerorte hinaus hoffe ich auch, dass ich mit eigenen Augen die Veränderungen und Entwicklungen in der Volksrepublik China sehen kann.“

Beobachter wiesen darauf hin, dass der Dalai Lama einen schon länger bekannten Wunsch hier erstmals in einer öffentlichen Stellungnahme ausspricht.
Auch wiederholt er in starken Worten nochmals seine Verpflichtung zum „Mittleren Weg“ und ruft alle Tibeter und Unterstützer auf, „nichts unversucht zu lassen“, um den weiteren Dialog zu unterstützen.

Von offizieller Seite aus China gab es die überraschende Einlassung, dass ein solcher Dialog existiere. Bisher hatte die Regierung alle Besuche der Gesandten des Dalai Lama als „Privatbesuche von Landsleuten“ abqualifiziert. Am 6. März aber teilte der Gouverneur der „Autonomen Region Tibet“, Jampa Phuntsog, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit: „Wir werden in der Zukunft weitere Diskussionen haben. Aber wir haben noch nicht das Stadium substanzieller Verhandlungen erreicht.“

Weitere Internet-Attacken auf tibetische Organisationen
In der vergangenen Woche wurden mindestens 30 Websites von Tibeter-Organisationen durch „Hacker“ lahmgelegt. Betroffen sind fast alle NGOs, die sich für die Tibeter einsetzen. Unter ihnen ist auch die NGO „Tibetan Center for Human Rights and Democracy“ (TCHRD), deren Website komplett zerstört wurde.
Die Internet-Anbieter, deren Server die Websites beherbergen, sagten zu, den Schaden sobald als möglich zu beheben, jedoch haben nicht alle Organisationen Sicherheitskopien ihrer Daten zur Verfügung.
Einzig die offizielle Website der Tibetischen Regierung im Exil wurde nicht betroffen, möglicherweise weil sie spezielle Sicherheitseinrichtungen gegen „Hacker“ aufweist.
Die Herkunft dieser Attacken ist noch nicht geklärt.

China lockt Passagiere mit Niedrigpreisen für Bahnfahrt nach Lhasa
Wenn die neugebaute, umstrittene Bahnverbindung nach Lhasa im Juli d.J. offiziell für den Personenverkehr freigegeben wird, lockt China Passagiere mit Niedrigpreisen. Nach den jetzt veröffentlichten Preisen wird der niedrigste Tarif für eine einfache Bahnfahrt von Beijing nach Lhasa umgerechnet etwa Fr. 60 betragen. Die Preise steigen, je nach gebuchter Klasse, bis auf ca. Fr. 200 in der Ersten Klasse an.
Damit wäre der Preis für eine Bahnfahrt etwa sechsmal niedriger als für das günstigste Flugticket. Die Bahnfahrt von Beijing nach Lhasa dauert, je nach Umsteigeverbindungen in Xining, mindestens 48 Stunden.
Es ist zu befürchten, dass diese Niedrigpreise auch weitere Migranten nach Tibet locken.

Quellen: AFP; NewKerala.com (Indien); BBC

4. März 2006
Gesandte des Dalai Lama zurück: Fortschritte?
Die Gesandten des Dalai Lama kehrten aus China zurück und gaben eine Medienerklärung ab, die je nach Sichtweise Hoffnung weckt oder eher Stagnation anzeigt. Ausser intensiven Gesprächen war es den Gesandten auch möglich, weitere autonome Regionen der Volksrepublik China zu besuchen. Hier übersetzt ein Auszug aus der bisher einzigen offiziellen Erklärung:

„…Es gibt heute ein besseres und tieferes Verständnis voneinander, aber auch der fundamentalen Unterschiede, die in den Positionen beider Seiten weiter bestehen. Diese Diskussionsrunde zeigte klar, dass es grosse Differenzen allein schon in der Art gibt, wie beide Seiten das Thema angehen. Wir bleiben allerdings dem Dialogprozess durch unser kontinuierliches Engagement verpflichtet. Unsere chinesischen Gesprächspartner bekundeten ihr Interesse, den Prozess fortzusetzen, und zeigten sich überzeugt, dass die Hindernisse durch weitere Diskussionen und fortbestehendes Engagement überwunden werden können. „

Wieder Virus-Attacken auf Tibet-Unterstützer
Wie schon anlässlich des vorigen Besuches der Gesandten des Dalai Lama [vergl. Tibet-Information vom 9. März 2005; UM] sahen sich Tibet-Unterstützer wiederum einer Virusattacke ausgesetzt. Sie erhielten mehrer Mails eines gewissen „John Smith“ mit einer chinesischen (!) Adresse des Internet-Providers Yahoo („yahoo.com.cn“), das im Dateianhang vorgeblich Informationen über den Besuch der Gesandten enthielt, aber einen „Trojaner“ enthielt.

Vernichtung von Tierfellen als Loyalitätskundgebung für den Dalai Lama?
Die massenhafte Vernichtung von Tierfellen in Tibet [vergl. Tibet-Information vom 15. Februar 2006; UM] hat offenbar grössere Ausmasse angenommen und könnte eine massive politische Manifestation für den Dalai Lama darstellen. Das legen Video-Aufnahmen dar, die aus Tibet nach Indien geschmuggelt wurden. Das etwa 20 Minuten dauernde Video zeigt eine mehrere tausend Personen grosse Menge, die Kleider und Tierfelle in ein grosses Feuer wirft. Nach einem tibetischen Zeugen habe die Bewegung im kleinen Ort Tsodruk in Amdo, im Nordosten Tibets, mit der Verbrennung von 250 Fuchsfellen begonnen. Danach versammelten sich über 10'000 Tibeter im Kloster Kirti und verbrannten Kleidungsstücke. Diese Bewegung habe sich dann in den Tagen der tibetischen Neujahrsfeiern fortgesetzt, so dass Versammlungen in anderen Klöstern schnell zum Anlass weiterer Verbrennungen wurden. Inzwischen seien Tierfelle im Marktwert von US-$ 400 Millionen (!) vernichtet worden.

Die Behörden hätten verwirrt reagiert. Manche hätten versucht, sich selbst an die Spitze der Bewegung, die im Übrigen im Einklang mit chinesischen Umweltgesetzten steht, zu stellen und hätten diese als Resultat ihrer Umweltkampangen bezeichnet. Schliessliche sei die Reaktion in Repression umgeschlagen. So seien die Kameras derjenigen konfisziert worden, die die Verbrennungen fotografieren wollten. Auch seien 8 junge Anführer festgenommen worden; unter diesen hätten sich interessanterweise 3 Chinesen befunden.

Das Tragen von exotischen Tierfellen habe sich über die vergangenen 10 Jahre als eine Modeerscheinung in Tibet entwickelt. Viele seien von Funktionären und Kadern getragen worden, um sich als „neumodisch“ und reich erscheinen zu lassen. Vor allem öffentliche Anlässe, ob traditionelle tibetische oder solche der kommunistischen Partei, seien als „Laufstege“ benutzt worden, um sich dort – nicht selten unter Anwesenheit des Fernsehens – entsprechend darzustellen.

Die tibetischen Zeugen der Verbrennung weisen nun auf eine interessante Parallele hin, dass nämlich die Verbrennungen an Gandhi’s gewaltlosen Widerstand in Indien erinnern; auch dort wurden – britische – Kleider verbrannt. Was als Aufruf des Dalai Lama im Januar begann, erweise sich nun als eindeutige Bezeugung, dass „selbst nach 50 Jahren chinesischer Herrschaft die Liebe und Verehrung für den Dalai Lama als Führer unverändert stark sind.“

Quellen: Associated Press

15. Februar 2006
AKTUELL: Gesandte des Dalai Lama trafen heute in Beijing einGesandte des Dalai Lama, sind heute zu weiteren Gesprächen über die Zukunft Tibets in China eingetroffen. Die chinesische Regierung hat die Gespräche allerdings offiziell nicht bestätigt. Den Vertretern des Dalai Lama seien „private Einreisevisa“ erteilt worden, hiess es. Es handelt sich um die insgesamt fünft Gesprächsrunde. Mit Ausnahme der vorigen Runde fanden alles Gespräche in China statt.
Angesichts der «intensiven, offenen Diskussion» bei Verhandlungen im vergangenen Jahr hoffe er auf eine Intensivierung der Beziehungen und eine letztendliche Lösung des Tibet-Konflikts, sagte der Sprecher der tibetischen Exil-Regierung, Thubten Samphel.
«Wir hoffen, in der Tibetfrage zu einer gütlichen Einigung mit der chinesischen Führung zu kommen», erklärte Thubten Samphel. Das tibetische Volk müsse die Freiheit erhalten, seine kulturelle Identität zu bewahren.

Weitere Details sind noch nicht bekannt.

Kampagne gegen Gebrauch von Tierfellen verwirrt Behörden in Tibet
Behörden in Tibet haben eine öffentliche Vernichtung von Tierfellen, die für die Anfertigung von Kleidern vorgesehen waren und am 12. Februar im Kloster Rongwo nahe der nord-tibetischen Stadt Rebkong stattfinden sollte, im letzten Moment verboten. Nachdem sich die Behörden gegenüber dieser von lokalen Tibetern initiierten Kampagne zunächst passiv verhalten hatten, änderten sie ihren Kurs kurz vor dem Termin für die Vernichtung, da sich diese Kampagne zunehmend zu einer Sympathiekundgebung für den Dalai Lama entwickelte.
Dieser hatte während der Kalachakra-Zeremonie in Indien im Januar dazu aufgerufen, keine wilden Tiere mehr zur Fellgewinnung zu töten. Sein Aufruf wurde offenbar von einer Gruppe lokaler Tibeter aufgenommen und erhielt überraschend starken Zulauf. Die Beweggründe der Tibeter zur Teilnahme an der Kampagne, die übrigens im Einklang mit chinesischen Umweltgesetzen steht, dürften mehr religiöser als ökologischer Natur sein. Der Dalai Lama hatte sich gegen das Töten von Tieren ausgesprochen, um sich daraus Festbekleidung anlässlich des bevorstehenden tibetischen Neujahrsfestes anzufertigen. Auch der vorgesehene Termin der öffentlichen Vernichtung scheint religiös motiviert zu sein: der 12. Februar ist der 15. Tag des tibetischen Mondkalenders, an dem alle religiösen Handlungen besonders heilsbringend sind.

Die Polizei hatte zunächst eine passive, beobachtende Rolle eingenommen. Erst als der Zusammenhang mit dem Aufruf des Dalai Lama deutlich wurde, erliessen die Behörden hastig ein Verbot. Plötzlich wurden auch, offenbar zur Demonstration der Staatsmacht, Polizisten und Soldaten in die Region entsandt, die auf den Strassen Präsenz zeigten. Kader wurden gewarnt, dass ihre Teilnahme an der Vernichtungsaktion die Entlassung nach sich ziehen würde. Auch wurden Kader in die Dörfer entsandt, um dort eindringlich auf das Verbot hinzuweisen. Viele Tibeter, die sich zur öffentlichen Vernichtung von Tierfellen am 12. Februar bereits auf den Weg nach Rebkong gemacht hatten, wurden von dem Verbot überrascht und vernichteten ihre mitgebrachten Tierfelle auf dem Rückweg.

Auch in mehreren anderen Regionen Tibets wurden gleiche Aktionen zur Vernichtung von Tierfellen gemeldet. Somit hat die Kampagne eine grosse Reichweite angenommen.

Quellen: Tibet Information Network; Basler Zeitung

25. Januar 2006
Neues Gefängnis für politische Gefangene in Tibet
In der Nähe von Lhasa ist ein neues und grösseres Gefängnis in Betrieb genommen worden, in dem Hunderte von Insassen, darunter auch Mönche, Nonnen und andere politische Häftlinge untergebracht wurden. Eine gewisse Anzahl von politischen Gefangenen wurde aus Drapchi (einem der drei etablierten Gefängnisse in Lhasa) in diese neue Anstalt verlegt, die sich an der südlichen Ausfallstrasse von Lhasa in Richtung Shigatse befindet. Ein ehemaliger politischer Gefangener, der das neue Gefängnis kennt, schilderte es so: "Von aussen schaut die Anlage sehr modern aus und viele der Einrichtungen sind neu. Aber innen ist sie äusserst hart und brutal für die Häftlinge – sogar im Vergleich zu Drapchi."

Aus einer Quelle aus Tibet verlautet, viele Gefangene würden dort in Isolationshaft gehalten, und zwar in besonderen "Straf-Zellen", die wegen des Mangels an Tageslicht und den unmenschlichen Bedingungen auch "finstere" genannt werden. Die Verlegung in die neue Anstalt könnte auf das Bestreben der Behörden zurückzuführen sein, politische Gefangene getrennt von den anderen Häftlingen in den bisherigen Haftanstalten von Lhasa zu halten, oder auch auf die limitierten Kapazitäten von Drapchi.

Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, inspizierte während seines zweiwöchigen Aufenthalts in der VR China im Dezember letzten Jahres auch diese Anstalt. Er sagte, er habe dort mit Insassen gesprochen, die politischer Vergehen wegen inhaftiert sind und aus Drapchi verlegt wurden. Das Büro des UN-Sonderberichterstatters für Folter bestätigte, dass diese Haftanstalt neu und die "Bedingungen viel besser als in Drapchi" seien. Das Büro erklärte nicht, in welcher Hinsicht die Bedingungen besser sein sollen. Offizielle Besucher in allen Gefängnissen in der TAR werden streng von den Behörden kontrolliert, und es werden ihnen nur Einheiten vorgeführt, die für den Besuch eigens hergerichtet wurden. In einer expliziten Stellungnahme, die nach seinem Besuch in Peking veröffentlicht wurde, hiess es: "In seinen Interviews mit Häftlingen mußte der Sonderberichterstatter eine Atmosphäre der Furcht und der Selbstzensur feststellen, wie er sie bei seinen bisherigen Missionen noch nicht erlebt hatte."

Auch Google unterwirft sich chinesischer Zensur
Nach Microsoft [vergl. Tibet-Information vom 25. Oktober 2005; UM] und Yahoo unterwirft sich auch Google einer Zensur, um auf dem chinesischen Markt weiter zu bestehen. Google blockiert seit einigen Tagen bestimmte Suchresultate auf seiner chinesischen Website google.cn, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung unterrichtete. Diese blockierten Kategorien werden in China gemeinhin als die „drei T’s und zwei C’s“ bezeichnet (T für Tibet, Taiwan und Tiananmen-Massaker; C für „cult“ = Falun Gong, und kritische Stellungnahmen zu „communist“ = Kommunistische Partei).
Google begründete seinen Schritt in der Medienmitteilung mit der Einhaltung von „lokalen Gesetzen, Rechtsvorschriften und Richtlinien“.
Schon vorher waren durch die chinesischen Behörden ausgefeilte Filter implementiert wurden, die die Suche mit Google für bestimmte Begriffe unmöglich machten. Nun fügt Google einen Filter hinzu, der schätzungsweise 1'000 Suchkategorien blockieren wird.
Beobachter glauben, dass Google damit den weiteren Rückgang seiner Marktanteile in China verhindern will. Durch die Implementierung der Filter wird der Zugang zur Google-Seite allerdings langsamer, so dass hierdurch ein kompetitiver Vorteil für den grössten Konkurrenten, Baidu, entsteht. Diese chinesische Firma hat einen lokalen Marktanteil von 40% mit steigender Tendenz, Google einen von 28% mit fallender Tendenz.

Quellen: Times Online; International Campaign for Tibet (teilweise geänderte und gekürzte Uebersetzung aus dem Englischen von IGFM München)

9. Januar 2006
Indien kollaboriert mit China zur Stromgewinnung in Tibet
Das indische Energieministerium und die Power Grid Corporation of India Ltd. haben angekündigt, elektrischen Strom aus Kraftwerken zu beziehen, für die eine Reihe von Staudämmen in Tibet gebaut werden sollen. Diese Wasserkraftwerke werden den Nygangchu, einen der Hauptzuflüsse des Yarlung Tsangpo (Brahmaputra), aufstauen. Während die Führung Chinas vielerlei Gründe politischer und wirtschaftlicher Art im Auge hat, weshalb sie die Wasserressourcen im Einzugsgebiet des Brahmaputra auf ihrem Territorium nutzbar machen will, könnte dieses für Indien erhebliche Umweltrisiken bergen.

Von seinem Quellgebiet in den nördlichen Ausläufern des Himalaya in Tibet bis zu den Hügelregionen in Ostindien und schliesslich zum grössten Delta der Welt in Bangladesh nährt der Brahmaputra eine ganze Reihe von Ökosystemen und versorgt Millionen von Menschen mit Wasser. Die Staudämme werden diese von essentiellen Wasserresourcen abschneiden. Stromabwärts haben indische und bangladeschische Gruppen in Indien und Bangladesh bereits mehrfach ihre Besorgnis über die chinesischen Wasserkraft-Grossprojekte zum Ausdruck gebracht. Vor zwei Jähren äusserte das Wasserhaushalts-Ministerium des indischen Bundesstaats Assam schwerwiegende Vorbehalte gegen eine potentielle grössere Wasserumleitung und die geplanten Wasserkraftprojekte an der "großen Biegung" des Brahmaputra, wo er eine scharfe Kurve macht und dann nach Indien fliesst. Abesehen davon ist für die Tibeter das Gebiet um den Brahmaputra eine der heiligsten natürlichen Landschaften der Welt.

Entgegen der allgemeinen Annahme, Tibet stelle eine unerschöpfliche Süsswasserquelle für viele asiatische Länder dar, ist der "Wasserturm Asiens" (Tibet) tatsächlich eine aride Region, und die meisten ihrer Frischwasserressourcen werden vom Schmelzwasser der schneebedeckten Berge oder der Gletscher gespeist. Es gab bereits eine Reihe internationaler wissenschaftlicher Studien über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gletscher des Himalaya, und fast alle kommen zu dem Schluss, dass die Wasservorräte Tibets in drei bis vier Jahrzehnten erschöpft sein werden, wenn die Gletscher weiterhin im heutigen Ausmaß zurückgehen. Das bedeutet, dass Indiens Pläne zu dem Verschwinden einer Ressource beitragen und die Regierung sogar noch Geld in dieses Unternehmen investiert - eine Ressource, von der seine gesamten östlichen Regionen abhängig sind.

Freedom House setzt Tibet zuunterst auf der Skala der Freiheitsrechte
Das "Freedom House", eine gemeinnützige, unabhängige Organisation mit Sitz in den USA, gab bekannt, dass Tibet für den Zeitraum 2004-2005 zu den zwei Regionen in der Welt gehört, die bei der Bewertung der politischen und bürgerlichen Freiheiten am schlechtesten abgeschnitten haben. In der am 19. Dezember 2005 vom Freedom House veröffentlichten jährlichen Studie "Freedom in the World" heisst es: "Die beiden Territorien mit der schlechtesten Bewertung sind das unter chinesischer Herrschaft stehende Tibet und Tschetschenien."

Seit 1972 veröffentlicht das Freedom House jedes Jahr für alle Länder der Erde und ausgewählte Territorien eine Studie mit dem Titel "Freedom in the World", in der festgestellt wird, wieviel Freiheit herrscht. Die einzelnen Länder werden anhand einer Vergleichsliste mit Kontrollfragen zu politischen Rechten und bürgerlichen Freiheiten beurteilt, die grossenteils ihren Ursprung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben. Diese Bewertung basiert nicht nur auf dem Verhalten von Regierungen, sondern laut Freedom House auch auf den „Realitäten des täglichen Lebens“. Jedem Land wird auf einer Skala eine Note für die Gewährung politischer Rechte und bürgerlicher Freiheiten zugeordnet. Der kombinierte Durchschnitt der Werte für politische Rechte und bürgerliche Freiheiten eines jeden Landes bildet die Basis für die Einstufung.

Quellen: Tibet Justice Center; International Campaign for Tibet (teilweise geänderte und gekürzte Uebersetzung aus dem Englischen von IGFM München)

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