Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft
zusammengestellt von Dr. Uwe Meya

7. Januar 2019
Selbstverbrennungen in Ngaba
Nur kurz nach den letzten Selbstverbrennungen in Ngaba vom 4. November und 8. Dezember [vergl. Tibet-Informationen vom 4. und 10. Dezember 2018; UM] haben sich in der gleichen Region laut Meldungen von Radio Free Asia und Tibet Times zwei 16-jährige Mönche auf der Hauptstrasse in Ngaba in Flammen gesetzt. Diese Strasse heisst bei den Einwohnern auch «Strasse der Helden», weil sich hier schon mehrere Selbstverbrennungen ereignet haben. Ihre Namen werden mit Gendun Gyatso und Choekyi Gyatso angegeben. Sie sollen, in Flammen stehend, Parolen für die Freiheit Tibets gerufen haben. Einer von beiden sei im Spital gestorben, aber es ist unbekannt, wer es ist. Wegen der sofortigen Nachrichtensperre mit Blockieren der Internetverbindungen war es nicht möglich, weitere Details zu erfahren. Die Familien von beiden und weitere Bewohner ihrer Heimatdörfer sollen von den Behörden massiv unter Druck gesetzt worden sein, nichts der Aussenwelt mitzuteilen. Das Datum der Selbstverbrennungen ist unklar: laut Informanten von Radio Free Asia ereigneten sie sich am 9. Dezember, laut Tibet Times am 12. Dezember.

Ebenso ist nicht bestätigt, ob es wirklich zwei Tibeter waren, die sich anzündeten. Phayul zitiert Informanten, laut denen einer der beiden der etwa 20-jährige Drugkho sei, der sich nach vorigen Meldungen am 8. Dezember verbrannt hatte [vergl. Tibet-Informationen vom 10. Dezember 2018; UM].

Radio Free Asia, 14. Dezember 2018
Tibet Post International. 14. Dezember 2018

„Selbstbrennung war ein Unfall“, behauptet ein Angehöriger
Die Selbstverbrennung von Dopo am 4. November [vergl. Tibet-Information vom 4. Dezember 2018; UM] sei ein Unfall gewesen, behauptet ein Tibeter, der sich als sein Onkel bezeichnet. Er erklärt dieses in einem Video. Die Herkunft und das Aufnahmedatum des Videos, das Phayul am 9. Dezember erhielt, sind nicht bekannt. Auch konnte nicht verifiziert werden, ob es sich bei der Person wirklich um seinen Onkel handelt.

Dopo habe nach dem Tod seiner Eltern im Haus des Onkels gelebt. Die Person im Video, die sich als sein Onkel bezeichnet, erklärte, er habe Dopo für eine Besorgung fortgeschickt. Auf der Fahrt habe jedoch sein Motorrad kurz nach dem Losfahren Feuer gefangen. Tibeter hätten Dopo mit schweren Brandverletzungen gefunden und in Unkenntnis der Situation auf eine Selbstverbrennung geschlossen. Der Onkel habe aber mit Dopo noch kurz sprechen können, wo dieser den Brand auf das defekte Motorrad zurückführte. Später erlag Dopo im Spital seinen Verletzungen.

Tibeter begegnen diesem Video und den Erklärungen mit grossem Misstrauen. Immer wieder hatten in der Vergangenheit die Behörden versucht, die Gründe für Selbstverbrennungen auf persönliche Probleme zu schieben. Als Motiv wurden Liebeskummer oder Ehestreitigkeiten vorgeschoben. Angehörige wurden massiv unter Druck gesetzt, solche Erklärungen zu verbreiten. Mönchen wurde sogar unterstellt, sie wären alkoholsüchtig gewesen oder hätten Schulden aus Glücksspielen gehabt, was sie zur Selbstverbrennung trieb – beides für Mönche eine ungeheuerliche Verletzung ihrer Gelübde.

Phayul, 11. Dezember 2018

„Hundert-Tage-Kampagne“ gegen „Kräfte der Unterwelt“
Wie schon in der Präfektur Yushu [vergl. Tibet-Information vom 29. September 2018; UM] und einer angeblich landesweiten Kampagne gegen die «Verbreitung illegaler Nachrichten» [vergl. Tibet-Information vom 10. Dezember 2018; UM] gehen die Behörden jetzt auch im Bezirk Sangchu gegen sogenannte „Kräfte der Unterwelt“ vor. Die Kampagne, die am 15. November offiziell begann, soll sich über die folgenden 100 Tage erstrecken und fordert alle Bewohner auf, gegen eine Belohnung „illegale Aktivitäten“ zu melden, die von diesen „Kräften“ ausgehen. Wie auch in den anderen Kampagnen wird dieser Begriff sehr weit definiert und kann beispielsweise auch Umweltaktivisten oder religiöse Organisationen treffen. Unter anderem werden folgende Aktivitäten als „illegal“ bezeichnet:

  • „Unterminieren der politischen Stabilität“ durch heimliche Übermittlung von Informationen an eine „illegale Organisation“ im Ausland
  • „Initiieren von Protesten wegen Streitigkeiten über Ländereien oder wegen krimineller Akte“
  • Senden von Nachrichten, die „die Stabilität und Sicherheit in Tibet“ beeinträchtigen, oder Verbreiten von „Gerüchten, die Partei, Staat und Nation schädigen“ über soziale Medien
  • Missachten der Grenzen von Weideland und Beeinträchtigung von Viehweiden anderer Personen, oder das Anzetteln von Auseinandersetzungen darüber.

Free Tibet Campaign, 21. Dezember 2018

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