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Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft
zusammengestellt von Dr. Uwe Meya

14. Dezember 2011
Weiteres Bildmaterial über Brutalitäten in Tibet
Ein aus Tibet herausgeschmuggeltes Video, das auf Youtube zu sehen ist ( http://www.youtube.com/watch?v=-iwsNCnTApw), zeigt, wie brutal Sicherheitskräfte bei Razzien vorgehen. Das 23 Minuten lange Video, das sehr wahrscheinlich von Sicherheitskräften selbst aufgenommen wurde, zeigt die Razzia des Dorfes Dogde nahe dem Kloster Sera bei Lhasa. Es ist undatiert und wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des März 2008 aufgenommen, kurz nach Ausbruch des Aufstandes in Lhasa, als Sicherheitskräfte nach Beteiligten an den Unruhen suchten.

Die mit Schnellfeuergewehren bewaffneten Sicherheitskräfte nähern sich in gepanzerten Fahrzeugen dem verschneiten Dorf, bewegen sich dann in Angriffsformation auf das Dorf zu und dringen in die Häuser ein. Manche der verängstigten Bewohner werden nur halb bekleidet aus ihren Betten gezogen und nach aussen abgeführt. Die Sicherheitskräfte stossen und treten die wehrlosen Bewohner und zwingen sie, auf dem verschneiten Boden niederzuknien und drängen sie dann mit vorgehaltener Waffe, vor der laufenden Kamera ihren Namen und ihr Alter zu sagen.

Mönche und Nonnen künftig mit Renten- und Versicherungsanspruch
Die Frankfurter Rundschau zitiert eine Meldung der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, nach der Mönche und Nonnen künftig Anspruch auf eine Rente und eine staatliche Gesundheitsversicherung haben. Der Rentenanspruch beginnt mit dem vollendeten 60. Lebensjahr, und die monatliche Rente beläuft sich auf 120 Yuan (ca. Fr. 18.--). Im Krankheitsfall werden durch die Regierung jährlich Behandlungskosten von bis zu 50.000 Yuan (ca. Fr. 7‘300.--) übernommen.

Dafür müssen junge Mönche und Nonnen regelmässig Beiträge in die Versicherungen einzahlen. Es ist unklar, wie hoch diese sind und wie diese bestritten werden sollen, da Mönche und Nonnen meist von Spenden der Öffentlichkeit oder ihrer Familien sowie einem kleinen Einkommen der Klöster leben. Dazu besteht das Risiko einer höheren Abhängigkeit, weil die Versicherungsansprüche bei der Teilnahme an Protestaktionen entzogen werden könnten.

Xinhua zitiert den stellvertretenden Parteivorsitzenden in China, Wu Yingjie, mit den Worten: „Das ist ein massgeblicher Schritt, um das Leben des tibetischen Volkes zu verbessern“

Quellen: Frankfurter Rundschau

 

9. Dezember 2011
Ehemaliger Mönch stirbt nach Selbstverbrennung
Tenzin Phuntsog, ehemaliger Mönch des Klosters Karmagon, der sich am 1. Dezember selbst anzündete [vergl. Tibet-Information vom 5. Dezember 2011; UM], ist nach Informationen des TCHRD am 6. Dezember verstorben.

Seine Frau ist seit dem Tag der Selbstverbrennung spurlos verschwunden. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter, über deren Verbleib nichts bekannt ist.

Ein Informant gab gegenüber TCHRD an, dass einer ihrer Söhne selbst Mönch im Kloster Karmagon ist. Er hatte das Kloster nach der Besetzung durch Sicherheitskräfte mit den anderen Mönchen und Nonnen als Zeichen des Protestes verlassen [vergl. Tibet-Information vom 24. November 2011; UM], war aber auf Druck der Behörden wieder zurück gekehrt. Nach der Rückkehr seien die Mönche und Nonnen ständigen Drohungen und Pressionen der Sicherheitskräfte ausgesetzt, die damit weitere Informationen über das Kloster und politische Aktivitäten erlangen wollen.

Indien: Anklage gegen 17. Gyalwa Karmapa wegen „Verschwörung“
Der im indischen Exil lebende 17. Gyalwa Karmpa soll wegen „Verschwörung“ vor Gericht gestellt werden. Bei einer Durchsuchung seiner Residenz wurde chinesisches und ausländisches Bargeld im Wert von über 1 Million Dollar gefunden und beschlagnahmt.

Der Fund hatte bereits vor mehreren Wochen zu erheblicher Aufregung in Indien geführt. Medien unterstellten Karmapa, er sei ein chinesischer Spion, der in den engsten Kreis des Dalai Lama in das indische Exil eingeschleust wurde. Karmapa hatte diese Vorwürfe entschieden zurückgewiesen und angegeben, das Geld stamme von Spenden von Pilgern aus China und anderen Ländern.

Der der heute 26 Jahre alte 17. Gyalwa Karmapa war der letzte hohe Würdenträger, der sowohl vom Dalai Lama als auch von der chinesischen Regierung als Inkarnation anerkannt worden war. Er ist in Tibet geboren, dort als Inkarnation des verstorbenen 16. Gyalwa Karmapa (inoffiziell der dritthöchste religiöse Würdenträger im tibetischen Buddhismus) erkannt und im nahe Lhasa gelegenen Stammkloster der Karmapas, Tsurphu, bis zu seinem 14. Lebensjahr erzogen worden. Beijing stellte ihn gern als „patriotisches Vorbild“ heraus und wollte damit „Religionsfreiheit“ demonstrieren.

Nach einer spektakulären Flucht erreichte der Karmapa im Januar 2000 das indische Exil. Dadurch erlitt die Strategie Chinas, hochrangige religiöse Würdenträger in Tibet zu propagandistischen Zwecken zu manipulieren, einen massiven Rückschlag. Indische Medien beschäftigen sich nun erneut mit den Details seiner Flucht vor 12 Jahren und versuchen daraus die Theorie zu entwickeln, dass die Flucht nicht ohne Wissen oder gar Mithilfe von China erfolgen konnte.

Der 17. Gyalwa Karmapa wird von vielen als möglicher religiöser Führer der Tibeter angesehen, wenn der jetzige Dalai Lama stirbt. Im indischen Exil lebt ein weiterer Mönch, der von einer rivalisierenden Gruppe der Karma Kagyu Schule als die Inkarnation des 17. Gyalwa Karmapa angesehen wird.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD; Aargauer Zeitung

 

9. Dezember 2011
Ehemaliger Mönch stirbt nach Selbstverbrennung
Tenzin Phuntsog, ehemaliger Mönch des Klosters Karmagon, der sich am 1. Dezember selbst anzündete [vergl. Tibet-Information vom 5. Dezember 2011; UM], ist nach Informationen des TCHRD am 6. Dezember verstorben.Seine Frau ist seit dem Tag der Selbstverbrennung spurlos verschwunden. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter, über deren Verbleib nichts bekannt ist.

Ein Informant gab gegenüber TCHRD an, dass einer ihrer Söhne selbst Mönch im Kloster Karmagon ist. Er hatte das Kloster nach der Besetzung durch Sicherheitskräfte mit den anderen Mönchen und Nonnen als Zeichen des Protestes verlassen [vergl. Tibet-Information vom 24. November 2011; UM], war aber auf Druck der Behörden wieder zurück gekehrt. Nach der Rückkehr seien die Mönche und Nonnen ständigen Drohungen und Pressionen der Sicherheitskräfte ausgesetzt, die damit weitere Informationen über das Kloster und politische Aktivitäten erlangen wollen.

Indien: Anklage gegen 17. Gyalwa Karmapa wegen „Verschwörung“
Der im indischen Exil lebende 17. Gyalwa Karmpa soll wegen „Verschwörung“ vor Gericht gestellt werden. Bei einer Durchsuchung seiner Residenz wurde chinesisches und ausländisches Bargeld im Wert von über 1 Million Dollar gefunden und beschlagnahmt.

Der Fund hatte bereits vor mehreren Wochen zu erheblicher Aufregung in Indien geführt. Medien unterstellten Karmapa, er sei ein chinesischer Spion, der in den engsten Kreis des Dalai Lama in das indische Exil eingeschleust wurde. Karmapa hatte diese Vorwürfe entschieden zurückgewiesen und angegeben, das Geld stamme von Spenden von Pilgern aus China und anderen Ländern.

Der der heute 26 Jahre alte 17. Gyalwa Karmapa war der letzte hohe Würdenträger, der sowohl vom Dalai Lama als auch von der chinesischen Regierung als Inkarnation anerkannt worden war. Er ist in Tibet geboren, dort als Inkarnation des verstorbenen 16. Gyalwa Karmapa (inoffiziell der dritthöchste religiöse Würdenträger im tibetischen Buddhismus) erkannt und im nahe Lhasa gelegenen Stammkloster der Karmapas, Tsurphu, bis zu seinem 14. Lebensjahr erzogen worden. Beijing stellte ihn gern als „patriotisches Vorbild“ heraus und wollte damit „Religionsfreiheit“ demonstrieren.

Nach einer spektakulären Flucht erreichte der Karmapa im Januar 2000 das indische Exil. Dadurch erlitt die Strategie Chinas, hochrangige religiöse Würdenträger in Tibet zu propagandistischen Zwecken zu manipulieren, einen massiven Rückschlag. Indische Medien beschäftigen sich nun erneut mit den Details seiner Flucht vor 12 Jahren und versuchen daraus die Theorie zu entwickeln, dass die Flucht nicht ohne Wissen oder gar Mithilfe von China erfolgen konnte.

Der 17. Gyalwa Karmapa wird von vielen als möglicher religiöser Führer der Tibeter angesehen, wenn der jetzige Dalai Lama stirbt. Im indischen Exil lebt ein weiterer Mönch, der von einer rivalisierenden Gruppe der Karma Kagyu Schule als die Inkarnation des 17. Gyalwa Karmapa angesehen wird.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD; Aargauer Zeitung

 

5. Dezember 2011
Zwölfte Selbstverbrennung
Ein ehemaliger Mönch des Klosters Karmagon hat sich am 1. Dezember auf einem Feld in der Gemeinde Khamar im osttibetischen Chamdo selbst angezündet. Der 46jährige Tenzin Phuntsog rief Parolen zur Freiheit Tibets and hinterliess Flugblätter. Die Polizei löschte das Feuer und brachte den Mönch in eine Klinik, jedoch hat er nach Angaben von mehreren Augenzeugen schwere und entstellende Brandverletzungen erlitten, so dass unklar ist, ob er überlebt.

Ein Informant aus Tibet berichtete, Tenzin Phuntsog habe einige Tage vorher sehr niedergeschlagen gewirkt und sich besorgt über die schweren Restriktionen im Kloster Karmagon geäussert. Er befürchtete sogar die völlige Schliessung des fast 900 Jahre alten Klosters.

Sicherheitskräfte hatten das Kloster schweren Restriktionen unterworfen, nachdem sie die Mönche verdächtigt hatten, hinter der Explosion eines Sprengsatzes in der nahe des Klosters gelegenen Gemeinde Dzagyu Karma zu stehen [vergl. Tibet-Information vom 24. November 2011; UM]. Angesichts der Schikanen hatten sich die meisten Mönche und Nonnen entschlossen, das Kloster zu verlassen. Unter massivem Druck und Drohungen der Behörden waren einige von Ihnen später zurückgekehrt.

Mönche an den Pranger gestellt
Die in London ansässige NGO Free Tibet Campaign publizierte Fotos von tibetischen Mönchen, die von chinesischen Sicherheitskräften mit Schildern um den Hals an den Pranger gestellt werden. Auf den Schildern sind die jeweiligen „Verbrechen“ der Mönche dargestellt. Die Fotos sind zu sehen unter http://www.freetibet.org/newsmedia/photos-crackdown-tibet .

Free Tibet Campaign beruft sich dabei auf die regimekritische chinesische Webseite boxun.com, der diese Fotos zugespielt wurden und die diese als erste publik gemacht hatte. Boxun macht keine Angaben über den Ort, an dem die Fotos entstanden; einige von ihnen werden von Boxun auf den April 2008 datiert, also einen Monat nach dem Aufstand in Lhasa. Auf weiteren Bildern, die Sicherheitskräfte zeigen, sind die Region Ngaba und das Kloster Kirti zu sehen, wo sich die meisten Selbstverbrennungen in diesem Jahr ereignet hatten.

Chinesischer Minister für Öffentliche Sicherheit besucht Kirti
Minister Meng Jianzhu besuchte das weiter schweren Restriktionen unterworfene Kloster Kirti und betonte dabei den "historischen Beitrag des tibetischen Buddhismus für die Einheit des Landes und die Solidarität zwischen den unterschiedlichen Ethnien".

Der Besuch im Kloster sei Teil einer Inspektionsreise durch die Region gewesen.

Quellen: Radio Free Asia; Free Tibet Campaign; Der Standard (Österreich)

 

24. November 2011
Mönche fliehen aus Kloster – Drohungen, Schikanen und Festnahmen
Nach einer Meldung von Radio Free Asia (RFA) sind aufgrund von Schikanen durch Sicherheitskräfte die meisten Mönche und Nonnen aus dem Kloster Karmagon in der osttibetischen Präfektur Chamdo geflohen. Am 26. Oktober hatte sich unweit des Klosters in der Gemeinde Dzagyu Karma eine Explosion ereignet, die an einem Regierungsgebäude schweren Schaden anrichtete. Da der Sprengsatz nachts detonierte, kamen keine Menschen zu Schaden. Die Region ist seit der Explosion für Ausländer gesperrt.

Sicherheitskräfte verdächtigten die Mönche des Klosters Karmagon, hinter dem Anschlag zu stecken. Seitdem waren die Mönche und Nonnen intensiven Schikanen und Drohungen ausgesetzt. So wären bewaffnete Sicherheitskräfte täglich in das Kloster eingedrungen, hätten die Bewohner zu zahlreichen Versammlungen zusammengerufen, und hätten das Kloster abgeriegelt. Alle wurden fotografiert und mussten Muster ihrer Handschrift, Fingerabdrücke und Blutproben abliefern. Bis auf drei sehr betagte Mönche hätten alle das Kloster verlassen.

Bevor sie das Kloster verliessen, stellten die Mönche und Nonnen ein Plakat im Klosterhof auf, in dem sie bekundeten, dass sie unter Zwang das Kloster verliessen und nun die Chinesen das Kloster gefälligst selbst führen sollten. Auch die Schlüssel wurden dort gelassen.

Am 30. Oktober verkündeten die Sicherheitskräfte auf einer Versammlung, zu der alle Einwohner der Region gerufen wurden, dass die geflohenen Mönche und Nonnen bis spätestens 3. November in das Kloster zurückkehren müssten, oder sie würden verhaftet. Den hochrangigen Mönchen wurde sogar gedroht, sie würden erschossen, falls sie nicht freiwillig zurückkehrten.

Sicherheitskräfte durchkämmten später die Umgebung und registrierten auch alle Mönche und Nonnen, die sich in Einsiedeleien im Retreat befanden. Klöster in benachbarten Regionen wurden ebenfalls durchsucht. Insgesamt 10 Mönche und Nonnen, die aus Karmagon geflohen waren und von Sicherheitskräften aufgegriffen wurden, sind spurlos verschwunden. Bis jetzt sind 40 Mönche und Nonnen wieder in das Kloster zurückgekehrt, wo sie unter Zwang an täglichen Versammlungen teilnehmen müssen.

Das im 12. Jahrhundert gegründete Karmagon ist eines der ältesten Klöster Tibets. In der Gemeinde Dzagyu Karma, in der es liegt, hat es seit einiger Zeit Proteste gegen ein Programm zur Ansiedlung von Han-Chinesen, verbunden mit grösseren Bauprojeketen, gegeben. An dem durch die Explosion beschädigten Regierungsgebäude wurden Zettel und Plakate mit Forderungen für ein freies Tibet gefunden, und auf Mauern wurden Schriftzüge angebracht, die gegen die Ansiedlung von Han-Chinesen protestieren.

Weitere Repressalien in Ngaba
Im Kloster Kirti in Ngaba, wo sich die meisten Selbstverbrennungen ereignet hatten, halten die Repressionen gegen Mönche an [siehe zuletzt Tibet-Information vom 25. Oktober 2011; UM]. Nun sind auch Laien mit betroffen.

Im Kloster selbst werden immer wieder einzelne Mönche, scheinbar ohne erkennbaren Grund, verhaftet und abgeführt. Zivil gekleidete Angehörige der Bewaffneten Volkspolizei und des Büros für Öffentliche Sicherheit durchkämmen die Klosteranlage. Insgesamt sind laut Informanten über 200 Beamte im Einsatz. Die religiöse Routine ist zum Erliegen gekommen, weil die Mönche immer wieder zur „Patriotischen Umerziehung“ einbestellt werden.

Nun suchen Kader auch die Landbevölkerung auf und verlangen, dass alle Kinder unter 18 Jahren von tibetischen Schulen auf chinesische Schulen wechseln sollen. Bei Nichtbefolgen werden den Eltern pro Kind Geldstrafen von Yuan 3‘000 (ca. Fr. 430; UM) angedroht.

Quellen: Radio Free Asia; Tibet Post International

 

3. November 2011
Weiter Selbstverbrennung: Nonne stirbt an ihren Verletzungen
Wie das TCHRD aus zuverlässigen Quellen soeben erfuhr, hat heute sich eine Nonne im Bezirk Tawu in der Autonomen Tibetischen Präfektur Kardze in Osttibet selbst verbrannt. Es handelt sich um die 35-jährige Nonne Palden Choesang aus dem ebenfalls in der Region gelegenen Kloster Dakar Choeling.

Sie übergoss sich am Mittag (Ortszeit) auf einer Strasse nahe der grossen Namgyal-Stupa in Tawo. Hier wurde der letzte Tag des Nyung-ney begangen, eines rituellen Fastens von Mönchen des nahe gelegenen Klosters Tawu Nyatso und tibetischen Anwohnern. Als sich Palden Choesang in Brand setzte, rief sie Parolen für die Freiheit Tibets, ein langes Leben für den Dalai Lama und seine Rückkehr nach Tibet.

Sie erlag kurz darauf ihren Brandverletzungen. Der Leichnam befindet sich zurzeit im Koster Tawu Nyatso. Kurz nach dem Vorfall erschienen Sicherheitskräfte, die das Kloster abriegelten.

China will „gesetzestreue Modellklöster“ in Tibet etablieren
Nach einem Bericht der regierungsoffiziellen Nachrichtenseite chinatibetnews.com hat die chinesische Regierung kürzlich beschlossen, in Tibet „Modellklöster“ einzurichten. Diese sollen im Rahmen einer neuen Kampagne zur „Gesetzestreue“ und „Patriotischen Umerziehung“ etabliert werden. Die Prinzipien der neuen Kampagne wurden während einer Versammlung der Kommunistischen Partei Tibets am 30. Oktober beschlossen; hier scheint sich zum ersten Mal der neue ernannte Parteisekretär in Tibet, Chen Quanguo [vergl. Tibet-Information vom 3. September 2011; UM], in Szene zu setzen.

Gemäss den Beschlüssen dürfen die Modellklöster nicht zu „sozialen Unruhen“ anstiften und müssen „entschlossen gegen die Dalai-Clique“ Position beziehen. Mönche und Nonnen dürfen nicht an „separatistischen Akten“ teilnehmen. Zweimal jährlich sollen die Klöster danach beurteilt werden, wie gut sie diese Prinzipien befolgen. Der Gewinner bekommt den Titel „Modellkloster“, und die Mönche oder Nonnen erhalten ein Zertifikat, verbunden mit einer Geldprämie.

Am 20. Oktober wurde ausserdem im Bezirk Chushul, nahe Lhasa, die „Tibetische Buddhismus-Universität“ eröffnet. Parteisekretär Chen Quanguo sagte bei seinem Besuch am 24. Oktober, dass die Universität einen hohen Ausbildungsstandard für Mönchen und Nonnen anstreben müsse, damit sie der „Dalai-Clique“ und anderen „separatistischen Verschwörungen“ entgegen treten können. Während der Ausbildung erhalten die Studenten Lektionen in „Patriotischer Umerziehung“, die noch intensiver sein sollen als in den individuellen Klöstern. Die Absolventen sollen dann in ihre Stammklöster zurückkehren und dort weitere Mönche und Nonnen ausbilden.

Am 28. Oktober hielt Chen Quanguo in Lhasa eine Rede während einer Tagung der „Buddhistischen Vereinigung“. Hier forderte er Entschlossenheit, „den 14. Dalai Lama aus dem tibetischen Buddhismus zu eliminieren“. Partei und Regierung müssten zusammen stehen und die Prinzipien der Kommunistischen Partei stärken, um „harmonsiche Modellklöster“ zu errichten.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD

 

30. Oktober 2011
Avaaz lanciert Petition für Tibet
Angesichts der Serie von Selbstverbrennungen hat Avaaz eine Petitionskampagne gestartet. Mittels dieser sollen die Regierungen der fünf Länder mit dem vermutlich grössten Einfluss auf China – USA, Grossbritannien, Frankreich, Indien, Australien – und die EU aufgefordert werden, China zur Zulassung einer Untersuchungsmission von Diplomaten mit ungehindertem Zugang in die Krisengebiete in Tibet zu drängen.

Avaaz („Stimme“) ist eine internetbasierte internationale Aktionsplattform, die nur auf konkrete Aufforderung von Bürgern mit Aktionsvorschlägen reagiert, und handelt durch das Lancieren von Petitionen, die Finanzierung von Anzeigenkampagnen, die Kontaktaufnahme mit Regierungsvertretern über Telefon und E-Mail, die Durchführung von "Offline"-Protesten und Events.

Die Petition für Tibet kann unter folgendem Link unterstützt werden: http://www.avaaz.org/en/save_tibetan_lives/?cl=1359694024&v=10857

Zum Zeitpunkt dieser Nachricht sind innerhalb weniger Tage seit Lancieren der Kampagne bereits über 25‘000 der geplanten 50'000 Unterschriften geleistet worden.

Massiver Truppenaufmarsch auch in Lhasa
Tibeter in der Hauptstadt Lhasa beschreiben den Zuwachs an Sicherheitskräften seit Mitte Oktober als „furchterregend und einschüchternd“. Am 18. Oktober seien abends „mehrere tausend“ Sicherheitskräfte eingetroffen, die ab dem folgenden Tag überall in der Stadt zu sehen waren. Es ist nicht ganz klar, ob es sich um Militär oder die paramilitärische „Bewaffnete Volkspolizei“ handelt, oder um beide.

Die Sicherheitskräfte sind an kritischen Stellen, wie dem Jokhang-Tempel im alten Stadtzentrum, dem Potala-Palast und an allen Strassenkreuzungen positioniert, aber auch in den Aussenbezirken gesehen worden. Dazu fahren schwarze Militärfahrzeuge in Gruppen von zwei bis vier durch die Strassen.

Besonders streng werden alle Personen kontrolliert, die aus dem Osten Tibets nach Lhasa reisen, oder die durch ihre Tracht als Osttibeter erkennbar sind. Selbst ihre Mobiltelefone werden nach Bildern des Dalai Lama oder politisch sensitiven Musikstücken durchsucht. Beim geringsten Verdacht werden die kontrollierten Personen in ein Internierungszentrum gebracht, wo sie weiter verhört werden.

Am ehesten könnten diese einschüchternden Gesten durch die Serie der Selbstverbrennungen motiviert sein; andere Tibeter weisen auch darauf hin, dass die Regierung durch die starke Welle der Solidarität im Exil beunruhigt sei.

China wirft dem Dalai Lama „verdeckten Terrorismus“ vor
Eine Sprecherin des chinesischen Aussenministeriums warf dem Dalai Lama vor, er verübe „verdeckten Terrorismus“. Weil er die Selbstverbrennungen „glorifiziere“, würde er noch weitere Tibeter dazu anstiften.

Quellen: Radio Free Asia (RFA); Associate Press

 

25. Oktober 2011
Die fünte Selbstverbrennung in diesem Monat
Nach zuverlässigen Informationen des TCHRD hat sich heute Morgen in Kandze in der Provinz Sichuan ein Mönch mit Benzin übergossen und angezündet.

Es soll sich um den 38-jährigen Dawa Tsering aus dem Kloster Kandze handeln. Dieser setzte sich während eines dort jährlich stattfindenden Festes mit religiösen Cham-Tänzen in Brand. Andere Mönche, die dem Fest beiwohnten, eilten herbei, löschten die Flammen und fuhren ihn in das örtliche Spital. Später sei er von dort in das Kloster zurück gebracht worden. Sein Zustand ist angeblich kritisch, und es ist unklar, ob er überleben wird.

Starke Präsenz von Sicherheitskräften in Ngaba: Video
In der Stadt Ngaba, die Schauplatz der meisten Selbstverbrennungen war, sind überall bewaffnete Soldaten stationiert. Diese sind vor allem entlang der Haupstrasse und an Kreuzungen positioniert, tragen Kampfanzüge und sind mit Machinengewehren, nagelbesetzten Keulen und Feuerlöschern ausgestattet.

Zwei Reporter von Agence France Presse erhielten überraschend kurzen Zugang nach Ngaba, und zwar nur wenige Stunden, nachdem sich die Nonne Dechen Chokorling selbst verbrannt hatte [vergl. Tibet-Information vom 18. Oktober 2011; UM]. Einer der Journalisten, Robert Saiget, gab an, er sei kurzfristig verhaftet worden, und alle Fotos in seiner Kamera, die das Sicherheitsaufgebot zeigten, wurden gelöscht. Man habe ihm gesagt, er könne so viele Fotos von der Landschaft machen, wie er wolle, aber er solle Ngaba nun auf dem schnellsten Wege verlassen.

Dennoch konnten die AFP-Journalisten heimlich ein Video aufzeichnen, das die massive Präsenz der Sicherheitskräfte dokumentiert: http://www.youtube.com/watch?v=bWNQJTPpkxo&feature=player_embedded.

Quellen: Tibetan Center for Human Rights and Democracy (TCHRD); Phayul

 

18. Oktober 2011
Erstmals verbrennt sich eine Nonne selbst
Nach Angaben von Free Tibet Campaign hat sich gestern erstmals eine Nonne selbst verbrannt. Die 20-jährige Tenzin Wangmo zündete sich ausserhalb des Nonnenklosters Dechen Chokorling, etwa 3 km von der Stadt Ngaba entfernt, an und starb sofort.

In Ngaba, das von Sicherheitkräften scharf bewacht wird, hatten sich die meisten der bisherigen Selbstverbrennungen ereignet. In Ngaba selbst seien die Polizisten inszwischen mit tragbaren Feuerlöschern ausgerüstet, um sofort eingreifen zu können.

Weitere Proteste in Tibet – Polizei eröffnet das Feuer auf Protestierende
Im ost-tibetischen Khekor kam es am 15. und 16. Oktober kam es zu zwei Protestaktionen vor der lokalen Polizeistation. Khekor liegt etwa 80 km von Serthar entfernt, das am 1. Oktober Schauplatz von Protesten war [vergl. Tibet-Information vom 4. Oktober 2011; UM].

Der Anlass für die Proteste ist bisher nicht bekannt. Am 15. Oktober seien 7 Personen verhaftet worden. Darauf versammelte sich am folgenden Tag wieder eine Menschenmenge vor der Polizeistation. Polizisten eröffneten das Feuer und verwundeten zwei Tibeter. Über deren Schicksal ist nicht Weiteres bekannt, ausser dass sie von lokalen Einwohnern weggebracht wurden.

Quellen:Free Tibet Campaign

 

16. Oktober 2011
Erneute Selbstverbrennung
Ein weiterer Mönche hat sich am 15. Oktober in Ngaba in Brand gesetzt. Nach Informationen des Schwesterklosters von Kirti in Indien, das über verlässliche Informanten in der Region Ngaba verfügt, handelt es sich um den 19-jährigen Mönch Norbu Damdul. Er setzte sich am 15. Oktober nahe dem Markt von Ngaba in Brand und rief Slogans für die Freiheit Tibets und die Rückkehr des Dalai Lama. Die im Berich des Marktes von Ngaba omnipräsente Polizei löschte den Brand und trug Norbu Damdul weg. Über seinen Zustand ist nichts bekannt. Augenzeugen berichteten von schweren Brandwunden, aber er sei beim Abtransport noch am Leben gewesen.

Damit steigert sich die Zahl der Selbstverbrennungen in diesem Jahr auf acht.

Zwei Mönche, die sich am 7. Oktober anzündeten, sind verstorben
Die beiden jungen Mönche, die sich am 7. Oktober in Flammen setzten, sind nach Informationen aus der Region am 8. Oktober bzw. 11. Oktober verstorben [vergl. Tibet-Information vom 10. Oktober 2011; UM]. Noch am 8. Oktober hatten die staatlichen Medien die Mitteilung verbreitet, beide Mönche seien nur leicht verletzt und würden überleben. Einer der Mönche, Khayang, soll dem Klinikpersonal kurz vor seinem Tode gesagt haben, dass er es nicht bedauere, sein Leben für Tibet zu opfern.

Beide Mönche wurden in aller Heimlichkeit von den Behörden an einem unbekannten Ort kremiert. Trotz dringender Bitten wurde den Angehörigen nur ihre Asche übergeben.

Der Mönch Kelsang Wangchuk, der sich am 3. Oktober anzündete [vergl. Tibet-Information vom 4. Oktober 2011; UM], überlebte seine Verbrennungen und liegt derzeit in einem Krankenhaus im Bezirk Ngaba. Trotz seiner Verletzungen werde er täglich langen Verhören unterzogen und geschlagen.

„Punkt der Verzweiflung, wo die Leute lieber sterben als weiterleben mögen“
Ngaba gleicht nach Angaben von Anwohnern einer Geisterstadt. Läden und Restaurants sind meist geschlossen. Jedem Haus sei ein Polizist zugeteilt worden, der die Bewohner warne, über die toten Mönche zu reden. Wer öffentlich Trauer bekunde, würde festgenommen.

Die Totenrituale im Hause der Angehörigen von Khayang seien nur unter strengster Bewachung durch Sicherheitskräfte erlaubt worden. Nur 5 Mönche wurden dafür eingelassen, alle anderen Tibeter , ob Verwandte oder nicht, wurden vor der Tür abgewiesen. Auch im Kloster Kirti war es den Mönchen nicht gestattet, irgendwelche Totenrituale abzuhalten. Dennoch seien diese heimlich in der Nähe des Klosters durchgeführt worden. Auch seien aus Solidarität die Läden und Restaurants in Ngaba für 3 Tage komplett geschlossen gewesen.

Laut Informanten gleiche das Kloster Kirti, das seit der ersten Selbstverbrennung im März von Sicherheitskräften abgeriegelt ist, einem Gefängnis. Angesichts der Repression sei ein Mass der Verzweiflung erreicht worden, wo die Betroffenen lieber sterben als weiter leben möchten.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD

 

10. Oktober 2011
Serie der Selbstverbrennungen reisst nicht ab
Zwei weitere Mönche haben sich am 7. Oktober in Ngaba in Brand gesetzt [vergl. Tibet-Informationen vom 27. und 29. September sowie 4. Oktober 2011; UM]. Damit steigt die Zahl der Selbstverbrennungen auf sieben seit dem März d.J. Einer der beiden Mönche sei eine halbe Stunde nach dem Vorfall gestorben, der andere schwebe in Lebensgefahr, heisst es aus gewöhnlich gut informierten Quellen im indischen Schwesterkloster von Kirti.

Wiederum handelte es sich um junge Mönche, deren Namen und Alter mit Choephel (19 Jahre) und Khayang (18 Jahre) angegeben wird. Am Vormittag zündeten sie sich auf einer Strasse in Ngaba an und hätten noch, während sie bereits in Flammen standen, Parolen gegen die Unterdrückung in Tibet, für Widerstand gegen die chinesische Politik und die Rückkehr des Dalai Lama gerufen. Zwar hätte die schnell herbeigeilte Polizei die Flammen gelöscht, dann aber wie bereits bei früheren Vorfällen auf beide Mönche eingeschlagen.

Selbst als er weggetragen und in das Volkskrankenhaus von Ngaba gebracht wurde, hätte Khayang noch Parolen gerufen. Im Krankenhaus sei Choephel kurz darauf gestorben. Über den Zustand von Khayang ist nichts Näheres bekannt.

Beide Mönche gehörten dem Kloster Kirti an. Von Choephel hiess es, er sei nach der ersten Selbstverbrennung im März d.J. aus dem Kloster ausgewiesen worden. Khayang hätte einen Cousin bei den Unruhen im März 2008 verloren, der von Sicherheitskräften getötet wurde.

In Ngaba und im Kloster Kirti waren Flugblätter aufgetaucht, nach denen noch weitere Tibeter bereit seien, ihr Leben durch Selbstverbrennung zu opfern. Es ist möglich, dass die Serie noch nicht zu Ende ist.

Quellen: Free Tibet; Radio Free Asia; Phayul

 

4. Oktober 2011
Erneute Selbstverbrennung im Kloster Kirti
Am 3. Oktober kam es zu einer erneuten Selbstverbrennung im Kloster Kirti, der dritten in 8 Tagen [vergl. Tibet-Informationen vom 27. und 29. September 2011; UM]. Der Mönch Kalsang Wangchuk, dessen Alter mit 17 oder 18 Jahren angegeben wird, setze sich neben dem Gemüsemarkt in Ngaba in Brand. Laut Berichten aus dem indischen Schwesterkloster von Kirti mit guten Kontakten in die Region Ngaba soll er ein Bild des Dalai Lama in der Hand gehalten und Parolen für die religiöse Freiheit in Tibet gerufen haben.

Laut Augenzeugen seien Polizei und Feuerwehr rasch am Ort gewesen und hätten die Flammen gelöscht. Danach hätten sie mit allem, was sie in die Hände bekamen, auf den Mönch eingeschlagen. „Zahlreiche Tibeter, die Zeugen des Vorfalls wurden, begannen zu protestieren, aber die Bewaffnete Polizei [Peoples‘ Armed Police, PAP; UM] erschien und richtete ihre Waffen auf sie, um sie einzuschüchtern, so dass sich die Menge zerstreute, “ fügte der Zeuge hinzu.

Bevor man ihn wegschaffte, war der verbrannte Oberkörper des Mönchs zu sehen, aber es nicht bekannt, ob er die Selbstverbrennung überlebte und wohin er gebracht wurde.

In der Region Ngaba sind in der vergangenen Woche Flugblätter aufgetaucht, die darauf hinwiesen, dass es weitere Tibeter gebe, die bereit seien, ihr Leben zu opfern, wenn sich die Situation nicht verbessere. Ein Mönch des Klosters Kirti, der anonym bleiben wollte, beklagte gegenüber Radio Free Asia die „erstickenden Restriktionen“ und sagte, nach seinem Wissen hätten noch mindestens zwei weitere Mönche Selbstmord begangen, ohne dass diese Fälle publik wurden.

Ngaba ist nun vollständig von der Umgebung abgeriegelt. Niemand wird herein- oder herausgelassen.

Proteste auch im Kloster Serthar
Im nur wenige hundert Kilometer entfernten Kloster Serthar kam es am 1. Oktober zu einer Demonstration mit etwa 200 Tibetern. Diese liefen in einer Strasse zusammen, nachdem von einem Gebäude eine [offiziell verbotene; UM] tibetische Flagge und ein Bild des Dalai Lama entfernt und auf die Strasse geworfen worden waren. Flagge und Bild waren offenbar als Zeichen des Protests am Jahrestag der Gründung der VR China am Gebäude angebracht worden. Die Tibeter riefen Parolen für die Rückkehr des Dalai Lama und Freiheit in Tibet. Es ist nicht bekannt, ob die Demonstration gewaltsam beendet wurde und ob es Verletzte gab.

Vor 10 Jahren war das weit über Tibet hinaus bekannte Serthar-Institut, ein Ort für religiöse Studien mit zeitweise über 10‘000 Studierenden, auf Geheiss der Behörden zerstört worden. Offenbar hatte seine Anziehungskraft auch für ausländische und chinesische Buddhisten ein Mass erreicht, das der Regierung zu bedrohlich erschien [vergl. Tibet-Informationen vom 30. August und 15. Oktober 2001;UM].

Neuer Parteisekretär von Tibet ruft „Dritte Schlacht“ aus
Der kürzlich ernannte neue Sekretär der Kommunistischen Partei in Tibet, Chen Quanguo [vergl. Tibet-Information vom 3. September 2011; UM] setzt sich bereits in Szene. Am 27. September fand ein Treffen des regionalen Parteiausschusses und der Regierung der „Autonomen Region Tibet“ statt, das die Feierlichkeiten zum 62. Gründungstag der Volksrepublik China am 1. Oktober in Lhasa vorbereiten sollte.

Hier rief Chen Quanguo die „Dritte Schlacht“ aus, um die „Stabilität in Tibet“ zu wahren. Diese müsse folgenden Prinzipien gehorchen: Sicherstellen, dass es keine weiteren politischen Vorfälle gebe; Erkennen und Lösen von Problemen bereits in der Anfangsphase; intensive Überwachung aller Klöster und Fortsetzung der „patriotischen Umerziehung“; sowie die Vergegenwärtigung der hohen Verantwortung, die Partei- und Regierungskader in der Kampagne haben.

Quellen: Free Tibet; Radio Free Asia; chinatibetnews.com

 

29. September 2011
Weitere Details zur Selbstverbrennung am 26. September
Über das Schicksal der beiden Mönche des Klosters Kirti, die sich am 26. September selbst anzündeten [vergl. Tibet-Informationen vom 27. September 2011; UM], liegen angesichts der Abriegelung der Region Ngapa und der Nachrichtensperre keine verlässlichen Informationen vor. Die Angaben, die von Informanten aus Tibet an das gleichnamige Schwesterkloster im indischen Exil dringen, widersprechen der Stellungnahme der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Während die Informanten angaben, einer der beiden Mönche sei sofort gestorben, berichtete Xinhua, beide Mönche hätten mit leichteren Brandverletzungen überlebt, machte aber keine Angaben über deren gegenwärtigen Aufenthaltsort.

Von den Informanten aus Tibet wurde die folgende Schilderung der Selbstverbrennung abgegeben:
„Die Mönche kamen um etwa 10.30 Uhr Ortszeit bei einer Hauptkreuzung in der Stadt Ngaba an“, derselbe Ort, an dem sich Phuntsok im März verbrannt hatte. „Sie trugen dicke Überhänge, sie setzten sich kurz hin, dann erhoben sie sich, hielten eine tibetische Flagge hoch, umarmten sich und riefen Parolen für ein langes Leben des Dalai Lama, Religionsfreiheit und Freiheit für Tibet. Dann legten sie ihre Überhänge ab, traten auf die Strasse, übergossen sich mit Benzin und setzten sich in Brand. Parolen rufend rannten sie durch die Strasse“ [deutsche Übersetzung durch IGFM München; UM].

Ankündigung des Dalai Lama über seine Nachfolge löst Kontroverse aus
Das kürzliche Treffen des Dalai Lama mit Vertretern aller Religionsrichtungen in Tibet [vergl. Tibet-Information vom 27. September 2011; UM], an dem er Details zur Regelung seiner Nachfolge bekanntgab, hat wie erwartet eine heftige Reaktion der Regierung in Beijing ausgelöst.

Der 76-jährige Dalai Lama hatte erklärt, Details könnten später – wenn er etwa 90 Jahre alt sei – festgelegt werden. Unter Umständen könnte die Tradition der Dalai Lamas auch abgeschafft werden, dann nämlich, wenn kein Bedarf mehr bestehe, oder der Nachfolger könnte schon zu seinen Lebzeiten demokratisch gewählt werden.

Ausgerechnet die kommunistische Regierung sieht sich als Hüterin der religiösen Tradition. „Wir müssen die historischen Institutionen und religiösen Rituale des tibetischen Buddhismus respektieren“, hiess es, und niemand dürfe sich anmassen, die Reinkarnation abzuschaffen. Jetzt verweist ein Sprecher des Aussenministeriums darauf, dass noch nie ein Dalai Lama seinen Nachfolger bestimmt habe und dass im Übrigen alle Fragen der Wiedergeburt in der Volksrepublik gesetzlich geregelt seien. Der Sprecher zitierte die von der Staatsbehörde für religiöse Angelegenheiten erlassene „Verordnung Nummer fünf“, die präzise Anweisungen für „das Management der Reinkarnation lebendiger Buddhas“ gibt.

Der Dalai Lama entgegnet, dass der Glaube an die Wiedergeburt zu unterscheiden sei von der Tradition, Reinkarnationen von bestimmten Personen namentlich zu identifizieren und sie so gesellschaftlich zu legitimieren. Einzig und allein die betreffende Person selbst habe die Autorität, die genauen Umstände ihrer Wiedergeburt zu bestimmen.

Quellen: Phayul; Radio Free Asia; Tibet.net; Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

27. September 2011
Erneute Selbstverbrennung im Kloster Kirti
Am 26. September haben sich zwei Mönche aus dem Kloster Kirti aus Protest selbst angezündet. Ihr Alter wird in einer Medienmitteilung des Tibetischen Parlaments im Exil mit 18 und 19 Jahren angegeben. Bevor sich die beiden Mönche anzündeten, riefen sie Parolen gegen die Unterdrückung in Tibet und die Repressionen gegen das Kloster Kirti. Einer der beiden Möche ist der Bruder und Zimmergenosse von Phuntsog, der sich im März mit Benzin übergoss und seinen schweren Verbrennungen erlag [vergl. mehrere Tibet-Informationen vom 21. März bis 13. Juni 2011; UM].

Über das Schicksal beider Mönche ist nichts Näheres bekannt. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zitierte eine Verlautbarung der Kreisverwaltung des Bezirks Ngaba, in dem das Kloster liegt, dass beide Mönche überlebt hätten und sich mit ihren Brandverletzungen „in stabilem Zustand“ befinden.

Als Reaktion wurde unterdessen das Kloster unter noch strengere Kontrolle der Sicherheitskräfte gestellt.

Mönche von Kirti sollen mit Geld aus dem Kloster gelockt werden
Vor der erneuten Selbstverbrennung hatten laut TCHRD Funktionäre versucht, die Mönche mit Geld zur Aufgabe ihrer Mönchslaufbahn zu bewegen.

Nach dem Ende der Sommerpause am 19. September hatten sich zahlreiche Funktionäre im Kloster eingefunden, angeblich um Identitätsdokumente an die Mönche auszustellen. Ausserdem boten sie den Mönchen 20‘000 Yuan (ca. Fr. 2‘800) in bar sowie ein Darlehen von nochmals 5‘000 Yuan (ca. Fr. 700), um ausserhalb des Klosters „ein neues Leben zu begründen“. Soweit bekannt hat keiner der Mönche dieses Angebot angenommen.

Der Dalai Lama beginnt, seine Nachfolge zu regeln
Im September hat sich der Dalai Lama mit den Vertertern der vier grossen Religionsrichtungen in Tibet getroffen, um den Prozess für seine Nachfolge zu regeln.

Er werde, wenn er etwa 90 Jahre alt sei, also in 14 Jahren, mit Vertretern aller Religionsrichtungen Tibets erörtern, ob die Institution des Dalai Lama überhaupt fortgeführt werden solle. Der Dalai Lama hatte bereits vor mehreren Jahren erklärt, seine Wiedergeburt würde sich in jedem Falle ausserhalb des chinesischen Herrschaftsbereichs ereignen. Auch hatte der Dalai Lama erklärt, dass sein Nachfolger alternativ durch demokratische Wahlen anstatt durch die traditionellen religiösen Prozesse bestimmt werden könne.

Das hatte scharfe Proteste der chinesischen Regierung hervorgerufen, die nach dem Ableben des jetzigen Dalai Lama einen ihnen genehmen und gefügigen Nachfolger zu implementieren versucht. Die Regierung in Beijing besteht darauf, dass alle Inkarnationen, nicht nur die des Dalai Lama, eine Genehmigung durch die Behörden benötigen [vergl. Tibet-Informationen vom 15. März 2011; UM].

Polizei schiesst auf protestierende Minenarbeiter
Im osttibetischen Kardze sind 4 Tibeter verwundet worden, nachdem die Polizei das Feuer auf protestierende Minenarbeiter eröffnete. Wie VOT meldent, hatten Arbeiter der Mine in der Region Chatreng einen Disput mit dem chinesischen Management über Salärzahlungen. Als sich die Manager nicht mehr helfen konnten, riefen sie die lokale Polizei, die in die Gruppe der Protestierenden feuerte.

Quellen: Tibetisches Parlament im Exil; Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD); Tages-Anzeiger; Voice of Tibet (VOT)

 

2. September 2011
Neuer Parteisekretär der Kommunistischen Partei in China
Zhang Qingli, der seit Mai 2006 Sekretär der Kommunistischen Partei in Tibet war, wird durch den früheren Gouverneur und Vizepräsidenten der Partei in der Provinz Hebei, Chen Quanguo, erstetzt.

Zhang, der vor seiner Ernennung in Tibet als Funktionär in der Unruheprovinz Xinjiang wirkte, erwarb sich schon dort den Ruf eines Hardliners und streng ideologisch ausgerichteten Parteikaders. In Tibet setzte er diese Linie kompromisslos fort. Er stand sowohl hinter der Intensivierung der sogenannten „Patriotischen Umerziehungskampagne“ in den Klöstern als auch hinter ungewöhnlich aggressiven verbalen Ausfällen gegen den Dalai Lama, den er mehrmals als „Wolf im Mönchsgewand“ bezeichnete. Viele Beobachter glauben, dass seine Unnachgiebigkeit und Rücksichtlosigkeit der Hautgrund für die schweren Unruhen des Jahres 2008 waren. Seine Ablösung, um die es schon seit Wochen Gerüchte gab, könnte absichtlich herausgezögert worden sein, um den Eindruck zu verwischen, dass ihm die Verschärfung der Situation in Tibet zur Last gelegt wird. Es wurde nicht bekannt gegeben, welches Amt Zhang nun antreten wird.

Sein Nachfolger, der Wirtschaftswissenschaftler Chen Quanguo, ist ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Er hat sich bisher nicht durch markante politsche Positionen hervorgetan und soll möglicherweise nun in Tibet die wirtschaftliche Entwicklung, namentlich die Umsetzung des neuen Fünfjahresplanes, in den Vordergrund stellen, anstatt weiter mit starren ideologischen Positionen zu polarisieren. Der Fünfjahresplan zielt auf eine rasche Industrialisierung Tibets, Zentralsierung der Entscheidungsgewalt und Beschneidung der Kompetenzen von lokalen Kadern ab.

Von den bisher zehn Parteisekretären, de facto die mächtigste politische Instanz in Tibet, war bisher noch kein einziger ein Tibeter.

Drei Mönche wegen angeblicher Beteiligung an Selbstverbrennung verurteilt
Drei Mönche des Klosters Kirti sind wegen ihrer angeblichen Beteiligung an der Selbstverbrennung des 20-jährigen Mönchs Lobsang Tenzin am 17. März 2011 [vergl. mehrere Tibet-Informationen vom 21. März bis 13. Juni 2011; UM] zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Lobsang Tenzin hatte sich mit Benzin übergossen und angezündet. Ein Augenzeuge berichtete, dass die herbeigeeilten Sicherheitskräfte das Feuer zwar löschten, aber auf den am Boden liegenden Mönch einschlugen, bevor Tibeter – Mönche wie Laien – intervenierten und den tödlich Verletzten in das Kloster Kirti abtransportierten. Da bekannt war, dass er ohne Regierungsbewilligung nicht im Spital behandelt werden konnte, meldeten sie den Vorfall und konnten ihn dann in das lokale Spital bringen, wo er kurz darauf seinen Verletzungen erlag.

Nun wurden drei Mönche, einer davon der Onkel des Opfers, vom lokalen Volksgericht wegen „vorsätzlicher Tötung“ zu Haftstrafen zwischen 10 und 13 Jahren verurteilt. Das Urteil und seine Begründung wurden, offensichtlich zur Abschreckung, von den staatlich kontrollierten Medien ausführlich berichtet. In der Urteilsbegründung wird behauptet, dass die Mönche „sich verschworen, die Selbstverbrennung angezettelt und dabei mitgeholfen“ hätten. Entgegen dem Augenzeugenbericht behaupten die Medien, dass ein Polizist die Flammen gelöscht und dann den Verletzten in das Spital gebracht habe, wo er danach von den mehreren Tibetern „gewaltsam entführt“ wurde. Auch wurde das Alter von Lobsang Tenzin fälschlich mit 16 Jahren, statt 20 Jahren, angegeben. Die Medien behaupten weiter, er habe „eine Vorgeschichte von Epilepsie“ - möglicherweise um den Anschein zu erwecken, er hätte seine Handlungen nicht voll unter Kontrolle.

Die Angehörigen der Verurteilten berichteten, dass niemand von ihnen einen Verteidiger bekam und alle seit März bis zur Gerichtsverhandlung an einem unbekannten Ort festgehalten wurden.

Quellen:Radio Free Asia; International Campaign for Tibet

 

17. August 2011
Zweite Selbstverbrennung eines tibetischen Mönchs
Am 15. August übergoss sich ein Mönch in der osttibetischen Stadt Dawo (auch Tawo geschrieben; UM) mit Benzin und zündete sich an. Der 29-jährige Mönch Tsewang Norbu gehörte dem lokalen Kloster Nyitso an. Er ging zur Mittagszeit in das Zentrum von Dawo und rief zunächst für etwa 10 Minuten Parolen wie „Freiheit für Tibet“ und „Rückkehr Seiner Heiligkeit des Dalai Lama“, dazu verteilte er selbst angefertigte Flugblätter. Danach zündete er sich an und starb in den Flammen.

Während die Mönche des Klosters seinen Leichnam bargen und in das Kloster transportieren wollten, erschienen Sicherheitskräfte und versuchten, den Mönchen den Leichnam gewaltsam zu entreissen, was aber misslang. Darauf umstellten Sicherheitskräfte des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB) und der Bewaffneten Volkspolizei (PAP) das Kloster, während etwa 10'000 Bewohner von Dawo zum Kloster strömten. Es gelang etwa 1‘000 Bewohnern, die Sicherheitskräfte beiseite zu stossen und in das Kloster zu gelangen, wo sie bis jetzt zum Schutz der Mönche ausharren. Ein Bewohner sei dabei schwer geprügelt und vorübergehend verhaftet worden. Auch der Leichnam von Tsewang Norbu befindet sich noch im Kloster.

Die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte die Selbstverbrennung, bezeichnete die Motive aber als „unklar“.

Seit die 270 Mönche von Nyitso gemeinsam mit einem benachbarten Nonnenkloster am 6. Juli trotz eines Verbotes den Geburtstag des Dalai Lama gefeiert hatten, wurden beide Klöster bereits durch PSB und PAP scharf überwacht. Besonders hatte die Mönche und Nonnen das Sperren von Wasser und Elektrizität für beide Klöster erzürnt.

Gespannte Lage um das Kloster Nyitso
Unmittelbar nach den Ereignissen wurden nach Augenzeugen mehrere tausend chinesische Soldaten in die Region entsandt, die Plätze und Strassenkreuzungen von Dawo besetzen sowie alle Zufahrtsstrassen blockieren. Auch das Kloster ist hermetisch abgeriegelt. Die Telefon- und Internet-Verbindungen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gesperrt. Die wenigen noch offenen Leitungen werden sehr wahrscheinlich systematisch abgehört.

Der örtliche Parteisekretär ordnete an, dass sämtliche Schulen, Restaurants und Cafes in der Region geschlossen bleiben und die religiösen Rituale für den Toten zu unterlassen sind. Auch forderte er die Herausgabe des Leichnams, was aber bis jetzt nicht geschah.

Es wird befürchtet, dass sich die Lage noch weiter zuspitzt, wenn den Mönchen und Bewohnern im abgeriegelten Kloster Wasser und Nahrung ausgehen.

Quellen: Der Spiegel; Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD

 

15. August 2011
Nepal verhaftet Repräsentanten des Dalai Lama bei Amtsantritt
Der neu ernannte Repräsentant des Dalai Lama in Nepal, Thiley Lama, wurde gleich nach seiner ersten Pressekonferenz in einem Hotel in Kathmandu festgenommen und gemeinsam mit seinem Sekretär zu einem Verhör abgeführt. Beide wurden erst nach mehreren Stunden wieder freigelassen.

Die Pressekonferenz beinhaltete keine politischen Stellungnahmen, sondern appellierte daran, den tibetischen Flüchtlingen in Nepal Hilfe zu gewähren.

Thiley Lama, der sagte, sein Amt sei „nicht gegen irgendeine Person, Gesellschaft oder Nation gerichtet“, hatte die Regierung Nepals gebeten, den Flüchtlingen in der neuen Verfassung einen einheitlichen Status zu gewähren und ihnen den Zugang zu Geschäftslizenzen und höherer Ausbildung zu erlauben. Auch bat er darum, den tibetischen Flüchtlingen wieder Identitätskarten auszustellen, so dass sie sich als anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht in Nepal ausweisen können. Die Ausstellung dieser Dokumente hatte die Regierung im Jahr 1998 auf Druck aus China gestoppt.

Der Druck auf die Exiltibeter in Nepal hat sich seit dem kürzlichen Amtsantritt des neuen chinesischen Botschafters, Yang Houlan, nochmals verschärft. Yang traf sich unmittelbar nach seiner Ankunft in Nepal mit dem Premierminister und den Führern aller grossen politischen Parteien, um sie zu mahnen, keine „anti-chinesischen Aktivitäten“ zuzulassen. Im letzten Monat war bereits die Feier zum Geburtstag des Dalai Lama mit einem massiven Polizeiaufgebot unterbunden worden [vergl. Tibet-Information vom 10. Juli 2011; UM].

Trotz Verbots: Dalai-Lama-Portrait in Osttibet inthronisiert
Überraschend haben die Behörden bei einem grossen Gebetsfest im Kloster Gonchen im osttibetischen Lithang die öffentliche Zurschaustellung und Inthronisierung eines Dalai-Lama-Portraits zugelassen. Zu diesem Fest hatten sich etwa 5000 Buddhisten aus über einhundert Klöstern von Osttibet versammelt.

Die chinesischen Behörden versuchten anfänglich, die Zahl der Teilnehmer auf eintausend zu beschränken, aber als es immer mehr wurden, sahen sie davon ab, Gegenmassnahmen zu ergreifen. Doch während des gesamten Festes blieben die Sicherheitskräfte in der Nähe in ihren Stellungen.

Die Organisatoren der religiösen Zusammenkunft hatten die dortigen Behörden im Voraus über ihre Pläne informiert, dass sie ein grosses Portrait des Dalai Lama inthronisieren wollten. Ausserdem hatten sie deutlich gemacht, dass sie keine Verantwortung übernehmen würden für etwaige Reaktionen der versammelten Menschen, falls die religiöse Prozession behindert würde. Die Mönche des veranstaltenden Klosters sorgten für den geregelten Ablauf der Zeremonie, für die Sicherheit, die Finanzierung, und achteten darauf, dass sich die Teilnehmer an die Gepflogenheiten der tibetischen Kultur und Sprache hielten. Diese wurden gebeten, nur auf Tibetisch zu reden und traditionelle tibetische Kleidung zu tragen. Auch Offizielle waren willkommen, vorausgesetzt, dass sie sich an diese Regeln hielten.

Es soll nicht zu Konfrontationen gekommen sein.

Quellen: Times of India; Radio Free Asia [gekürzte deutsche Übersetzung durch IGFM München]

 

10. Juli 2011
Nepal unterbindet Feiern zum Geburtstag des Dalai Lama
Nepalische Sicherheitskräfte haben mit einem massiven Einsatz die Feiern zum 76. Geburtstag des Dalai Lama am 6. Juli unterbunden. Sicherheitskräfte hatten eine tibetische Schule in Kathmandu abgeriegelt, wo die Feier auf einem Schulhof stattfinden sollte. Trotzdem gelang es etwa 400 Tibetern, den Schulhof zu erreichen, indem sie die Absperrungen über Felder umgingen, Mauern überkletterten oder von benachbarten Gebäuden sprangen. Sogar Achtzigjährige hätten sich auf diese Art zum Ort der Feiern durchgekämpft. Einer älteren Frau wurde laut Phayul ein Ohr abgerissen, als sie im Stacheldraht hängenblieb. Drei Tibeter seien verhaftet worden, als sie versuchten, durch die Polizeiabsperrung zu drängen, und zwei weitere Verhaftungen konnten noch durch anwesende UNO-Mitarbeiter verhindert werden.

In allen tibetischen Siedlungen in Kathmandu war am 6. Juli das Polizeiaufgebot ungewöhnlich hoch. Tibeter wurden auch in öffentlichen Transportmitteln kontrolliert, um sie von den Orten der Feierlichkeiten fernzuhalten.

Schon am 21. Juni waren mehrere Tibeter verhaftet worden, als sie in einem Kloster in Kathmandu den Geburtstag des aus Tibet in das indische Exil geflohenen 17. Gyalwa Karmapa feiern wollten. Sie wurden auf der örtlichen Polizeistation beschuldigt, gegen China zu agieren. Sogar ein Basketballturnier wurde unterbrochen, weil die Polizei dem tibetischen Team antichinesische Aktivitäten vorwarf. Das Turnier musste an einen anderen Ort ausweichen.

Tibetische Lastwagenfahrer um Aufträge betrogen
Beim Bau zur Erweiterung der Eisenbahnlinie von Lhasa nach Shigatse [vergl. Tibet-Information vom 27. September 2010; UM] wurden tibetischen Lastwagenfahrern zunächst Aufträge versprochen, diese dann jedoch an chinesische Unternehmen vergeben, meldet Tibet Post International. Die Tibeter hätten Darlehen aufgenommen, um etwa 60 Fahrzeuge zu finanzieren, die Schutt und Baumaterialien transportieren sollten. Mit der Zeit seien die Aufträge aber immer weniger geworden, bis die Fahrer ohne Arbeit, aber mit grossen Schulden dastanden. Im April hätte es gewaltsame Zusammenstösse zwischen den übervorteilten Tibetern und chinesischen Lastwagenfahrern gegeben.

Ähnliches habe sich im osttibetischen Lithang ereignet, wo tibetische Lastwagenfahrer beim Ausbau einer Fernstrasse beteiligt werden sollten, dann aber keine Arbeit bekamen.

Sowohl in Shigatse als auch in Lithang wurden Sicherheitskräfte eingesetzt, die die Proteste der Fahrer vor den Bezirksverwaltungen gewaltsam unterbanden. Dabei seien etliche Fahrer vor der Verhaftung schwer misshandelt worden.

Quellen: Phayul; Tibet Post International

 

7. Juli 2011
Geheimdokument fordert mehr Propaganda gegen „Chinas Feinde“
Die Berliner Zeitung nimmt einen Bericht über ein Geheimdokument der Kommunistischen Partei Chinas der dänischen Zeitschrift „Information“ auf, das die Parteikader zu mehr Propaganda gegen „feindliche Kräfte innerhalb und ausserhalb Chinas“ aufruft. Dieses Dokument wurde in mit Barcodes nummerierten Exemplaren an jeden der 7300 höchsten Parteikader persönlich zugestellt und als „geheim“ deklariert. Ein Mitarbeiter von „Information“ habe 60 Seiten dieses Dokument zugespielt bekommen, das von der hohen Nervosität zeugt, die in der chinesischen Parteispitze über das Bild von China im Ausland und in Internetforen herrscht.

Die angeblichen Feinde „...versuchen mit allen Mitteln, unsere Entwicklung zu behindern, unserem Image zu schaden und unsere Ideologie und Kultur zu infiltrieren. Sie wollen uns drängen, westliche Werte und das westliche politische System zu akzeptieren.“ Chinas Feinde würden „immer stärker, immer professioneller, immer brutaler, immer besser organisiert und technisch immer versierter“, warnt die Führung weiter und fordert den Kampf gegen negative Einflüsse auf allen Ebenen zu verstärken, „um die Machtbasis der Partei zu sichern“.

Besonders alarmiert scheint Chinas Führung über die Informationsfreiheit, die sich kaum noch kontrollieren lässt. „Alle illegalen und gefährlichen Informationen von chinesischen und ausländischen Webseiten müssen vollständig blockiert und gelöscht werden...Die Überwachungsmethoden müssen verbessert und alle illegalen Verbreitungsmöglichkeiten rechtzeitig erkannt werden.“ In einer landesweiten Kampagne sollen bis Ende des Jahres alle Verlage, Redaktionen, Druckereien und Internetbetreiber überprüft und ihre Mitarbeiter für heikle Inhalte sensibilisiert werden. Selbst in Online-Shops soll kontrolliert werden, ob zwischen den Angeboten illegale Texte oder Bilder versteckt sind. Zollbeamte müssen verstärkt nach verbotenen Büchern und Zeitschriften suchen.

Als „besonders gefährlich“ werden Informationen über Ämterbesetzungen und „Gerüchte über interne Kämpfe in der Partei“ eingestuft, ebenso „Ideen zu Reformen des politischen Systems“. Verboten sei es ausserdem, die „chinesische Revolutionsgeschichte falsch darzustellen, separatistisches Gedankengut zu verbreiten, Spannungen zwischen ethnischen Gruppen zu schüren, religiösen Extremismus zu betreiben, gesellschaftliche Konflikte anzustacheln oder zu Massenereignissen anzustiften“. Weiter heisst es speziell über Tibet und Xingjiang: „Wir müssen den Unterstützern der tibetischen Unabhängigkeit und der separatistischen Kräfte in Xinjiang den Wind aus den Segeln nehmen, [und] das Ansehen, das sie in der ... öffentlichen Meinung geniessen, schwächen“.

Für überführte Verbrecher gelte in allen Fällen die Devise: „Schnell anklagen, schnell verurteilen und schnell ausschalten, um mögliche Nachahmer abzuschrecken und die Zustimmung des Volkes zu gewinnen.“

Von allen Medien sollen politisch „korrekte“ Fakten über Chinas Geschichte und Gegenwart verbreitet werden, etwa in Form von Filmen, Fernsehgalas oder Ratespielen. Staatliche und private Einrichtungen sind angehalten, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen abzuhalten, das Singen von Parteiliedern zu fördern oder Wettbewerbe im Schreiben von patriotischen Aufsätzen zu veranstalten. Ein Themenvorschlag lautete etwa: „Wie werde ich ein moralischer Mensch“. Die ideologische Bildung soll auch in der Freizeit gefördert werden, etwa durch sogenannte Rote Reisen an die Orte der Revolution. „Das ist etwas, das den Menschen Freude bereitet“. Des Weiteren werden in dem Dokument die Provinzregierungen angewiesen, lokale „Zellen“ zu schaffen, um die öffentliche Meinung zum Vorteil der KP zu manipulieren, etwa durch Beteiligung an Diskussionen in Chatrooms und Blogs.

Quellen: Berliner Zeitung; Information [gekürzte und adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München]

 

28. Juni 2011
China schliesst Tibet für Ausländer
Erneut hat China die Grenzen von Tibet für ausländische Besucher geschlossen. Bis Ende Juli ist nicht-chinesischen Touristen der Eintritt verwehrt.

Reisebüros in Tibet erklärten, sie seien bereits am 1. Juni schriftlich über das Einreiseverbot informiert worden. In dem Schreiben sei zur Begründung auf den 60. Jahrestag der kommunistischen Herrschaft über Tibet verwiesen worden. Dieser war jedoch schon am 23. Mai, so dass das Einreiseverbot wohl eher mit dem 90. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei am 1. Juli zusammenhängt.

Die Unternehmen Tibet China Travel Service und Tibet China International Travel Service, beide mit Sitz in Lhasa in Tibet, erklärten, chinesische Reisende seien von dem Verbot nicht betroffen. "Wir mussten viele Stornierungen machen, aber wir kennen den Grund für das Verbot nicht", sagte ein Reiseagent in Beijing, "wir haben viel Geld verloren." Die Vermittler hoffen, dass die Beschränkung im August wieder aufgehoben wird, wenn einige wichtige tibetische Feste stattfinden.

Kloster Kirti weiter besetzt, neue Demonstrationen in der Region
Auch im Juni ereigneten sich laut TCHRD, RFA und tibet.net weitere, meist kleinere Protestaktionen in der Region um das nach wie vor besetzte Kloster Kirti. Kleine Gruppen von wenigen Personen oder auch einzelne Personen veranstalteten auf zentralen Plätzen kurze Demonstrationen, während derer sie Parolen riefen oder selbst verfasste Flugblätter verteilten. Alle wurden nach kurzer Zeit verhaftet. Insgesamt soll es zu 26 Verhaftungen gekommen sein, bis auf eine Tibeterin sämtlich Mönche und Nonnen von benachbarten Klöstern.

ICT berichtet, dass das Kloster Kirti weiterhin von Sicherheitskräften besetzt ist. Viele Mönche und Nonnen dürfen das Kloster nur mit Genehmigungen verlassen. Am 18. Juni drangen Sicherheitskräfte wieder in das Kloster ein und registrierten Telefonnummern der Mönche. Um das Kloster sind zahlreiche Militärzelte aufgebaut, und in die leerstehenden Unterkünfte der entweder verhafteten oder geflohenen Mönche sind Soldaten eingezogen.

Auf Journalistenfragen verneinte bei einer Pressekonferenz in Beijing der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, dass Mönche gewaltsam weggeschafft worden seien. Lediglich einige wenige Mönche seien zur „Fortbildung in Rechtskunde“ an einen anderen Ort gebracht worden.

Ein eindrucksvolles Video zeigt die Protestaktion von drei jungen Mönchen im Alter zwischen 19 und 22 Jahren am 8. Mai in der osttibetischen Stadt Nyagrong: http://tibetonline.tv/videos/664/peaceful-protest-by-three-young-tibetans-fr. Diese Mönche konnten auf einem Motorrad vor den Sicherheitskräften flüchten, während ein Mönch, der Fotos von der Protestaktion machte, festgenommen wurde, weil sein Motorrad den Dienst versagte.

Familiensitz des 13. Dalai Lama in Lhasa abgerissen
Das Haus von Thupten Gyatso, des 13. Dalai Lama und damit unmittelbarer Vorgänger des jetzigen Dalai Lama, wurde kürzlich trotz Appellen abgerissen. Das etwa 100 Jahre alte Gebäude, von den lokalen Behörden vor einiger Zeit noch als „schützenswert“ eingestuft, stand auf einem Militärareal am Südrand von Lhasa.

Angehörige der Langdun-Familie, aus der der 13. Dalai Lama (wegen seiner Verdienste auch „Grosser Dreizehnter“ gennant) stammt, hatten bei den Behörden vergeblich gegen den Abriss appelliert. Die Stadtverwaltung von Lhasa erklärte sich für machtlos, weil das Gebäude auf einem Militärareal stand. Eine Sprecherin des Militärs erklärte, sie wisse nichts von einem Abriss.

Quellen: Der Spiegel; Tibetan Centre for Human Rights and Democracy THCRD; Radio Free Asia RFA; tibet.net;International Campaign for Tibet ICT

 

13. Juni 2011
Kloster Drepung belagert, religiöses Fest verboten
Nach Angaben des TCHRD haben die chinesischen Behörden die während des für die Buddhisten bedeutsamen Monats Saka Dawa übliche Praxis des Nyung Ne (Fastens) verboten. Am Vollmondtag im Monat Saka Dawa gedenken Buddhisten der Geburt, der Erleuchtung und des Todes (Parinirvana) von Gautama Buddha. Die Feierlichkeiten erstrecken sich gewöhnlich über den gesamten vierten Monat des tibetischen Kalenders (Mai oder Juni).

Im Kloster Drepung, einem der grössten tibetischen Klöster nahe Lhasa, wird die Nyung Ne Praxis zwei Wochen lang vom ersten bis zum fünfzehnten Tag des vierten tibetischen Monats durchgeführt. Seit dem Volksaufstand von 2008 hat die Regierung diese jedoch verboten. Das Kloster Drepung wandte sich dieses Jahr wiederholt an die Behörden mit der Bitte, die Tradition fortsetzen zu dürfen, was schliesslich gestattet wurde.

Deshalb strömten die Gläubigen seit dem 30. Mai zu dem Kloster, wo man Vorbereitungen für das Fest und die Gebetszeremonien traf. Plötzlich tauchten jedoch Kader eines chinesischen Arbeitsteams und die im Kloster stationierte Polizei auf und befahlen den Mönchen, alle Vorbereitungen für Nyung Ne sofort einzustellen. Die Gläubigen, bei denen es sich zumeist um ältere Leute handelte, die unter grosser Anstrengung zu dem Fest gekommen waren, wurden angewiesen, sofort nach Hause zurückzukehren.

Aus Furcht, es könnte zu Protesten kommen, liess die Regierung paramilitärische Kräfte um das Kloster herum aufmarschieren, mit dem Zweck die Ortsansässigen, Mönche und Nonnen, die sich zu dem Fest versammelt hatten, einzuschüchtern.

Etwa 60 Offizielle, darunter auch drei hochrangige Parteikader, sind nun in dem Kloster anwesend, um dort eine sogenannte „Schulung in Recht“ vorzunehmen.

Zusätzlich ist seit 2008 eine kleinere Abteilung der PAP (People’s Armed Police), die angeblich das Gelände vor Feuerausbruch schützen soll, in dem Kloster stationiert, um die Aktivitäten der Mönche zu überwachen.

Experten des UN-Menschrechtsrates fordern Aufklärung über Kirti-Mönche
Experten des UN-Menschrechtsrates fordern von China die Aufklärung des Schicksals der rund 300 verschleppten tibetischen Mönche des Klosters Kirti. Seit ihrer Verhaftung durch Polizisten, Geheimagenten und Soldaten im April gebe es keine verlässlichen Informationen über ihren Verbleib, erklärten die Fachleute in einer Medienerklärung in Genf [vergl. dazu diverse Tibet-Informationen seit 21. März 2011;UM]. Die Expertengruppe untersucht im Auftrag des UN-Menschenrechtsrates Fälle von spurlos verschwundenen Menschen. Dem Gremium gehören fünf Fachleute aus Südafrika, Argentinien, Bosnien-Herzegowina, Libanon und Frankreich an.

Das Verschleppen von Menschen durch staatliche Stellen ist der Internatonalen Konvention gegen das Verschwindenlassen zufolge verboten. China gehört nicht zu den 88 Unterzeichnerstaaten.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD [gekürzte und adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München]; Domradio

 

21. Mai 2011
Weiter hartes Durchgreifen in der Präfektur Ngaba
In der Präfektur Ngaba, in der sich das Kloster Kirti befindet, gehen die Sicherheitskräfte weiter hart gegen jedes Anzeichen von Protest vor.

Bei einer Razzia in einer Oberschule von Ngaba verbrannten die staatlichen Einsatzkräfte tibetische Bücher. Alle von der Regierung nicht gebilligten Bücher wurden beschlagnahmt und dann verbrannt. Die Schüler bekamen einen Verweis, dass sie keine Bücher besitzen dürfen, die nicht den offiziellen Zulassungsstempel tragen. Den vielen Schülern, die aus Ngaba kommen, wurde gesagt, dass sie auf unbestimmte Zeit nicht nach Hause fahren dürften, nicht einmal in den Sommerferien.

Am 17. März waren die Schüler der Oberschule aus Sympathie mit dem Mönch Phuntsok, der sich selbst verbrannte, in Hungerstreik getreten. Ausserdem protestierten sie auf diese Weise gegen den überharten Einsatz der Sicherheitskräfte. Die Schüler wurden dann unter eine Art Hausarrest gestellt, ihre Mobiltelefone konfisziert und ihnen wurde der Zugang zum Internet unmöglich gemacht, so dass sie nicht mehr mit der Aussenwelt kommunizieren konnten.

Unterdessen blockierten die Behörden im Bezirk Ngaba grössere religiöse Versammlungen und nahmen Personen, die sie einer „separatistischen“ Haltung verdächtigen, fest. Am 29. April wurden Mönche und Nonnen in der Gegend von Kardze daran gehindert, den zweiten Jahrestag des Todes des allseits beliebten Lamas Geshe Sonam Phuntsok zu begehen. Nach dem Bericht eines Informanten hatte dieser zuvor eine fünfjährige Haftstrafe absolviert. Nachdem er die Strafe verbüsst hatte, verschlechterte sich sein Zustand infolge der erlittenen Misshandlungen, dass er schliesslich starb.

In der Stadt Chusar war eine Gebetszeremonie zu Ehren von Geshe Sonam Phuntsog geplant. „Die Mönche und Nonnen, die dorthin gehen wollten, wurden jedoch unterwegs angehalten. Es waren etwa 700 Mönche und Nonnen, viele davon konnten nicht teilnehmen“, sagte ein Augenzeuge.

Gespannte Lage auch im Kloster Kirti
Das Kloster Kirti steht weiterhin unter der strengen Kontrolle der chinesischen Sicherheitskräfte, die nun gelbe Uniformen tragen, was man bisher noch nie gesehen hat, während sich bewaffnete Polizisten in den um das Kloster herum parkierten Militärlastwagen verbergen. Sie achten darauf, nicht fotografiert oder gefilmt zu werden, damit kein Beweismaterial für die Anwesenheit von bewaffneten Truppen in dem Kloster entstehen soll. Nur noch ältere Personen im Alter von 50-60 Jahren dürfen einmal wöchentlich das Kloster besuchen, und das auch nur nach gründlicher Prüfung ihrer Erlaubnisscheine durch die Staatsbediensteten.

Unterdessen ist die Identität der beiden beim beim Sturm der Sicherheitskräfte auf das Kloster getöteten Tibeter bekannt [vergl. Tibet-Information vom 27. April 2011; UM]. Einer von ihnen, der 60jährige Dongko, war ein angesehener Dorfältester, der mit einer Chinesin verheiratet war. Obwohl die Tibeter vor dem Kloster nur eine friedliche Menschenkette bildeten, wurde er mit anderen Tibetern brutal geschlagen. Später verlor er das Bewußtsein und wurde nach Hause gebracht, wo er am frühen Morgen des 22. April starb. Dongko genoß großes Ansehen in seiner Nomadengemeinschaft, er wurde zu deren Schatzmeister erwählt. Diese stand den dort lebenden Familien mit Rat und finanzieller Hilfe zur Seite. Die Behörden und paramilitärischen Sicherheitskräfte vor dem Kloster gestatteten es den Angehörigen nicht, die Todesriten in Kirti abzuhalten.

Über den Tod der 65jährigen Sherkyi gibt es infolge der allgemeinen Restriktionen keine Informationen. Auch sie soll an den Folgen der Schläge gestorben sein. In einer offiziellen Verlautbarung bezeichneten die staatlichen Medien die Berichte der internationalen Medien über den Tod der zwei Tibeter als Fiktion. Dort ist statt dessen vom Tod einer 86jährigen Viehhirtin die Rede, die an einer Lungenkrankheit zu Hause gestorben sei.

Quellen: Tibetan Post International; Phayul [gekürzte und adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München]

 

10. Mai 2011
Zwei Mönche des Klosters Kirti zu Haftstrafen verurteilt, Kloster weiter belagert
Nach den Protestenund der nachfolgenden Erstürmung des Klosters Kirti durch Sicherheitskräfte mit zwei Todesopfern [vergl. Tibet-Information vom 27. April;UM] sind zwei Mönche wegen ihrer Beteiligung an den Protestaktionen zu je 3 Jahren Haft verurteilt worden. Einer der beiden Mönche, der 31jährige Lobsang Dhargye, hatte bereits nach den Unruhen im Jahr 2008 fünf Monate in Haft verbracht und wurde jetzt bei einer Razzia im Kloster wieder verhaftet. Der andere Mönch, der 33jährige Kunchok Tsultrim, war bereits am Tag der Selbstverbrennung verhaftet worden.

Neuerdings tragen die im Kloster patrouillierenden Polizisten und bewaffneten Sicherheitskräfte keine Uniformen mehr, sondern unauffällige Kleidung. Sie durchkämmen das Gelände um das Kloster oder bleiben einfach in ihren vor dem Kloster parkierten Fahrzeugen sitzen. So vermeiden sie es, fotografiert zu werden, damit keine Beweise für die Anwesenheit bewaffneter Kräfte in dem Kloster mehr entstehen. In und um das Kloster herum haben sie Fernsehkameras installiert.

Polizei und Soldaten haben im östlichen Trakt des Klosters einen Wohntrakt für ältere Mönche und Lehrer besetzt, den ein Mönch aus privaten Mitteln bauen liess.

Chinesische Rechtfertigungsversuche zu den Vorfällen in Kirti
Offenbar unter dem Eindruck internationaler Proteste gegen das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte im Kloster Kirti, gaben die staatlichen chinesischen Medien nach langem Schweigen zu, dass es zu erheblichen Unruhen kam. Am 19. April hatte das chinesische Aussenministerium noch mitgeteilt, die Lage in dem Kloster sei völlig normal. Nun liess man verlauten, dass die Mönche einer „Kampagne in Moralerziehung“ unterzogen würden, da sie es darauf abgesehen hätten, den Ruf des Klosters Kirti und seiner Mönche zu schädigen.

Ausgehend von einer Mitteilung in der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua zitierte AFP am 22. April die Regierung der Präfektur Ngaba, dass die Mönche wegen „gewisser Probleme“ und „illegaler Aktivitäten“ im Kloster einer „Rechtserziehung“ zu unterzogen würden. In einem von der Lokalverwaltung herausgegebenen Rundschreiben wird präzisiert, dass „einige Mönche in dem Kloster Prostituierte aufgesucht, sich betrunken, Streit vom Zaum gebrochen und um Geld gespielt haben. Einige brachten sogar pornographische Videos in Umlauf“.

Die Bezirksverwaltung beschuldigte weiterhin „eine kleine Gruppe“ von Mönchen, schon seit 2008 „die soziale Ordnung gestört“ zu haben, indem sie zu Unruhen aufgestachelt hätten.

Die Selbstverbrennung des jungen Mönches Phuntsog sei vorsätzlich geplant worden sei, um Unruhe in der Gegend zu stiften. Xinhua schien sogar den anderen Mönchen, die den Schwerstverbrannten vor den Schlägen der Sicherheitskräfte zu schützen versuchten und ihn abtransportiereten, ein absichtliches Tötungsdelikt zu unterstellen, weil sie damit medizinische Behandlung verhindert hätten. Die Hast, mit der die staatlichen Medien ihre Version der Dinge darlegten, zeigt sich auch an Fehlern und Widersprüchen. Anfänglich wurde Phuntsoks Alter mit 20 Jahren angegeben, aber in der Xinhua-Meldung war er plötzlich nur 16 Jahre alt.

Quellen: Tibetan Center for Human Rights and Democracy TCHRD; tibet.net [gekürzte und adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München]

 

27. April 2011
Zwei Tote nach Erstürmung des Klosters Kirti
Nach der Selbstverbrennung eines Mönches und der nachfolgenden Belagerung des Klosters durch Sicherheitskräfte [vergl. Tibet-Information vom 21. und 30. März 2011, sowie vom11. und 13. April;UM] soll es laut ICT zwei Tote gegeben haben. Dieses teilten Informanten dem im indischen Exil gelegenen Schwesterkloster mit.

Ein 60-jähriger Mann und eine 65-jährige Frau, die zu den Tibetern gehörten, die das Kloster gegen die Erstürmung durch Sicherheitskräfte schützen wollten, seien zu Tode geprügelt worden. Nach wochenlanger Belagerung des Klosters und teilweise drakonischen Massnahmen zur „patriotischen Umerziehung“ seien mehr als 300 Mönche auf Armeelastwagen gezwungen und an einen unbekannten Ort verschleppt worden. Als Dorfbewohner versuchten, den Einsatz gegen die Mönche zu verhindern, seien der Mann und die Frau getötet worden. Mehrere andere Tibeter hätten beim Sturm auf das Kloster Knochenbrüche davon getragen.

China: „Harmonische Beziehung“ zwischen Kloster und Sicherheitskräften
Während China Berichte über Spannungen im Kloster Kirti dementiert und behauptet, die Lage sei zur Normalität zurückgekehrt und es herrsche eine „harmonische“ Beziehung zwischen den Mönchen und der Polizei, beweisen die Bilder [http://www.freetibet.org/newsmedia/tension-ngaba-county-escalates], die die Londoner „Free Tibet Campaign“ erhielt, genau das Gegenteil. Man sieht darauf mit Holzkeulen bewaffnete Polizisten in Zivil, den massiven Einsatz der paramilitärischen Truppen auf den Strassen der Stadt Ngaba und von Soldaten bemannte Checkpoints an den Zugangsstrassen. Ein heimlich aufgenommenes Video [http://www.voanews.com/wm/voa/eap/tibe/TIBETAN_KUNLENG-WED.asx] dokumentiert die Militärpräsenz in Ngaba. Um die Lage als normal und „harmonisch“ erscheinen zu lassen, hätten die Behörden die Schreine mit den Gebetstrommeln der Klosteranlage, die üblicherweise von den tibetischen Bewohnern in Drehung versetzt werden, aber nun verschlossenen waren, kurzzeitig geöffnet. „Da aber niemand kam, um die Gebetstrommeln zu drehen und die Schreine zu umschreiten, köderten die Beamten Passanten, die sie für Geld die Gebetstrommeln in Bewegung setzen liessen. Dann machten sie Aufnahmen von der Szene,“ teilte ein Informant mit.

Misshandlungen und Folter
Mindestens 800 Regierungsbeamte hätten „Umerziehungssitzungen“ für die 2500 Mönche des Klosters durchgeführt. Jeder einzelne Mönch hätte sich vor der versammelten Beamtenschaft erheben und deren Fragen beantworten müssen. Die Kader warnten die Mönche davor, Aussenstehenden über diese Massnahmen zu berichten.

Chinesische „Arbeitsteams“ in Begleitung von je etwa 10 bewaffneten Polizisten patrouillierten durch die Wohnbereiche der Mönche, stellten ihnen wahllos Fragen und misshandelten sie. Augenzeugen sahen, wie chinesische Beamte heimlich Abhöranlagen in den Zimmern der Mönche anbrachten. Die Gesundheitsstation in dem Kloster, die den Mönchen bisher eine rudimentäre medizinische Versorgung garantierte, wurde ebenfalls geschlossen. Ein Schlafsaal mit sieben Mönchen sei drei Tage lang ohne Nahrungsmittel gewesen, bis andere Mönche ihnen ein wenig zu essen brachten.

Mönche, die bereits während der Belagerung verhaftet wurden, seien nach tagelangen Misshandlungen in schlechtem körperlichen Zustand in das Kloster zurückgekehrt. Man hätte sie extremer Hitze ausgesetzt, an Masten gefesselt und dann mit elektrischen Schlagstöcken traktiert.

Quellen: Radio Free Asia [gekürzte und adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München]; International Campaign for Tibet ICT

 

13. April 2011
Kampfhunde gegen Tibeter im Kloster Kirti
Seit der Selbstverbrennung des Mönches Phuntsok am 16. März 2011 und den nachfolgenden Protesten [vergl. Tibet-Informationen vom 21. und 30. März sowie 11. April 2011; UM] haben chinesische Sicherheitskräfte das Kloster abgeriegelt, und ein zusätzliches Kontingent von schätzungsweise 800 Soldaten ist seit dem 9. April zur Verstärkung im Einsatz. Von den 2500 Mönchen darf niemand das Kloster verlassen. Schlupflöcher in dem Stacheldrahtzaun an der Nordseite des Komplexes wurden mit Betonmauern geschlossen. Über 33 Personen wurden festgenommen, von denen 22 immer noch in Haft sind. Wachposten mit Ferngläsern ein beobachten die Aktivitäten der Mönche rund um die Uhr. Infolge der Blockade mangelt es den Mönchen an Nahrungsmitteln, und sie hängen von den Spenden einiger Anwohner ab, welche diese bei der staatlichen Klosterverwaltung abgeben müssen und nicht den Mönchen direkt überreichen dürfen.

Zu einer Eskalation soll es am 12. April gekommen sein, als Polizeifahrzeuge vor dem Kloster auffuhren, um die Ankündigung der Behörden in die Tat umzusetzen, die Mönche an einen anderen Ort zu bringen. Dort sollten sie einer „Schulung in Recht und Gesetz“ und der „patriotischen Umerziehung“ unterzogen zu werden. Anwohner seien zum Kloster geströmt, um den Abtransport zu verhindern. Die Militärpolizisten schlugen daraufhin auf einige der Tibeter ein und liessen Polizeikampfhunde auf die Menge los. Doch wegen der vielen im Kloster anwesenden Demonstranten konnten sie nicht eindringen.

Tibeter im Erdbebengebiet von Yushu protestieren gegen Enteignungen
In der vor einem Jahr von einem Erbeben verwüsteten Präfektur Yushu [vergl. Tibet-Informationen vom 24. Juni und 11. August 2010; UM] protestierten vergangene Woche Tibeter gegen die Beschlagnahmung ihrer Grundstücke zum Zwecke der Neugestaltung der Stadt. Chinesische Sicherheitskräfte setzten der Aktion ein gewaltsames Ende, wie aus dortigen Quellen verlautet.

Wie ein Bewohner, der anonym bleiben möchte, RFA mitteilte, organisierten am 2. April 2011 etwa 300 Tibeter einen Sitzstreik an einer der Hauptkreuzungen der Stadt, um dagegen zu protestieren, dass die Regierung ihnen ihre Grundstücke weggenommen hat. Der Informant sagte:„Viele der Teilnehmer an dem Sitzstreik klagten, dass ihre Grundstücke, obwohl sie deren rechtmässige Eigentümer sind, von Beamten der städtischen Ämter verkauft oder von der Regierung aus nicht zu rechtfertigenden Gründen beschlagnahmt worden seien. Einige Felder sind für den Strassenbau enteignet worden...Den Grundbesitzern wurde eine Abfindung zugesichert, aber bisher wurden sie nicht angemessen entschädigt.“

Die Behörden forderten die Demonstranten auf, sich zu entfernen, weil der chinesische Premierminister Wen Jiabao demnächst die Gegend besuchen würde, berichtete ein anderer Einwohner. „Als die Protestaktion auch am 3. April weiterging, erschienen um die 500 bewaffnete Polizisten und griffen die an dem Sitzstreik Beteiligten an. Sie wurden geschlagen, und viele trugen Verletzungen davon. Mehrere wurden auch abgeführt und festgenommen.“ „Später ging ich noch einmal zu der Stelle, wo sie auf uns eingeschlagen hatten und sah überall Blutspuren“, sagte ein Teilnehmer an der Demonstration. Etwa 40 Tibeter seien festgenommen wurden, von denen zwei Tage später etwa ein Dutzend wieder freigelassen wurde.

Schon vor einem Jahr monierten die Betroffenen, dass ihnen nur wertlose Grundstücke oder Liegenschaften ausserhalb der Stadt zugestanden wurden, während die Behörden versuchten, ihre bisherigen Grundstücke in der Stadt zum Bau von attraktiven Geschäfts- und Tourismus-Liegenschaften zu verwenden. Nicht selten seien Grundstücke einfach unter dem Vorwand, die Besitzer könnten nicht ermittelt werden, verkauft worden.

Quellen: Tibetan Center for Human Rights and Democracy (TCHRD); Radio Free Asia RFA [adaptierte deutsche Übersetzung von IGFM München]

 

11. April 2011
Anhaltende Proteste und Verhaftungen in Kirti
Nach der Selbstverbrennung eines Mönches im Kloster Kirti in der Präfektur Ngapa [vergl. Tibet-Informationen vom 21. und 30. März 2011; UM] ist die Situation noch immer angespannt.

Am 21. März wurden drei Personen, darunter der jüngere Bruder des Mönches, unter der Beschuldigung festgenommen, an seiner Tat beteiligt gewesen zu sein. Jede Nacht würden bewaffnete Polizisten mit Spürhunden durch das Kloster Kirti patrouillieren.

Informanten teilten Radio Free Asia mit, dass die Behörden den Einwohner in den Dörfern befahlen, sich zum "Sicherheitsdienst" im Kloster zu melden. Jeder, der es versäume, anzutreten, würde wegen Pflichtverweigerung mit einer Geldstrafe belegt.

Am 23. März veranstalteten etwa 100 Tibeter einen Protestmarsch und riefen Parolen wie "Unabhängigkeit für Tibet" oder "Ladet den Dalai Lama nach Tibet". Der Marsch wurde durch Sicherheitskräfte beendet, wobei es zu Festnahmen kam. Jetzt patrouillieren ständig Einheiten der Bewaffneten Polizei (Peoples' Armed Police) durch den Ort und suchen nach weiteren Demonstranten.

Schüler der Höheren Schule der Präfektur Ngaba seien in den Hungerstreik getreten. Darauf hätten Sicherheitskräfte die Schule abgeriegelt und Mobiltelefone der Schüler und Lehrer konfisziert. Es ist nicht bekannt, ob der Hungerstreik fortgesetzt wird.

Zwei Mönche nach Protestaktion im Jahre 2008 an Misshandlungen gestorben
Am 26. Februar und 3. April starben zwei Mönche des Klosters Labrang, die dort im April 2008 vor einer ausländischen Touristengruppe protestierten [vergl. Tibet-Information vom 15. Mai 2008; UM].

Der 32 Jahre alte Mönch Sangye Gyatso (Bild rechts) war Anführer mehrerer Protestaktionen im Kloster Labrang im Nordosten Tibets, heute zur Provinz Gansu gehörig. Am 9. April 2008 protestierte er mit einer Gruppe von Mönchen, als sich ausländische Journalisten in Labrang aufhielten, denen die Behörden "Ruhe und Ordnung" nach den März-Protesten vorführen wollten. Ein Video dieser Aktion ist auf Youtoube zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=_j3dm7phbZs. Sangye Gyatso entging seiner Festnahme, obwohl er überall steckbrieflich gesucht wurde. Er hielt sich über ein Jahr in den Bergen versteckt und wurde schwer krank. Wegen der Fahndung konnten ihn seine Verwandten nicht in ein staatliches Krankenhaus bringen. Als sie ihn in ein tibetisches Krankenhaus brachten, wurde dort eine unheilbare Leberkrankheit diagnostiziert, der er am 26. Februar erlag.

image001Der 37-jährige Jinpa, der wegen seiner guten Englischkenntnisse als Fremdenführer eingesetzt war und die Journalistengruppe in Labrang führte, schloss sich während der Protestaktion den Demonstranten an. Er wurde nach seiner Festnahme 10 Tage ununterbrochen gefoltert und einen Monat später in die Obhut seiner Angehörigen entlassen. Sie schilderten seinen Zustand so: "[Er konnte] weder gehen noch stehen, er hatte kein Gefühl mehr in den Beinen. Er konnte seine Angehörigen nicht mehr erkennen, denn er hatte das Augenlicht verloren, er wusste auch nicht mehr, was mit ihm passiert war." Nach jahrelanger Pflege durch seine betagten Eltern starb er am 3. April.

Quellen: Radio Free Asia

 

30. März 2011
Schwere Restriktionen im Kloster Kirti nach Selbstverbrennung
Nach der Selbstverbrennung eines Mönches [vergl. Tibet-Information vom 21. März 2011;UM] wurden den Mönchen im Kloster Kirti schwere Restriktionen auferlegt. Sie werden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, müssen an den Schulungen zur politischen Umerziehung teilnehmen und dürfen keine öffentlichen Feiern abhalten. Diese Verbote wurden auch im Hinblick auf die Wahlen der tibetischen Exilregierung am 20. März erlassen.

Am 19. März traf eine grosse Zahl von chinesischen Militärpolizisten in der Region Ngaba ein. Die Klosterverwaltung musste sicherstellen, dass keine Knallkörper gezündet werden, kein Räucherwerk verbrannt und keine Gebetszettel in die Luft geworfen werden, was damit den traditionellen tibetischen Brauch bei feierlichen Anlässen – hier möglicherweise anlässlich der Wahlen im tibetischen Exil am 20. März - unterbindet. Am Wahltag selbst hätten Mönche das Kirti-Kloster nicht ohne Genehmigung verlassen dürfen.

Am folgenden Tag seien von Regierungskadern die Schulungen zur politischen Umerziehung unter dem Motto "patriotische Religion" aufgenommen worden.

Zu der ersten Umerziehungsveranstaltung sei laut Augenzeugen kein einziger Mönch erschienen, schliesslich fand sich nach intensivem Drängen eine kleine Gruppe ein. Ein Regierungskader hätte der Klosterleitung und den Mönchen schwere Vorwürfe gemacht. Sie hätten sich nicht an die Gesetze gehalten, die regionale Sicherheit, die soziale Stabilität und die Einheit der Nationalitäten gefährdet.

Er sagte auch, es gäbe eine gewisse Gruppe von Mönchen im Kloster, die sich der Selbstverbrennung verschrieben hätten, weshalb die Regierung zusammen mit der Klosterleitung diese Gruppe ausmerzen müsste. Am folgenden Tag hätten die Mönche in ihren Zimmern bleiben müssen. Regierungsbeamte seien in jedes einzelne Zimmer gegangen und hätten Namen, Alter und Anzahl der Bewohner registriert. Die Umerziehungsschulung finde ab jetzt in zwei täglichen Sitzungen statt.

Webseite über tibetische Kultur gesperrt
Eine sehr bekannte Webseite über tibetische Kultur ist in China gesperrt worden, obwohl die Betreiber immer versucht haben, die Zensoren nicht herauszufordern. TibetCul, eine Abkürzung von Tibetan Cultural Net, wurde von einer Gemeinschaft von etwa 80.000 Tibetern und Chinesen besucht, die an tibetischer Kultur interessiert sind. Zwei Brüder, Wangchuk Tseten und Tesewang Norbu, gründeten sie im Jahr 2003 in Lanzhou, der Hauptstadt der Provinz Gansu, in Nord-West China. Am 16. März schrieben die Betreiber auf ihrem „Sina microblog“, dass sie plötzlich keinen Zugang mehr zu ihrer Webseite hätten. Später teilte ihnen ihr Service Provider mit, dass „höhere Behörden“ die Sperrung angeordnet hätten, aber dass die „spezifischen Gründe“ dafür „vertraulich“ seien.

Die Herausgeber waren sich der potentiell sensiblen Natur ihrer unabhängigen Unternehmung bewusst, obwohl sie politische Debatten untersagten und sich nicht zu sehr profilierten. TibetCul verbreitete Nachrichten, setzte Blogs ins Internet und zeigte Ausschnitte aus der tibetischen Musik, Literatur, Filmen, Reisen und hatte Kontakt zu Tibetern aus Übersee, zu denen auch sehr bekannte gehörten. Rockgruppen, Dichter, Künstler und Filmregisseure unterhielten Blogs auf der Webseite. Eine elektronische Tafel für Tagesberichte brachte die Debatten des Tages – wobei man niemals der Kommunistischen Partei auf die Füsse trat. Ein chinesischer Dissident, im Umgehen von Chinas Zensur, erklärte kürzlich in einem Interview, dass Forderungen, Webseiten zu schliessen, immer dann schnellstens erfüllt werden, wenn hochrangige Beamte involviert sind. Webseiten, die so ins Zielfeld geraten, „sterben sofort“, sagte er.

Quellen: Radio Free Asia [adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München]; Epoch Times Deutschland

 

21. März 2011
Proteste nach Selbstverbrennung eines Mönches
Ein 21-jähriger Mönch aus dem Kloster Kirti in der Autonomen Präfektur Ngapa im Osten Tibets – heute der chinesischen Provinz Sichuan zugehörig - hat sich aus Protest selbst verbrannt. Seine Tat erfolgte am dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung von Protesten im gleichen Kloster, wo damals 10 Mönche erschossen wurden.

Nach Berichten von Augenzeugen zündete er sich auf dem Hauptmarktplatz der Stadt Ngapa in der Nähe des Klosters selbst an, wobei er Parolen gegen die chinesische Regierung rief. Tibeter versuchten, die Flammen zu löschen, doch die Sicherheitspolizei stiess sie weg. Aus einer Quelle in Tibet verlautet, die Polizisten hätten den Mönch mit Keulen geschlagen und Ziegelsteine auf ihn geworfen, während sie das Feuer löschten.

Einigen Tibetern gelang es, den Mönch aus den Händen der Polizei zu entwenden und ihn ins Kloster zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt hofften sie noch, dass er überleben würde. Später mussten sie ihn jedoch in ein Krankenhaus bringen, wo er am nächsten Morgen starb.

Nach dem Vorfall marschierten mehr als eintausend Tibeter, Mönche und Laien, Parolen rufend in Richtung Marktplatz. Sie kamen etwa eine halbe Meile weit. Dann wurden sie von den chinesischen Sicherheitskräften angegriffen, die mit Schlagstöcken, Messern und Elektroschockgeräten auf sie losgingen. Viele der Protestierenden wurden schwer verletzt, einige erlitten Stichwunden und eine unbekannte Anzahl wurde festgenommen.

Die Sicherheitskräfte haben daraufhin die Strassen um den Hauptmarktplatz in Ngaba abgeriegelt, und angeordnet, dass alle Bewohner in ihren Häusern bleiben müssen. Jetzt sei das Kloster von Sicherheitskräften umstellt und die Telefonleitungen unterbrochen.

Ein ähnlicher Fall hatte sich im gleichen Kloster bereits vor 2 Jahren ereignet [vergl. Tibet-Information vom 8. März 2009; UM]. Ein etwa 20-jähriger Mönch hatte sich, eine selbstgefertigte tibetische Fahne in der Hand haltend, im Stadtzentrum mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt. Er sei sofort von mehreren bewaffneten Polizisten umgeben worden. Augenzeugen berichteten von drei einzelnen Schüsse, worauf der Mönch zu Boden stürzte. Die Polizisten erstickten die Flammen, luden den Mönch in ein Fahrzeug und fuhren ihn an einen unbekannten Ort. Er habe seine Verletzungen überlebt, aber über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Quellen: AFP; Radio Free Asia [adaptierte Übersetzung durch IGFM München]

 

15. März 2011
China sperrt Tibet für Ausländer: „Schlechtes Wetter“
Unmittelbar vor dem Jahrestag des Volksaufstands in Tibet am 10. März 1959 und den Unruhen im Jahr 2008 haben die Sicherheitsbehörden Reisen von Touristen in die Region untersagt. Das Verbot sei wegen „schlechter Wetterbedingungen, begrenzter Unterkunftskapazitäten und aus Sicherheitsbedenken“ ergangen. Das teilte Zhang Qingli, der kommunistische Parteisekretär der „Autonomen Region Tibet“ (TAR) und damit der höchste Regierungsbeamte in Tibet, mit. Warum angesichts des schlechten Wetters eine Überbuchung der Unterkünfte droht, und worin die „Sicherheitsbedenken“ bestehen, wurde nicht erläutert.

Zhang fügte hinzu, die Situation in Tibet sei seit dem März 2008 ziemlich stabil geblieben. „Nicht dass die anti-chinesischen Kräfte und die Dalai Clique es etwa nicht gewollt hätten, aber Tatsache ist, dass sie seit dem 14. März 2008 einfach keine Unruhen mehr anzetteln konnten“.

Wie Reuter berichtet, sagte die Vertreterin von Beijing Youth Travel Service, Li Jianyue, die Anordnung zur Sperrung Tibets für ausländische Touristen sei mündlich ergangen, wie dies oft der Fall sei bei offiziellen Direktiven, welche die Regierung nicht rechtfertigen oder begründen will. „Vor einigen Tagen wiesen sie uns an, diesen Monat keine ausländischen Reisegruppen zu organisieren“, wird Li von Reuters zitiert.

Der Manager Liu Qiang von der Kangqu International Travel Agency in Lhasa sagte, seine Firma sei bereits im Januar über diese Massnahme in Kenntnis gesetzt worden.

Eine von Reuters am Montag in Lhasa kontaktierte Hotelangestellte sagte, seit Anfang dieses Monats dürften keine Ausländer mehr kommen. Aber die Einbussen seien nur gering, weil der März infolge des kalten Winterwetters ohnehin keine Hochsaison für Touristen sei.

Eine Empfangsdame im Jardin Secret Hotel in Lhasa meinte jedoch, das Verbot könnte bis zu drei Monaten währen. „Dies ist nun zu einer jährlichen Praxis um den 14. März herum geworden“, sagte die Frau, die nur ihren Familiennahmen Dong zu nennen bereit war.

Bisher liegen keine Informationen über Ereignisse in Tibet vom 10. März vor.

China: Dalai Lama muss „historische und religiöse Tradition befolgen“
Ausgerechnet die kommunistische Regierung ermahnt den Dalai Lama, die „religiöse Tradition“ zu beachten. Hintergrund ist die mehrfach vom Dalai Lama gemachte Ankündigung, dass die Frage nach seiner Wiedergeburt nach seinem Ableben zur Diskussion steht. Der Dalai Lama sagte, dass es nur dann eine Inkarnation geben werde, wenn dieses die Tibeter mehrheitlich wünschten. Alternativ könne ein Dalai Lama auch durch demokratische Wahlen anstatt durch die traditionellen religiösen Prozesse bestimmt werden. Im Falle einer Reinkarnation werde der nächste Dalai Lama ausserhalb des chinesischen Herrschaftsgebietes geboren werden.

Dem widersprach nun vehement der von China ernannte Gouverneur der „Autonomen Region Tibet“, Padma Choling. Dieser bestritt, dass der Dalai Lama das Recht habe, „mit der religiösen Tradition zu brechen“. Weiter sagte er: „Wir müssen die historischen Institutionen und religiösen Rituale des tibetischen Buddhismus respektieren.“ Ausserdem müsse die chinesische Regierung sämtliche Wiedergeburten anerkennen.

Hintergrund des Streits ist die Befürchtung, dass China nach dem Ableben des jetzigen Dalai Lama einen ihnen genehmen und gefügigen Nachfolger implementiert, wie dieses schon mit dem Panchen Lama geschehen ist.

Quellen: Die Zeit; Der Spiegel; Phayul [gekürzte und adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München; UM];Reuters

 

31. Januar 2011
Erbebenregion wird wiederaufgebaut- mit chinesischem Gesicht
Die vom Erdbeben im letzten April zerstörte Stadt Jyekundo [auch Kyegu oder Kyegudo genannt; UM] in der Region Yushu wird neu aufgebaut und soll zu einer Touristendestination werden – mit neuem Namen. Der Name Jyekundo wird ersetzt durch den chinesischen Namen Sanjiangyuan [„Ursprung der drei Flüsse“; UM], und das, obwohl die Region als „Tibetische Autonome Region“ anerkannt ist und die Population zu über 90% aus Tibetern besteht.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zitierte den Präfekten von Yushu: „Wir sind bemüht, Kyegu zu einem Wirtschafts- und Logistikzentrum und zu einer Touristendestination zu machen, die ethnisch tibetische Kultur und Umweltschutz präsentiert.“

Die tibetischen Einwohner hatten im letzten Jahr heftig gegen ihre Umsiedlung aus den zerstörten Gebäuden in die Peripherie und unzureichende Entschädigungen protestiert [vergl. Tibet-Information vom 24. Juni 2010; UM]. Ihre Wohnhäuser entlang der attraktiven Hauptstrasse sollten abgerissen und durch Geschäftsbauten und Touristenhotels ersetzt werden, während sie in ärmliche Neubauten in der Peripherie umgesiedelt wurden. Lokale Behörden hatten auf Proteste stereotyp geantwortet, dass die Planung von Beijing aus erfolge und man lokal nichts zu sagen habe.

Die Tibeter werden auch von chinesischen Migranten verdrängt, die bei den Bauarbeiten bevorzugt eingestellt werden oder nach dem Neuaufbau Läden im Zentrum eröffnen dürfen. Private Baufirmen hätten bei der Auftragsvergabe nicht selten mit Bestechung „nachgeholfen“.

Tibetische Flüchtlinge als „Köder“ für US-Hilfe an Nepal
Ein neues Dokument, das von WikiLeaks publiziert wurde, zeigt, wie tibetische Flüchtlinge in Nepal als „Köder“ benutzt werden sollten, um mehr Hilfe aus den USA zu erhalten.

Nachdem der damalige König Gyanendra im Jahre 2005 in Nepal die absolute Macht an sich gerissen hatte und die Vertretung des Dalai Lama in Kathmandu schliessen liess, kam es zu einem Treffen zwischen dem neu ernannten Aussenminister von Nepal, Ramesh Nath Pandey, und dem damaligen US-Botschafter in Kathmandu, James Moriarty. Laut den von WikiLeaks publizierten Aufzeichnungen erklärte Moriarty, dass die US-Regierung und der Kongress über die Lage der tibetischen Flüchtlinge in Nepal sehr besorgt seien und drängte Nepals neue Regierung, den Flüchtlingen einen einfachen Transit vom Flüchtlingslager in Kathmandu in das indische Exil zu ermöglichen. [Immer mehr tibetische Flüchtlinge, die in Nepal aufgegriffen werden, schickt das Militär entgegen dem „Gentlemen’s Agreement“, ihnen via Flüchtlingszentrum den Transit nach Indien zu erlauben, nach Tibet zurück, wo die Flüchtlinge inhaftiert und schwer misshandelt werden. Offenbar übt China erheblichen Druck auf Nepal aus und bezahlt möglicherweise sogar „Kopfgeld“ für überstellte Flüchtlinge – vergl. Tibet-Information vom 7. und 21. Dezember 2010; UM]. Auch drängte der US-Botschafter, die Tibetan Welfare Society, eine NGO, die als Ersatz für die geschlossene Vertretung des Dalai Lama fungieren sollte, offiziell zu registrieren.

Pandey entgegnete, dass der König ein gutes Verhältnis zu den USA anstrebe, mehr noch als zu Indien und China. Die USA müssten aber ihre Haltung gegenüber Nepal ändern. Der König erwarte positives „Engagement“, und nicht Druck aus den USA. Angesichts der Hilfsleistungen seitens Chinas an Nepal könne man sich nicht mit den US-Bedenken befassen, wenn die USA nicht ihre Haltung änderten.

Die USA hatten Nepal schon vor dieser Begegnung angeboten, ein Kontingent an tibetischen Flüchtlingen aufzunehmen, doch Nepal lehnte dieses aufgrund chinesischer Bedenken ab. Mehr noch, eine anonyme Quelle aus dem Königspalast behauptete sogar, China habe Nepal dazu gedrängt, die Armee gegen tibetische Flüchtlinge einzusetzen.

Quellen: Economic Times; International Campaign for Tibet (ICT)

 

10. Januar 2011
Abbau von Bodenschätzen zum Schaden Tibets
Ein in Vancouver erschienener Bericht schildert die Bedrohung Tibets durch die drastisch gesteigerte Ausbeutung von Bodenschätzen; die wichtigsten Erkenntnisse sind im folgenden zusammengefasst.

Im März 2010 publizierte die chinesische Regierung Pläne, insgesamt 3000 Lagerstätten von Erzen und Mineralien mit einem geschätzten Gesamtwert von umgerechnet US-$ 125 Mrd. auszubeuten [vergl. Tibet-Information vom 7. Dezember 2010;UM]. Dadurch soll sich bis ins Jahr 2020 der Anteil des Bergbaus von gegenwärtig 3% auf 30% des tibetischen Bruttoinlandsproduktes erhöhen. Im Jahre 2006 wurden nur 1% der bekannten Lagerstätten ausgebeutet, jedoch stieg die Zahl nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie sprunghaft an.

Nach regierungsoffiziellen Angaben sollen durch Investitionen in den Bergbausektor 1‘400 neue Arbeitsstellen, angeblich für lokale Anwohner, geschaffen werden. Dem hält die bekannte tibetische Intellektuelle und Dissidentin Woeser entgegen, dass seit 2006 schätzungsweise 10‘000 chinesische Migranten in der Bergbauindustrie neu eingestellt wurden.

Die drastische Steigerung des Abbaus von Lagerstätten hat in den letzten Jahren zu erheblichen Konflikten mit betroffenen Tibetern geführt [vergl. Tibet-Information vom 2. März 2007, 28. Juni 2007,28. Mai 2009, 15. Juni 2009, 24. Juni 2009, 19. August 2009, 25. August 2010, 25. Oktober 2010;UM], in deren Verlauf es sogar Tote gab; so wurden im August letzten Jahres 3 Tibeter bei einem friedlichen Protest gegen eine Goldmine von Sicherheitskräften erschossen [vergl. Tibet-Information vom 25. August 2010; UM].

Abgesehen vom Zustrom chinesicher Migranten, die gegenüber den Tibetern bei der Vergabe von Arbeitsplätzen regelmässig bevorzugt werden, wehren sich die Tibeter gegen mehrere schädliche Aspekte.

Nicht selten berührt der Abbau Orte oder Landschaften, die den Tibetern heilig sind. So protestierten Tibeter gegen eine Goldmine, die in einen ihnen heiligen Berg getrieben werden sollte oder den Bau einer Strasse für den Abtransport des Materials, die ein heiliges Bauwerk zu zerstören drohte.

Zum zweiten beanspruchen viele Abbauarbeiten die ohnehin knappen Wasserresourcen. In einer Dürreperiode im Juni 2010 entnahm eine Mine im Ort Gyama, etwas östlich von Lhasa, so viel Wasser, dass der Grundwasserstand sank und Wasserquellen versiegten.

Gross ist die Sorge auch wegen der Wasserverschmutzung durch Rückstände aus der Abbautätigkeit. Exemplarisch wird das Huatailong-Projekt in Gyama erwähnt. Nach einer Untersuchung, die in einem renommierten niederländischen Wissenschaftsjournal veröffentlicht wurde [Science for the Total Environment, Elsevier-Verlag, September 2010; UM], haben im Tal von Gyama im Flussbett des gleichnamigen Flusses die Konzentrationen von Kupfer, Blei, Eisen und Aluminium in den letzten 20 Jahren erheblich zugenommen. Die Autoren des Berichts warnen vor den Gesundheitsrisiken, wenn diese Metalle Aufnahme in die Nahrung finden. Mehr noch, der Gyama-Fluss mündet in den Kiychu-Fluss, der durch Lhasa mit seinen über 180‘000 Einwohnern fliesst und schliesslich in den Yarlung Tsangpo mündet, der schliesslich als Brahmaputra in Bangladesh in das Meer mündet. Damit gefährden Rückstände potentiell eine grosse Bevölkerungszahl.

Proteste der Tibeter werden so gut wie immer gewaltsam beendet. Nach Woeser macht es keinen grossen Unterschied, ob die Minen in chinesischer oder ausländischer Hand sind. Allenfalls würden ausländische Firmen ein wenig mehr auf Umweltstandards achten und eher geneigt sein, die Anwohner für Schäden zu kompensieren.

Quellen: Vancouver Media Coop

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